Gute Zahlen - vorsichtige Prognosen. Der Kommentar zur Woche

Dr. Robert Ertl, Börse München
Dr. Robert Ertl / Bild: Bayerische Börse
Nach deutlichen Schwankungen haben die deutschen Aktienmärkte die vergangene Handelswoche mit Gewinnen beendet. Die größten Indexausschläge im Wochenverlauf waren zwar nach unten gerichtet: Am Mittwoch ließen neue Strafzoll-Ankündigungen der USA gegen China und die chinesische Replik auf diese die Kurse empfindlich einbrechen. Allerdings reichten die Aufwärts-Impulse durch das letztlich gut aufgenommene Ergebnis des Nato-Gipfels in Brüssel, vereinzelt überraschend stark ausgefallene Konjunkturdaten und einzelne Unternehmensnachrichten sowie die Tatsache, dass der Handelskonflikt über weite Strecken ausgeblendet wurde, aus, um den Märkten eine insgesamt positive Wochenbilanz zu bescheren.

Kleine schlagen Große

Der Deutsche Aktienindex (Dax) kam dabei auf Wochensicht um 0,4 Prozent auf 12.540,73 Punkte voran. Deutlich stärker legte der MDax zu, nämlich um 1,8 Prozent auf 26.413,57 Zähler. Der TecDax kletterte sogar um 2,2 Prozent nach oben auf 2.823,66 Punkte. Zu den Indexgewinnern zählte bei erheblichen Schwankungen Nordex. Die Titel des Herstellers von Windturbinen profitierten von der Meldung eines Großauftrages, für Belastungen sorgten anschließende Gewinnmitnahmen. Der HAFIX-Deutschland verbesserte sich um 0,5 Prozent auf 4.270,79 Zähler, der HAFIX-Europa stieg um 1,1 Prozent auf 2.841,10 Punkte.

Internetriesen pushen US-Aktien

Deutlich kräftiger fielen die Zuwächse in den USA aus. Der Dow-Jones-Index gewann auf Wochensicht 2,3 Prozent auf 25.019,41 Punkte. Der S&P-500-Index legte 1,5 Prozent auf 2.801,31 Zähler zu. Der technologielastige Nasdaq-100-Index beendete die Woche bei 7.375,82 Punkten und damit 2,3 Prozent höher als eine Woche zuvor. Im Verlauf des Freitags markierte der Index zudem einen neuen Rekordstand. Zurückzuführen war dies unter anderem auf Höchststände bei Indexgrößen wie dem Google-Mutterunternehmen Alphabet, Amazon, Facebook oder Microsoft.

US-Berichtssaison läuft heiß

In der aktuellen Woche dürfte die angelaufenen US-Berichtssaison im Fokus der Anleger an den deutschen Aktienmärkten stehen. Dabei erwarten sich viele Beobachter zwar gute Zahlen, aber vor dem Hintergrund der Handelskonflikte der USA vorsichtigere Prognosen als zuletzt. Zu den großen Unternehmen, die in den kommenden Tagen Einblick in ihre Bücher geben, zählen die Großbanken Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley, daneben berichten unter anderem Alcoa, General Electric, IBM und Netflix. Auch in Europa legen bereits einige Unternehmen Quartalszahlen vor, wie hierzulande SAP. Dabei rechnen die meisten Analysten insgesamt mit schwächeren Daten als aus den USA.

Wirtschaftsdaten aus USA, China und Europa

Hinsichtlich der Konjunkturveröffentlichungen dürften die aus den USA für die größere Aufmerksamkeit sorgen. Hier stehen unter anderem die Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion sowie Daten vom Immobilienmarkt auf der Agenda. Aus Europa kommen unter anderem Inflationszahlen, die vor allem auf ihre mögliche Auswirkung auf die Geldpolitik hin analysiert werden dürften. Mit Spannung dürften die Anleger zudem auf Wirtschaftsdaten aus China blicken.
 
