Chancen in Japan und Asien

John Vail, Nikko AM
John Vail / Bild: Nikko AM
Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich die japanische Industrieproduktion im Oktober besser entwickelt als im produzierenden Gewerbe der USA und in den USA insgesamt. Wahrscheinlich dürfte es auch Europa übertroffen haben:
  • Natürlich basiert der Vergleich in Japan auf einem bemerkenswert schwachen Oktober 2019 (nach der Mehrwertsteuererhöhung). Aber auch im Vergleich zum September übertraf der Oktober mit einer V-förmigen Erholung um 3,8 Prozent deutlich die Erwartungen (Konsensus 2,4 Prozent).
  • Angeführt wurden die Produktionszahlen von Investitionsgütern und Autobauern, wobei letztere den starken Aufschwung der weltweiten Autoverkäufe widerspiegelten. Das gilt insbesondere für die Luxus- und SUV-Segmente mit hoher Wertschöpfung, die zudem für die meisten Automobilhersteller sehr profitabel sind.
  • Die Verbesserung bei den Investitionsgütern ist unterdessen ein guter Indikator für das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen in den vor uns liegenden BIP-Statistiken vieler Länder fürs vierte Quartal.

Asiatische Aktien - selektiv zugreifen

Das Hickhack um das US-Wahlergebnis, das Vorgehen Chinas gegen Big Tech sowie die Entwicklung von COVID-19 angesichts nahender Impfstoffe – vor diesem lebhaften Hintergrund schätzen die Experten von Nikko Asset Management die aktuelle Lage an den asiatischen Aktienmärkten ein:
  • China: Software-, Automatisierungs-, Gesundheits- und Versicherungsaktien bevorzugt
    Chinas Präsident Xi Jinping möchte heimische Innovation und den Binnenkonsum anregen und gleichzeitig ausländisches Kapital im Land willkommen heißen. Die jüngsten Schritte haben denn auch den Zugang für ausländische Investoren zu Chinas Kapitalmärkten verbessert. Angesichts der breiten Unterstützung in den USA für Maßnahmen zur Eindämmung des chinesischen Vormarsches, insbesondere im Technologiebereich, bietet Xi mit diesem Ansatz Spielraum für den weiteren Umgang mit den Auswirkungen des US-Politikwechsels für China. Wir bevorzugen nach wie vor inländisch orientierte Aktien in den Wachstumsbereichen Software, Automatisierung, Gesundheitswesen und Versicherungen.
  • Südkorea und Taiwan: Suche nach Möglichkeiten
    Südkorea und Taiwan befinden sich mit ihren technologielastigen Volkswirtschaften in der unangenehmen Lage, sich in einem wahrscheinlich langanhaltenden Streit zwischen den USA und China möglicherweise für eine Seite entscheiden zu müssen. Beide Länder sind langjährige Verbündete der USA, doch die Realität ist etwas komplizierter. Auf diesen Märkten halten wir weiterhin Ausschau nach Möglichkeiten in Sektoren wie saubere Technologien und industrielle Automatisierung.
  • Indien und ASEAN: Selektiv Chancen wahrnehmen
    In Indien sind umfassende Reformen im Arbeits- und Agrarsektor im Gange, aber wie bei allen größeren Neuerungen dieser Art werden die Auswirkungen erst in den kommenden Jahren spürbar werden. In der Zwischenzeit bevorzugen wir weiterhin Unternehmen, die anderen Firmen Wachstumskapital zur Verfügung stellen, d.h. Banken des Privatsektors, sowie Unternehmen, die die Reibungsverluste bei Geschäftsaktivitäten verringen: Digitale und Logistik-Dienstleister.
Politisch wird es in den ASEAN-Staaten nie langweilig, da sowohl Malaysia als auch Thailand mit verschiedenartigen Turbulenzen konfrontiert sind. Vietnam erwies sich beim Umgang mit COVID-19 und der wirtschaftlichen Erholung als vorbildlich, insbesondere da die internationalen Lieferketten neu aufgesetzt werden. Dennoch gibt es hier nur wenige attraktive Gelegenheiten; wir bleiben wachsam.

Unternehmensanleihen erholen sich weiter

Die Renditeaufschläge asiatischer Unternehmensanleihen engen sich weiter ein. Die Anleihen-Experten von Nikko Asset Management sehen jedoch auch Faktoren, die diesen Trend gefährden können:
  • Die meisten asiatischen Volkswirtschaften haben wahrscheinlich den schlimmsten Teil des Wirtschaftsabschwungs im zweiten Quartal hinter sich gebracht. Derzeit ist eine Erholung im Gange, die die allgemeinen Kreditgrundlagen der Unternehmen unterstützt. In den meisten Industrie- und Schwellenländern wird weiterhin eine kreditunterstützende Finanz- und Geldpolitik verfolgt, auch wenn die Maßnahmen zur schrittweisen Lockerung in Zukunft moderater ausfallen dürften. Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen und eine bessere Behandlung von COVID-19-Fällen hellen den positiven Hintergrund weiter auf.
  • Angesichts der starken Erholung der Spreads von Kreditanleihen den vergangenen Monaten dürfte sich das Tempo der Verengung jedoch verlangsamen und immer wieder gegenläufige Marktphasen auftreten. Das Wiederaufflammen der COVID-19-Infektionen, insbesondere in Europa und den USA, trägt zu den kurzfristigen Unsicherheiten bei. Die Wirksamkeit der jüngsten Eindämmungsmaßnahmen sowie die weiteren Entwicklungen rund um die Impfstoffe werden auf dem Weg ins Jahr 2021 wichtige Faktoren für die Risikobereitschaft sein.

John Vail, Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management