Ein paar faule Eier im Osternest?

Dr. Ulrich Kater, DekaBank
Dr. Ulrich Kater / Bild: DekaBank
Für die Kapitalmärkte lagen in diesem Jahr unerfreulich viele faule Eier im Osternest: Die aus monatlichen Befragungen gewonnenen Stimmungsindikatoren sind weltweit im Rückwärtsgang. Zudem enttäuschten insbesondere in Deutschland zuletzt die harten deutschen Konjunkturdaten, ohne dass wir für diese Schwäche eine Erklärung hätten. Außerdem schaukelten sich die Handelsstreitigkeiten speziell zwischen den USA und China weiter hoch, ein Datenskandal belastet amerikanische Internetfirmen, politische Spannungen zwischen Russland und den USA sowie dem Vereinigten Königreich setzen eine erneute Sanktionsspirale in Gang, die Regierungsbildung in Italien droht, zu einer Euroskeptischen Konstellation zu führen, ... Beenden wir an dieser Stelle die lange Liste und halten fest: Das ist schlecht für die Marktstimmung, die Börsen sind erkennbar schwankungsanfälliger geworden.

Kein Ende von Aufschwung und Anlagechancen

Das alles ist aber noch kein Grund, das Ende von Aufschwung und Anlagechancen auszurufen. Es sei daran erinnert, dass wir für 2018 schon lange erwartet haben, dass die Stimmungsindikatoren von ihren teilweise rekordhohen Niveaus zurückkommen werden. Auch war absehbar und prognostiziert, dass sich an den Kapitalmärkten ein Paradigmenwechsel vollziehen würde, wenn die Notenbanken nunmehr allmählich aus der ultra-lockeren Geldpolitik aussteigen. Letzteres ist eine wuchtige makroökonomische Veränderung, die Raum für Unsicherheit über die Entwicklung von Inflationsraten und Leitzinspfaden beschert. Entsprechend findet gerade an den Finanzmärkten eine Neubewertung statt, nachdem diese zum Teil überzogene Erwartungen eingepreist hatten. Dies alles passt zu unserem Hauptszenario, es trifft unsere Erwartungen und muss uns daher nicht erschüttern.

Verunsichertes Marktumfeld wird andauern

Mit dieser Erkenntnis fühlen sich die Schwankungen an den Börsen zwar nicht besser an. Doch es relativiert die aufkeimenden Ängste. Hilfreich ist dabei auch die durchaus berechtigte Annahme, dass das von den USA angestoßene Szenario eines verschärften Aufbaus von Handelsbarrieren eben nicht eskaliert, sondern hinreichend konstruktive Verhandlungen nennenswerten Schaden von der Weltkon-junktur abhalten. Doch selbst dann wird es in den nächsten Wochen wohl eher bei einem verunsicherten Marktumfeld bleiben. Kurzfristige Rückschläge müssen beim Deutschen Aktienindex wie auch bei anderen Aktienindizes einkalkuliert werden. Erst im Sommer sollten sich die Wogen etwas glätten. Denn dann dürfte der Blick auf die moderaten Schritte der Notenbanken, vor allem der amerikanischen Fed, wohlwollend ausfallen und sich die Überzeugung durchsetzen, dass diese konjunkturelle Expansion, so alt sie auch schon sein mag, weiter anhalten kann. Am Ende des Jahres dürften schließlich etwas höhere Zinsen und spürbar festere Aktienmärkte ein hinreichend konstruktives Umfeld für Wertpapieranlagen gewesen sein.

Die wichtigsten Prognoserevisionen und Änderungen

  • Deutschland: Bruttoinlandsprodukt 2018: 2,3 Prozent (bisher 2,6 Prozent ), 2019: 1,8 Prozent  bisher (1,7 Prozent ). Inflation 2018: 1,5 Prozent  (bisher: 1,6 Prozent ), 2019: 1,9 Prozent  (bisher 2,0 Prozent ).
  • Euroland: Bruttoinlandsprodukt 2018: 2,2 Prozent  (bisher 2,3 Prozent ), 2019: 1,8 Prozent  bisher (1,7 Prozent ).
  • USA: Leitzinspfad 2018: zeitliche Verschiebung.
  • Aktienmarkt: Höhere 3- und z.T. 6-Monatsprognose für DAX, EuroStoxx50 und Topix wegen Verschiebung des Prognosehorizonts (Kursrückgang wird jetzt auf Sicht von 1-2 Monaten erwartet).

