Eine Neubewertung der Goldförderer erfordert massive Anreize, keine Massenproduktion

Joe Foster, VanEck
Joe Foster / Bild: VanEck
Der starke US-Dollar setzte den Goldpreis im ganzen Monat September weiter unter Druck. Gemäß dem U.S. Dollar Index (DXY) tendierte der US-Dollar nach oben, während der Aktienmarkt  nach seinen Allzeithochs eine Abwärtstendenz zeigte. Der Bullenmarkt, der infolge der wegen der Pandemie getroffenen Konjunkturmaßnahmen entstanden war, wirkte angeschlagen. Der S&P 500 fiel  zu  Monatsbeginn stark, und der US-Dollar reagierte auf  die  isikoaversive Stimmung. Gold ist weiter unter Druck geraten, möglicherweise als Barmittelquelle in Verbindung mit Aktien-Margin Selling. Nach seinem  Höchststand von  2.075 USD am  7. August hatte sich Gold bei über 1.900 USD pro Feinunze konsolidiert. Die Konsolidierung sieht nun mehr nach einer Korrektur aus, da Gold am 28. September auf eine  kurzfristigen Tiefstand von 1.848 USD gefallen ist. Im Monatsverlauf fiel der Goldpreis um 81,98 USD  (4,2 Prozent) und lag am Ende bei 1.885,82  USD pro Feinunze. Die Talsohle des aktuellen Gold-Bullenmarkts-Trends liegt bei ca. 1.800 USD. Wir gehen davon aus, dass  diese Korrektur über diesem Wert bleiben wird.
 
Goldförderer mussten Einbußen  hinnehmen. So verlor der NYSE Arca Gold Miners Index (GDMNTR) 7,4 Prozent und der MVIS Global Junior Gold Miners Index (MVGDXJTR) 7, 6 Prozent.

Goldförderer bleiben aus operativer Sicht attraktiv

Vor Kurzem nahmen wir am virtuellen Precious Metals Summit und am virtuellen Gold Forum Americas (auch bekannt als The Denver Gold Forum) teil. Beim Precious Metals Summit sind  Junior-Unternehmen vertreten, von denen die meisten aufgrund der jüngsten Eigenkapitalbeschaffungen gut bei Kasse sind. Dementsprechend wurden Bohrergebnisse, Projekt-Updates sowie Pläne für noch mehr Bohrungen im Übermaß präsentiert. Neues Geld führt zu neuen Goldfunden, so unsere Meinung.
 
Mehrere der Unternehmen in unserem Portfolio haben in letzter Zeit Goldfunde gemeldet, die ihre Projekte näher in Richtung Produktion bringen dürften. Beispielsweise hat De Grey Mining  anscheinend einen mehrere Millionen Unzen schweren Goldfund in der Region Pilbara im Westen Australiens gemacht. Corvus Gold hat weitere Goldfunde in seinem Projekt im Süden des US-Bundesstaats Nevada gemacht, wodurch sich dieses zu einem großflächigen Projekt entwickeln könnte. Durch die Bohrungen von Galway Metals entwickelte sich aus einigen isolierten Goldvorkommen ein Trend, dessen Ergebnis möglicherweise über eine Million Feinunzen in New Brunswick, Kanada, sein könnten.

Makellose Bilanzen

Die Konferenz des Gold Forum Americas hat die Branchentrends, über die wir schon seit mehreren Jahre  sprechen, bekräftigt und verstärkt. Ein großer Goldproduzent nach dem anderen informierte die Anleger über Möglichkeiten zur Generierung von Erträgen und stellte ihnen für ihre Anlagen höhere Dividenden und/oder Aktienrückkäufe in Aussicht. Die Bilanzen sind makellos. Und  jene Unternehmen, die heute noch keine negative Nettoverschuldung ausweisen, werden dies vermutlich bis Anfang 2021 tun. Wenngleich bei den großen Unternehmen kein großes Wachstum zu verzeichnen ist, betonten viele Unternehmen, dass sie für die nächsten zehn Jahre über nachhaltige Produktionsgrundlagen verfügen. Newmont (6,8 Prozent des Nettovermögens) ging sogar noch weiter und gab an, das Unternehmen könne das derzeitige jährliche Produktionsniveau von 6 Millionen Feinunzen bis in die 2040er-Jahre aufrechterhalten. Früher erhielten wir mit viel Glück eine Prognose  über fünf Jahre. Die meisten Unternehmen legen für die Berechnung der Reserven und zur Prognose hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit von Projekten nach wie vor eine konservative Preisschätzung von 1.200 bis 1.300 USD pro Feinunze zugrunde. Die Unternehmen erklärten zudem, dass sie sich  verstärkt  für  ESG-Initiativen  (Umwelt,  Soziales und Unternehmensführung) einsetzen wollten. All  dies sind gute Zeichen für Anleger in Goldaktien, und es zeugt von der nachhaltigen finanziellen und operativen Stärke der Branche.

