Keine weiteren Hilfen für private Haushalte in den USA nötig

Michael J. Bazdarich, Western Asset Management
Michael J. Bazdarich / Bild: Western Asset Management
Die Pandemie hat vor allem private Haushalte in den USA hart getroffen. Doch die Hilfsmaßnahmen kamen an. US-Haushalte haben in den vergangenen Monaten dank der Hilfen sogar höhere Einkommen erzielt, als in einer Zeit ohne Pandemie realistisch gewesen wäre. Die USA können sich mit weiteren Hilfspaketen für private Haushalte daher Zeit lassen.
Die meisten US-Privathaushalte benötigen vorerst keine weiteren staatlichen Hilfen. Die im vergangenen April etablierten Hilfsprogramme haben das persönliche Einkommen von US-Familien seit Ausbruch der Pandemie deutlich angehoben. Unter dem Strich hat das Einkommen inklusive Zuwendungen sogar das Niveau überschritten, das im Rahmen eines normalen Wirtschaftswachstums ohne Ausbruch der Pandemie realistisch gewesen wäre.

Positive Entwicklung bei Familieneinkommen

Wir beziehen uns dabei auf Daten des Bureau of Economic Activity (BEA). Diese zeigen nach einem Einbruch der Haushaltseinkommen unmittelbar nach Beginn der Pandemie zweierlei: Berücksichtigt man die Hilfsprogramme nicht, so schlägt sich die Erholung der Wirtschaft dennoch stark positiv in den Einkommen von Familien nieder und dürfte sich im Zuge des fortgesetzten Aufschwungs auch weiter an das extrapolierte Vor-Krisen-Niveau annähern. Berücksichtigt man dagegen die staatlichen Hilfsprogramme, sind die Haushaltseinkommen in der ersten Jahreshälfte 2020 sogar stark gestiegen und liegen trotz des Rückgangs der Hilfen aktuell noch immer über dem extrapolierten Vor-Krisen-Niveau. Mit Auslaufen der Maßnahmen könnte das Haushaltseinkommen zwar kurzzeitig wieder unter dieses Niveau fallen – aber nicht deutlich. Und obwohl sich die Wirtschaft zuletzt wieder zögerlicher erholte, sollten die Haushaltseinkommen auch ohne weitere Hilfen für Privathaushalte wieder steigen.
Aus diesem Grund sehen wir aktuell keinen Druck für die US-Regierung, neue Hilfen für US-Haushalte auf den Weg zu bringen. Es ist eindeutig, dass der Kongress bereits genug Hilfen bewilligt hat, um US-Familien über den Winter zu bringen. Anleger sollten nicht nervös werden, wenn weitere Hilfen für Privathaushalte vorerst ausbleiben. Sollten die Folgen der Pandemie weitere Maßnahmen nötig machen, hat der Kongress nach den Hilfsprogrammen in diesem Jahres noch genug Zeit, um zu reagieren.
 
Wir betonen, dass sich die Analyse auf die Zuwendungen für Arbeitsnehmer und private Haushalte bezieht. Die Hilfen für Unternehmen sowie die Notwendigkeit deren Ausweitung müssen gesondert bewertet werden. In diesem Bereich springt auch die US-Notenbank ein, die beispielsweise die Kreditvergabe begünstigen kann.
Michael J. Bazdarich ist Produktspezialist von Western Asset Management.