Die zuletzt erneut in den Hintergrund getretenen Handelskonflikte der USA, und hier vor allem der mit China, dürften nach Ansicht von Beobachtern erst dann wieder ins Bewusstsein der Marktteilnehmer treten, wenn es von dieser Seite Neuigkeiten gibt, sei es eine weitere Zuspitzung, ein Inkrafttreten von Zöllen oder aber Hinweise auf eine Entspannung. Letztere kamen zu Ende der Vorwoche, als sowohl die USA als auch China Gesprächsbereitschaft signalisiert hatten. Daneben bleibt US-Präsident Donald Trump anhaltend ein Unsicherheitsfaktor für die Börsen, dessen Äußerungen für Bewegungen in die eine oder andere Richtung sorgen können. Zu Wochenbeginn steht ein Besuch beim russischen Amtskollegen Wladimir Putin auf dem Programm.

Anleihen - Schwankende Kurse

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben sich in der vergangenen Woche schwankend präsentiert. Für Belastung sorgten unter anderem besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten aus der Eurozone sowie die Bekenntnis von US-Präsident Donald Trump zur Nato auf dem Gipfel des Bündnisses in Brüssel. Die erneute Zuspitzung im Handelskonflikt zwischen den USA und China zu Wochenmitte ließen die davon verunsicherten Anleger dagegen zu den Bundespapieren greifen, bevor von beiden Seiten Signale der Gesprächsbereitschaft kamen. Im Wochenvergleich zog die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von 0,29 auf 0,34 Prozent an. Die Umlaufrendite sank dagegen von 0,17 auf 0,15 Prozent.

Anleihen - Anleger achten auf Wirtschaftsdaten

In der aktuellen Woche dürften die Anleger an den deutschen Anleihemärkten stark auf die anstehenden Wirtschaftsdaten blicken. Dabei dürften sie vor allem darauf achten, ob sich in diesen bereits Auswirkungen der Handelskonflikte der USA mit der EU und China zeigen. Sollte dies der Fall sein, so könnte das zu Unsicherheit an den Märkten führen, was sich wiederum positiv auf die deutschen Anleihen auswirken könnte. Sollte es zudem neue Entwicklungen in den Handelskonflikten geben, so dürfte sich auch dies in den Kursen niederschlagen. Die Geldpolitik in den USA und Europa könnte dagegen fürs Erste im Hintergrund bleiben. Die US-Notenbank hatte Ende der vergangenen Woche signalisiert, die geldpolitische Straffung fortsetzen zu wollen. Und hinsichtlich des weiteren Kurses der Europäischen Zentralbank gibt es derzeit keine Spekulationen auf überraschende Schritte.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 16.07.: Handelsbilanz für die Eurozone; Einzelhandelsumsätze in den USA; New York Empire State Produktionsindex (USA); Bruttoinlandsprodukt Chinas
Dienstag, 17.07.:
US-Industrieproduktion; Immobilienmarktindex der National Association of Home Builders (USA)   
Mittwoch, 18.07:
Verbraucherpreise in der Eurozone; Baubeginne und -genehmigungen in den USA; US-Hypothekenanträge
Donnerstag, 19.07.:
Philadelphia Fed Herstellungsindex (USA)      
Freitag, 20.07.:
Erzeugerpreise in Deutschland; Leistungsbilanz für die Eurozone
 
                      

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

SAP 102,22 -0,74 %
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Populäre Aktien

DB TecDAX 2.864,25 0,79 %
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Populäre Aktien

DB MDAX 26.764,00 1,07 %
DB DAX 12.708,00 1,17 %
Nordex 9,81 -0,65 %
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Populäre Aktien

HAFIX-Deutschland 4.302,27 0,60 %
HAFIX-Europa 2.857,86 0,83 %
Alcoa-WI Rg 40,52 -0,20 %
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Alphabet-A Rg 1.041,45 1,34 %
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Amazon.com 1.585,49 1,12 %
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Bank of America Rg 25,25 2,64 %
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DB Dow Jones 25.122,00 0,26 %
Facebook 179,30 0,99 %
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General Electric Rg 11,85 -0,42 %
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Goldman Sachs Gr Rg 196,04 0,86 %
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IBM Rg 123,79 0,00 %
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Populäre Aktien

Microsoft Rg 89,50 -0,36 %
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Populäre Aktien

Morgan Stanley Rg 41,60 1,46 %
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Populäre Aktien

Netflix 326,64 -4,00 %
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Populäre Aktien

DB S&P 500 2.809,50 0,42 %