Noch gibt es Spielraum für Verbesserungen

Im August erreichte Gold mit 2.075  USD pro Feinunze ein  neues  Allzeithoch. Gleichzeitig hat der GDMNTR die Marke von 1.271 überschritten, die weit unter dem Allzeithoch von 1.855 im September 2011 lag, als Gold seinen vorherigen Höchstwert von 1.921 USD erreichte. Seit dem Beginn des aktuellen Bullenmarkts im Dezember 2015 hat Gold 98 Prozent zugelegt, um im August 2020 einen Höchststand zu erklimmen, während der GDMNTR im selben Zeitraum um 266 Prozent anstieg. Wäre der GDMNTR im August dieses Jahres zu seinem alten Höchstwert von 1.855 aus dem Jahr 2011 zurückgekehrt, hätte er seit Beginn des Bullenmarkts um 435 Prozent zugelegt. Hier untersuchen wir die Gründe dafür, weshalb die Goldförderer ihre Allzeithochs noch nicht wiedererlangt haben.

Gold und Goldförderer laufen nicht immer gleichauf

In  der  nachstehenden  Grafik  ist  das  Verhältnis  von  Gold  zu  Goldförderern abgebildet (wie vom GDMNTR ermittelt). Es ist zu beachten, dass Gold und Goldförderer entlang vier dezenter Trends gehandelt werden, die sich im Laufe der Zeit nach rechts verschoben  haben. In jedem Trend  ist der Grad, zu dem die Preisbewegung bei Goldförderer  durch die von Gold erklärt werden kann (wie hier durch den Determinationskoeffizienten oder „R2“ angegeben), sehr hoch und liegt in manchen Fällen bei 1,0 bzw. fast 100 Prozent. Alternativ deuten Trendverschiebungen nach rechts  darauf hin, dass eine bestimmte Preisbewegung bei Gold einer geringeren Preisbewegung bei  Goldförderern als beim vorherigen Trend entspricht. Anders ausgedrückt: Goldförderer haben im Vergleich zu  Gold eine Abwertung erfahren. Zudem weist eine flachere Trendlinie auf ein geringeres Beta des Goldförderer-Preises im Verhältnis zu Gold hin (das Beta ist der Performance-Hebel, der bei Goldförderern naturgemäß ggü. Gold zur Anwendung kommt).
Die Grafik zeigt, dass Goldförderer seit 2007 von drei Abwertungenbetroffen waren, wobei ihr Beta gegenüber Gold ebenfalls zurückging. Die ersten zwei Abwertungen erfolgten Ende   2007/Anfang  2008 und Ende 2011/Anfang 2012 (Trends A-B-C). Diese Abwertungen gingen auf eine schlechte operative und finanzielle Performance an vielen Fronten zurück. Die Kosteninflation zehrte  den von den Anlegern erwarteten operativen Hebel auf. Steigende Kosten führten auch dazu, dass die  Erträge von Investitionsprojekten hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Unternehmen verfehlten  regelmäßig ihre Produktions- und Kostenprognosen.Dann fielen die Zinsen nach der Finanzkrise, die  großen Unternehmen verschuldeten sich hoch und viele Unternehmen zahlten zu viel für Akquisitionen, die nicht so einträglich waren wie versprochen. In der Folge wurden die Top-Führungskräfte aller großen Goldproduzenten abgesetzt. Neue Führungskräfte haben die harten Lektionen der Vergangenheit gelernt, und die Branche hat sich einmal komplett gedreht. So wurde eine angemessene Bonusstruktur vom Vorstand bis zu den Minen eingeführt. Dies kommt in den jüngsten Finanz-  und Betriebsergebnissen sowie in den von uns aufgezeigten Strategien von Gold Forum Americas zum Ausdruck.

