Brasilienwahl - was dürfen Anleger erwarten?

Matthew Holdgate, Nikko AM
Matthew Holdgate / Bild: Nikko AM
Brasilien wählt – und das Ergebnis scheint so gut wie sicher: Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro dürfte am Sonntag zum Präsidenten gewählt werden. Welche Auswirkungen wird dies auf die Märkte haben? Ist ein Ausstieg aus dem Land ratsam?

Fragwürdige Äußerungen

Da Bolsonaros Sieg nahezu sicher scheint, dürfte sich der Fokus der Anleger nun auf die Reformaussichten unter einer von ihm geführten Regierung verlagern. Viele Anleger schienen zuletzt bemüht, vor kontroversen Aspekten einer Bolsonaro-Präsidentschaft die Augen zu verschließen – etwa vor seinen zahlreichen fragwürdigen Äußerungen zur Sozialpolitik, einschließlich Fragen des Geschlechts, der Rasse und Sexualität.

Der brasilianische Kongress ist gespalten

Stattdessen lag ihr Augenmerk auf den ökonomischen Vorschlägen von Bolsonaros Berater Paulo Guedes, einem angesehenen Wirtschaftswissenschaftler, der sich für die Privatisierung vieler brasilianischer Staatsunternehmen ausgesprochen hat. Der unerwartet starke Vorsprung Bolsonaros in der ersten Wahlrunde brachte seiner bis dato marginalen PSL-Partei eine beträchtliche Anzahl von Sitzen in beiden Kongresshäusern ein. Dies dürfte die Marktstimmung beflügelt haben, weil dadurch eine rasche Umsetzung von Bolsonaros Reformagenda möglich scheint.
 
Politische Kompromisse werden jedoch unvermeidbar und Reformfortschritte schwierig sein, denn der brasilianische Kongress ist nach wie vor durch eine Vielzahl politischer Ideologien gespalten.
 

Unsicherheit dürfte andauern

Aufgrund des zuletzt vorherrschenden Bärenmarktes in Brasilien, der vor allem auf den unsicheren Wahlausgang zurückzuführen war, haben wir unser Engagement im Land ausgebaut. Bei brasilianischen Vermögenswerten bleiben wir zwar vorsichtig optimistisch, sind aber überzeugt, dass die starke Performance der letzten Monate in nächster Zeit etwas nachlassen dürfte – nicht zuletzt, da der Reformschwung bereits in der frühen Phase von Bolsonaros Präsidentschaft einen Dämpfer erhalten dürfte. Die Unsicherheit in Bezug auf Privatisierungspläne, die Rentenreform und Fragen der Sicherheit dürfte noch einige Zeit andauern
Matthew Holdgate ist Analyst für Schwellenlandanleihen beim japanischen Vermögensverwalter Nikko Asset Management