Thomas Rappold
Donald Trumps Feldzug gegen den freien Welthandel zum Trotz überschritt das globale Übernahmevolumen im Bereich M&A laut den Wirtschaftsprüfern von KPMG im ersten Quartal 2018 die Marke von einer Billion Dollar. Der höchste Wert innerhalb der letzten zehn Jahre. Die Vorstände in den führenden Unternehmen zeigen Mut und Entschlossenheit und geben damit eine eindeutige Antwort auf den Trump-Protektionismus und seinen Schlingerkurs in Handelsfragen.

Cash-Stärke der US-Firmen

Besonders mutig zeigte sich PayPal CEO Dan Schulman. Er schnappte sich für den stolzen Betrag von 2,2 Mrd. US-Dollar das kurz vor dem IPO stehende schwedische Payment Startup iZettle. Der Deal hat gleich mehrere markante Insignien, die als Muster für weitere Transaktionen beiderseits des Atlantiks herhalten können: PayPal operiert bisher als reine Softwarelösung am Markt. Das schwedische iZettle rüstet ähnlich wie der amerikanische Wettbewerber Square kleine Händler, für die sich eine Vertragsbeziehung zu den Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard nicht lohnt, mit Kartenlesegeräten und einer Bezahlsoftware aus, die auf einem einfachen Tablet betrieben werden kann. Der „Hardware“-Kauf von iZettle ist damit auch ein Eingeständnis von PayPal und dem Silicon Valley, dass es ohne Hardware eben doch nicht in der Breite geht. Die Übernahme kann PayPal praktisch aus der Portokasse in Bar bezahlen. Wieder ein Beweis, dass die Cash-Stärke und die höheren Unternehmensbewertungen in den USA zum Vorteil bei Übernahmen in Europa gereichen.

Transatlantische Brückenbauer

Fast gleichzeitig erregte der deutsche Automobilsystemlieferant Continental mit der millionenschweren Aufstockung seiner Beteiligung an dem im Silicon Valley beheimateten Startup DigiLens aufsehen. Das Startup ist führend in der Produktionstechnologie basierend auf holografischen Halbleitern. Zusammen mit Continental sollen automobiltaugliche Head-up-Displays entwickelt werden. Augmented Reality kommt damit ins Auto. Gerade die Megathemen der Digitalisierung wie autonomes Fahren, Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz können zu transatlantischen Brückenbauern werden: europäische Kompetenz in der Hardware und die Softwarekompetenz des Silicon Valley werden so für Unternehmen und Aktionäre ein gewinnbringendes Duo der Zukunft. Trump zum Trotz.
Dieser Artikel ist zuerst bei Börse-Online erschienen.
 
Thomas Rappold, geboren 1971, ist Internetunternehmer und Investor. Bereits mit 14 Jahren erlernte er die ersten Programmiersprachen im Selbststudium auf dem damaligen Kultcomputer Commodore C64. Als einer der ersten Absolventen des europaweit ersten Studiengangs Medieninformatik trug er als Mitarbeiter der Strategiegruppe Internet bei Allianz SE maßgeblich zu damals bahnbrechenden neuen Finanzportalen für Privat- und Geschäftskunden bei.
Seit über zehn Jahren erfolgreicher Unternehmer einer Internet-Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft und Gründer von zahlreichen Internet-Start-ups ist Thomas Rappold ein profunder Kenner des Silicon Valley und dort als Investor an verschiedenen Start-ups beteiligt. Mehr über Thomas Rappold und das Silicon Valley finden Sie auf seiner Homepage www.silicon-valley.de.
Im Finanzbuchverlag München veröffentlichte Thomas Rappold jüngst "Silicon Valley Investing. Investieren in die Superstars von heute, morgen und übermorgen".
                                  

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