Gründe für die Abwertung

Leider war der Sektor trotz all der Fortschritte 2019 von einer weiteren  Abwertung  betroffen  (Trends  C-D). Hierfür gibt es unserer Ansicht nach zwei Gründe:
  • Viele Generalisten unter den Anlegern haben Goldaktien aufgrund eines schlechten Managements im letzten Zyklus abgestoßen. Viele dieser Anleger sind bisher noch nicht zurückgekehrt. In diesem Zyklus setzten die meisten Anleger bisher auf Goldbarren-ETFs für ein Engagement am Goldmarkt. Die Zuflüsse in Goldbarren-ETFs haben die Rekorde von 2020 gebrochen. Indes waren die Nettozuflüsse in aktive wie auch passive Aktienfonds schwach.
  • Die großen Goldunternehmen weisen ein zu geringes Wachstum auf. In der Vergangenheit führte ein Anstieg des Goldpreises zu Explorationsbegeisterung, qualitativ hochwertigen Goldfunden und einer erweiterten Produktion. Während diese Begeisterung bei Junior-Goldförderern nach wie vor vorherrscht, fehlt sie bei den großen Unternehmen. Mehrere   Millionen Unzen umfassende Goldvorkommen werden kaum noch gefunden, und die globale Produktion hat wahrscheinlich ihre Höchststände schon hinter sich. Die großen Unternehmen konzentrieren sich nun darauf, das aktuelle Produktionsniveau langfristig aufrechtzuerhalten.

Gold hat seit Jahresbeginn um 24 Prozent zugelegt, während der GDMNTR ein Plus von 34 Prozent verzeichnen konnte. Wenn der Trend D während des aktuellen Zyklus anhält, könnte der GDMNTR seinen historischen Höchststand von 2011 erreichen, falls/wenn Gold den Wert von 2.755  USD pro  Feinunze erreicht. Allgemein gesprochen würde dies ausgehend vom aktuellen Niveau für Gold zu einem Anstieg von 46 Prozent führen, und für Goldförderer zu einem Anstieg von 70 Prozent.

Goldförderer für das breite Publikum attraktiv machen

Wir sind davon überzeugt, dass es für eine positive Neubewertung, eine bessere Performance und höhere Bewertungen entscheidend ist, die Generalisten unter den Anlegern wieder zum Sektor zurückzubringen. Laut Prognosen von Scotia Capital Markets wird die durchschnittliche Dividendenrendite großer Goldproduzenten im Laufe des Jahres 2021 auf den Durchschnitt des S&P 500 von 1,5 Prozent steigen. Scotia schätzt ebenfalls, dass die Cashflows Renditen von 3 Prozent bis 4 Prozent hervorbringen werden, wenn sich die Goldpreise bei rund 2.000  USD pro Feinunze einpendeln. Die Geschäftsleitungen konzentrieren sich auf diese Aufgabe und bemühen sich nach Kräften, die Goldindustrie für einen breiteren Anlegerkreis attraktiv zu machen, wobei sie mit  Ertragschancen und Möglichkeiten zur Minderung von Risiken werben.

Goldfunde bringen Value

Der GDMNTR und der MVGDXJTR werden von großen bzw. mittelgroßen Goldunternehmen  dominiert, von denen viele Bestandteil unserer aktiv gemanagten Goldfonds sind. Während sich die großen Unternehmen gut entwickeln, bleibt es Tatsache, dass sich Value am besten durch einen Goldfund erzielen lässt, bei dem eine Immobilie in eine Goldmine verwandelt wird. Diese Art der Wertschöpfung finden wir bei den Junior-Unternehmen und bei einigen der mittelgroßen Unternehmen in unserem aktiv gemanagten Portfolio. Auf diese Weise erwarten wir zudem, den in den letzten Zyklen beobachteten Hebel für Gold bieten zu können.
Joe Foster ist Portfoliomanager und Stratege bei dem Vermögensverwalter VanEck.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Corvus Gold Rg 2,026 2,22%
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Galway Metals Rg 0,7219 1,09%
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Newmont Rg 49,37 0,84%
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DB S&P 500 3.665,00 1,04%
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DB Gold 1.793,46 0,95%
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