Heißhunger auf Lachs und Scampi: Die Fisch-Industrie als globaler Wachstumsmarkt

Dr. Tobias Spies, HUBER, REUSS & KOLLEGEN Vermögensverwaltung
Dr. Tobias Spies / Bild: HUBER, REUSS & KOLLEGEN Vermögensverwaltung
Die Seafood-Branche ist ein globaler Wachstumsmarkt. Das weltweite Bevölkerungswachstum, der steigende Wohlstand in vielen Schwellenländern und der Trend zu bewussterer Ernährung lassen die Nachfrage nach Lachs, Shrimps und Muscheln permanent steigen. Das hat vor allem einen Grund: Fisch ist im Vergleich zu Fleisch deutlich gesünder: Er hat weniger Kalorien, ist reich an Proteinen und seine Omega-3-Fettsäuren schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Eigenschaften, die ihn immer begehrter machen. Das gilt auch für den Lachs. Pro Kopf werden in den USA jedes Jahr 1,3 Kilogramm Lachs gegessen, in Deutschland sind es 2,1 und in Norwegen sogar 8,2 Kilogramm. In den Schwellenländern kommt Lachs dagegen erst jetzt so langsam in Mode. So liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in China erst bei 0,1, in Brasilien und Russland bei 0,7 Kilogramm. Insbesondere in diesen Ländern wie auch in den USA ziehen die Wachstumsraten deutlich an.

Nachfrage nach Lachs wird angeschoben

Gleichzeitig schieben die Produzenten durch neue Vertriebs- und Product-Placement-Strategien die Nachfrage an. So wird der weltgrößte Lachsproduzent Marine Harvest nach einer mehrjährigen Testphase mit fünf Restaurants in Taiwan nun den Sprung nach China wagen und dort 2000 eigene Restaurants eröffnen. Auch der chinesische eCommerce Gigant Alibaba will den Vertrieb mit Seafood in seiner Offline- und Onlinewelt ausbauen und strebt enge Kooperationen mit den Produzenten an. Auf der jüngsten Seafood-Konferenz im norwegischen Bergen war das eine der aufsehenerregendsten Nachrichten für die etablierten Branchenvertreter.

Lachszucht ist anspruchsvoll

Während die Nachfrage also stetig steigt, kann das Angebot an Lachs nicht so einfach und schnell erhöht werden. Der Wildfang ist durch strenge Lizenzvergaben und die begrenzten natürlichen Vorkommen limitiert. Um die globale Nachfrage dennoch einigermaßen bedienen zu können, ist man daher auf die Züchtung angewiesen. Rund 2,5 Millionen Tonnen Lachs pro Jahr stammen aus Aquafarmen. Die Hürden für eine erfolgreiche Lachszucht sind hoch. Zum einen aufgrund der äußerst strengen regulatorischen Hürden (in Norwegen beispielsweise ist die Vergabe von Lachszuchtlizenzen staatlich streng geregelt). Zum anderen aufgrund der naturbedingten Umstände. Das Umfeld für eine Lachszucht braucht bestimmte Voraussetzungen - allen voran kaltes, sauberes Wasser - die überwiegend in den Fjorden Norwegens und Chiles zu finden sind. Auch in Schottland, Island, Kanada, Alaska und auf den Färöer-Inseln wird Lachszucht betrieben.

Gourmets bevorzugen (biologischen) Zuchtlachs

Weitere Herausforderungen sind die natürlichen Feinde des Lachses: Seeläuse, Algen, Bakterien und Parasiten, die die Bestände gefährden. Auch der Klimawandel wird das Zuchtverhalten in der Zukunft stark beeinflussen. Hinzu kommen die gestiegenen Anforderungen von Seiten der Verbraucher. Immer mehr Hobbyköche und Gourmets wollen keinen Lachs auf dem Teller, der mit Antibiotikum und Pestiziden versetzt ist. Das wiederum beeinflusst die Sterblichkeitsraten in den Zuchtanlagen. Zugleich können bei Biolachs weniger Tiere pro Becken gehalten werden. Übrigens: Lachse aus nordischer Aquakultur, die in jungen Jahren geimpft werden und somit in der Regel nicht mehr mit Antibiotikum behandelt werden müssen, gelten unter Kennern als der bessere Fisch gegenüber dem viel teureren Wildfang. Dieser ist nämlich häufig von Parasiten, wie den Fadenwürmern (Nematoden) befallen, was bei fangfrischem (also nicht tiefgekühlten) Fisch schlecht für die Qualität ist.

Der Zustand der Fische wird permanent überwacht

Lachszucht ist längst ein Hightech-Business. So wird der Zustand in den einzelnen Becken von speziell ausgebildeten Mitarbeitern, die zu den Top-Verdienern der Branche gehören, rund um die Uhr überwacht. Neben der Wassertemperatur in den einzelnen Abschnitten wird vor allem auf die Bewegung der Tiere geachtet. Aus der Art, wie die Tiere schwimmen, kann gefolgert werden, ob alle gesund sind, ob sie Futter benötigen, ob es irgendwo Probleme gibt, ob fremde Tiere ins Becken gelangt sind und vieles mehr. Die Mitarbeiter sitzen dafür in einem Raum, der mit seinen vielen Bildschirmen fast aussieht wie eine NASA-Zentrale, und verfolgen per Joystick-Controller hochkonzentriert die Unterwasseraufnahmen aus den Tiefen des Zuchtbeckens.

Hochtechnologische Fütterung

Durch neue Technologien können die begehrten Fische inzwischen auch an Land (Onshore) oder auf hoher See (Offshore) gezüchtet werden. Das erweitert das Angebot, allerdings sind die Produktionskosten deutlich höher. Auch neue Verfahren in der Aufzucht werden erprobt. Bislang werden Lachse zunächst an Land aufgezogen und nach elf Monaten mit einem Gewicht von 85 Gramm ins Meergehege übersiedelt. Einige Unternehmen wollen die Fische künftig erst nach 16 Monaten und dann mit einem Gewicht von rund einem Kilogramm ins Meer geben. Dies soll die Gefahr eines Lausbefalls reduzieren und somit die Sterblichkeitsrate minimieren. Hochtechnologisch geht es auch zu, wenn es um die Fütterung geht. Von Land aus werden eine Vielzahl von Futtergehegen mit dem Einsatz von Kameras in allen Becken gesteuert, um die exakte Futtermenge zu bestimmen. Die Kosten für Futter stellen den größten Block in der Lachszucht dar.
 
Die stetig steigenden Nachfrage zeigt: Seafood-Industrie bietet langfristig gute Wachstumsperspektiven. Das macht sie auch für Investoren interessant.
 
Dr. Tobias Spies hat Betriebswirtschaftslehre studiert und extern promoviert. Seine berufliche
Laufbahn im Fondsmanagement begann er bei der Dr. Kohlhase Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH. Dort war er zuletzt als Geschäftsführer u.a. für das Rentenfondsmanagement verantwortlich. Spies verfügt über 12 Jahre Erfahrung im Management von diversen Publikumsfonds. Bei Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung ist er Leiter Fixed Income und verantwortlich für den ARBOR INVEST-Spezialrenten Fonds.

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