Konjunktur und Inflation in Deutschland - Die Prognosen müssen angepasst werden

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Nachdem Ende 2017 ein Zuwachs von 0,6 Prozent zu verbuchen war, konnte das deutsche BIP im ersten Quartal kalender- und saisonbereinigt nur um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zulegen. Dies ist das niedrigste Wachstum seit dem dritten Quartal 2016. Auch wenn eine Verlangsamung der Dynamik erwartet worden war, haben die Zahlen dennoch überrascht. Mit einer Halbierung des Wachstumstempos haben die wenigsten Analysten gerechnet. Eine Revision vieler Wachstumsprognosen für 2018 ist damit unausweichlich. Selbst bei einer erneuten, moderaten Belebung in der zweiten Jahreshälfte ist ein Jahreswachstum von über 2 Prozent unwahrscheinlich; vor allem, weil auch die Dynamik im zweiten Quartal eher moderat ausfallen dürfte. Angesichts des schwachen Verlaufs im ersten Quartal und der anhaltenden Unsicherheiten über die kurzfristige weitere Konjunkturentwicklung revidiert die IKB ihre BIP-Wachstumsprognose von 2,3 Prozent für 2018 auf rund 2 Prozent. Das Prognoserisiko scheint allerdings weiterhin eher nach unten gerichtet zu sein.

Dämpfer vor allem durch Außenhandel

Für den Dämpfer verantwortlich war neben den Konsumausgaben des Staates, die erstmals seit knapp fünf Jahren gesunken sind, der Außenhandel. Er konnte seinen starken Aufwärtstrend der beiden letzten Quartale nicht halten und verlor an Dynamik, weil die Exporte deutlicher nachließen als die Importe. Trotz der schlechten Witterung legten die Bauinvestitionen hingegen überraschend kräftig zu. Erfreulich ist, dass ebenfalls deutlich mehr in Ausrüstungen investiert wurde. Die privaten Haushalte erhöhten ihre Konsumausgaben leicht. Die Inlandsdynamik scheint damit weitgehend intakt, dürfte aber auch an Tempo eingebüßt haben.

Trotz eines möglichen kurzfristigen Preisdrucks keine nachhaltige Inflation zu erwarten

Der jüngste Anstieg des Ölpreises in Folge des Konflikts um das Atomabkommen mit dem Iran hat erneut die Diskussion entfacht, in welchem Maße diese Entwicklung für Inflation sorgt und somit auch die EZB-Politik beeinflussen könnte. Zwar hat sich der US-Dollar-Ölpreis von seinen jüngsten Hochständen verabschiedet, von seinem Tiefstand von 29 Euro pro Barrel Anfang 2016 hat er sich jedoch deutlich abgesetzt. Selbst die Aufwertung des Euro im Verlauf des Jahres 2017 konnte nicht verhindern, dass der Euro-Ölpreis seit Anfang 2016 einen positiven Trend zeigt. Das Niveau bleibt allerdings im historischen Vergleich weiterhin relativ niedrig.

Ölpreis sorgt für Preisdruck

Ein anziehender Ölpreis wird sicherlich für Preisdruck sorgen – vor allem, wenn der Euro-Wechselkurs nicht aufwertet. Dies wird anfänglich zu einer höheren Inflationsrate führen. Für die Notenbank ist allerdings entscheidend, welche Folgen sich durch den einmaligen Preisanstieg in der Zukunft ergeben werden. Ist die Erwartung, dass dieser einmalige Preisanstieg zu Zweitrundeneffekten wie steigenden Löhnen bzw. Lohnkosten führt, wird dies eine Reaktion der Notenbank in Form einer strafferen Geldpolitik auslösen. Eine zunehmende Inflationsrate bedeutet in erster Instanz erst einmal, dass die realen Löhne sinken. Ein Anstieg des Ölpreises hat somit kurzfristig einen negativen Einfluss auf die Realwirtschaft. Gefährlich wird es hingegen nur dann, wenn dieser Anstieg durch Geldmengenausweitung zu einer zunehmenden Inflationsdynamik und somit zu einer tendenziell ansteigenden Inflationsrate führt.

Ende der negativen Zinsen 2019

Dies ist allerdings vor allem in der Euro-Zone nicht zu erkennen (die Kreditvergabe entwickelt sich trotz niedriger Zinsen eher moderat). So mag die aktuelle Ölpreisentwicklung die Inflationsrate kurzfristig nach oben treiben, der Geldpolitik sollte dies aber relativ wenig Sorgen bereiten. Bleibt der Ölpreis auf dem aktuellen, höheren Niveau oder sinkt er 2018 bzw. 2019 erneut, nimmt sogar die Gefahr zu, dass die Inflationsrate 2019 niedriger ausfallen könnte als aktuell erwartet wird (so wie es 2015 der Fall war). Die IKB erwartet für Deutschland eine Inflationsrate von knapp unter 1,6 Prozent in 2018. Für die Euro-Zone liegt die Prognose bei 1,4 Prozent. Die IKB geht nach wie vor von einer Beendigung des Aufkaufprogramms in 2018 und einem Ende der negativen Zinsen in 2019 aus. Eine kurzfristig höhere Inflation infolge eines weiter steigenden Ölpreises sollte hieran nichts ändern.

Fazit: Mangelnde Auslandsnachfrage und Preisdruck durch Öl

Die deutsche Wirtschaft konnte ihr starkes Wachstum des Jahres 2017 im ersten Quartal 2018 nicht halten. Dabei blieb die Inlandsdynamik weitgehend intakt; aber der Außenhandel dämpfte das Wachstum aufgrund rückläufiger Exporte. Angesichts des nur moderaten Verlaufs im ersten Quartal und der unsicheren weiteren Konjunkturentwicklung aufgrund geopolitischer Risiken revidiert die IKB ihre BIP-Wachstumsprognose für Deutschland in diesem Jahr von 2,3 Prozent auf rund 2 Prozent.
 
Der höhere Ölpreis wird für Preisdruck sorgen – vor allem, wenn der Euro-Wechselkurs nicht aufwertet. Dies wird anfänglich zu einer höheren Inflationsrate führen. Von einem nachhaltigen Anstieg der Teuerung ist allerdings nicht auszugehen. Die IKB erwartet für Deutschland eine durchschnittliche Inflationsrate in 2018 von knapp unter 1,6 Prozent. Für die Euro-Zone liegt die Prognose bei 1,4 Prozent. Bleibt der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau oder sinkt er erneut, nimmt die Gefahr zu, dass die Inflationsrate 2019 niedriger ausfallen könnte als aktuell erwartet.
 
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.