Millionen auf der Straße

Lewin Kirstein
Ein Bugatti Veyron Supersport in Gstaad / Bild: LK
Einmal im Jahr treffen sich die stolzen und wohlhabenden Besitzer von Supercars, seltenen Oldtimern und extrem limitierten Hypercars in der Schweiz im Zeichen des „Supercar Owner Circle“. Am ersten Septemberwochenende 2020 fand das Event in Gstaad in der Schweiz statt – damals noch kein Corona-Hotspot sondern ein Hotspot heißer und vor allem teurer Autos. Denn der Mindestpreis liegt bei etwa 300.000 Euro pro Stück, nach oben offen. Denn hier kommt die Crème de la Crème
der Autosportmarken zusammen: Pagani, Koenigsegg, Lamborghini, Ferrari und die James-Bond-Marke Aston Martin.
Erinnert ein wenig an Disneyland: Das The Palace Gstaad, aufgrund des Supercar Owner Circle mit Ferrari-Fahne/ Bild:UK
Die Fahrer trafen sich in den beiden Luxushotels The Alpina Gstaad und The Palace Gstaad, wo nicht nur ihre Wagen von einer eigens angeheuerten Security-Firma Tag und Nacht bewacht wurden, sondern auch köstliche Speisen aufgefahren wurden, wie man hört. Die Sportwagen fuhren dann am Wochenende in einer Kolonne Parade auf der Promenade von Gstaad, wo Fahrzeuge und Fahrer einzeln begrüßt wurden. Außerdem veranstalteten sie ein Rennen auf dem Flughafen Gstaad und unternahmen eine Tour über die Passstraßen der Bergwelt rund um den Schweizer Nobelort, in dem schon Stars wie Roger Moore, Tony Curtis, Gunter Sachs, Elisabeth Taylor und Richard Burton abgestiegen waren. Den Supercar Owners Circle (SOC) gibt es seit 2014, gegründet von den Schweizer Brüdern Florian und Stefan Lemberger sowie Niels Schäfer. Sie verstehen den SOC als ein "globales Netzwerk für Sammler" und man sollte einen Fuhrpark von mindestens 6 Millionen Franken sein eigen nennen, um Mitglied werden zu können. Bisher wurde der SOC immer in Andermatt abgehalten, 2020 erstmals in Gstaad. Inzwischen hat der SOC sich zu einem der krassesten Auto-Events der Welt entwickelt.

Carspotter – mehr als Fans

Zwei PS-starke wie Euro-schwere Supersportwagen: Links ein Ferrari la Ferrari, den man nur bekommt, wenn man schon einen "normalen" Ferrari sein eigen nennt, und rechts ein Pagani Huayra Roadster, beides Highlights für echte Carspotter / Bilder: LK
Wenn so viele extreme Hypercars an einem Ort auftreten, dann ist das vor allem auch ein Großereignis für Carspotter. Sie versuchen, möglichst viele seltene Hypercars an unterschiedlichen Orten aufzuspüren und zu fotografieren. Es gibt kaum eine Großstadt, wo sie nicht aktiv sind, von München bis London. In Gstaad trafen sich mehr als 100 Carspotter aus der Schweiz, aus Frankreich, Italien und Deutschland. Hunderttausende von Bildern sind an diesem einen Wochenende geschossen und unzählige Wechsel-Akkus verbraucht worden. Einige Spotter saßen im offenen Kofferraum ihrer Kombis und fotografierten aus dem fahrenden Auto – diese Rollingshots sind begehrt. So mancher Carspotter, wie zum Beispiel @Shmee150, hat es zu solcher Bekanntheit auf Instagram, YouTube & Co. geschafft, dass er sich inzwischen seine eigene Autosammlung leisten kann.

Mobile Wertanlage

Klein aber fein ist die erst 1994 gegründete Automarke Koenigsegg aus Schweden. Im Bild ein Regera, von dem zwischen 2015 und 2017 nur 80 Stück produziert wurden und der längst ausverkauft ist. 2 Millionen Euro sollten mindestens investiert werden / Bild: LK
Nicht nur für Sportwagenbegeisterte ist dieser Termin ein Muss, sondern auch für Sammler, die sich Gedanken über ein Auto als Wertanlage machen. Besonders die Marke Ferrari dürfte da so manches Sammler- wie Anlegerherz höherschlagen lassen, denn kaum eine andere Marke ist so wertstabil und kann im Preis so hoch steigen. Denn während „normale“ Pkw nach dem Kauf stetig an Wert verlieren, läuft es bei vielen Hypercars und seltenen Oldtimern genau umgekehrt: Ihr Wert steigt. Ein Beispiel gibt der von 2002 bis 2004 produzierte Ferrari Enzo. Ein gut ausgestattetes Modell kostete in dieser Zeit etwa 200.000 Euro. Heute jedoch muss man für einen gut erhaltenen Enzo schon einmal 2,5 Millionen Euro hinblättern. Und der etwas neuere LaFerrari war schon einmal bis auf 7 Millionen Euro geklettert.

Rekorde und Ikonen

Ein Lamborghini Aventatdor SVJ  Roadster ist das jüngste Produkt des Sportwagenherstellers. SVJ steht für Superveloce Jota und bringt 770 PS auf die Straße und braucht 2,8 Sekunden, um 100 km/h zu erreichen. Stückzahl: 900 / Bild: LK
Neben dem futuristischen GFG Vision 2030 – ein Offroader von Giugiaro mit Elektroantrieb – und aktuellen Supersportwagen wie dem McLaren Senna, von dem mehrere Exemplare anwesend waren, zeigten sich im spätsommerlichen Schweizer Idyll auch Oldtimer oder eher Youngtimer wie der Lamborghini Countach, der Ferrari F40 LM und ein Aston Martin DB4. Außerdem traf ein Ferrari 599 GTZ Zagato Nibbio ein, von dem überhaupt nur neun Stück je produziert wurden, sowie ein noch selteneres Cabrio des gleichen Typs (1 of 3). Und wer war nun der Schnellste im Land? Wohl eindeutig der Bugatti Chiron Sport 300+, der es auf 500 km/h bringt. Der legendäre und bis heute faszinierende Ford GT40 von Carrol Shelby schafft dagegen gerade Mal 330 km/h. Eines ist sicher, solche Autos sind eine Wertanlage mit Spaßfaktor.