Konjunktur Industrieländer

Deutschland
Es kommen weiterhin schwache Konjunkturnachrichten. So brachten die im April veröffentlichten Indikatoren für Februar, wie beispielsweise Einzelhandelsumsatz, Produktion oder Außenhandel, zum Teil dramatische Rückgänge. Diese Entwicklungen stehen ganz im Gegensatz zu den guten Rahmenbedingungen. Die Arbeitslosigkeit sinkt weiter, die Löhne steigen schneller, und auch die globale Entwicklung bleibt dynamisch. Dass die Umfrageindikatoren einen Abwärtstrend eingeschlagen haben, muss angesichts ihrer übertrieben hohen Niveaus derzeit auch nicht beunruhigen. Wir interpretieren die aktuelle Schwäche daher als eine Delle.
Prognoserevision: Bruttoinlandsprodukt 2018: 2,3 (bisher 2,6 Prozent), 2019: 1,8 Prozent (bisher: 1,7 Prozent). Inflation 2018: 1,5 Prozent (bisher: 1,6 Prozent), 2019: 1,9 Prozent (bisher 2,0 Prozent).
 
Euroland
Die hohe Wachstumsdynamik der Vorquartale dürfte in Euroland im ersten Quartal 2018 eine kurze Pause eingelegt haben. Dies deuten weniger die Stimmungsindikatoren an, die trotz der jüngsten Rückgänge eine gute Stimmung bei den Unternehmen und Haushalten zum Ausdruck bringen, als vielmehr die bislang vorliegenden „harten“ Daten. Dazu gehören die enttäuschenden Produktionszahlen der Industrie für den Januar und Februar. Das Wachstum wird aber weiterhin durch die positive Entwicklung am europäischen Arbeitsmarkt unterstützt. Die Arbeitslosenquote
in Euroland ist im Februar auf 8,5 Prozent zurückgegangen und liegt nun schon seit einem Jahr unter dem langjährigen Durchschnitt seit 1999 von 9,6 Prozent.
Prognoserevision: Bruttoinlandsprodukt 2018: 2,2 Prozent (bisher 2,3 Prozent), 2019: 1,8 Prozent bisher (1,7 Prozent).
 
USA
Es gibt weiterhin keine Anzeichen für eine sich beschleunigende Wirtschaftsdynamik. Trotz der Steuersenkungen für Unternehmen und private Haushalte dürfte das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal nicht an die starke Entwicklung vom zweiten Halbjahr 2017 anknüpfen. Ein Grund hierfür ist wohl die Statistik: Man hat Probleme mit der Saisonbereinigung, und dies führt aktuell zu einer Verzerrung nach unten. Allerdings kann dieser Effekt die Schwäche nicht gänzlich erklären. In den Medien dominieren die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und anderen Ländern. Eine spürbare Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Aktivität ist aus diesen allerdings nicht abzuleiten. Im Bereich der Inflation lassen sich weitere vage Anzeichen einer stärkeren Beschleunigung feststellen. Von großen Inflationsrisiken kann aber weiterhin nicht gesprochen werden.
Prognoserevision:

Aktien Deutschland: Schwankungsreiches Marktumfeld

Aktienmarkt Deutschland
Die positive Wachstumsdynamik, die den deutschen Aktienmarkt in den vergangenen 24 Monaten stark unterstützt hat, wird derzeit etwas schwächer. Dies ist sowohl an den Stimmungsindikatoren der Unternehmen, die sich zuletzt leicht eintrübten, als auch an den realwirtschaftlichen Daten abzulesen, die darauf hindeuten, dass die deutsche Wirtschaft sich im ersten Quartal schwächer als erwartet
entwickelt. Gleiches gilt für die Unternehmensgewinnerwartungen, die für dieses Jahr zwar ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausweisen, zuletzt aber nicht mehr weiter angehoben wurden. Zusätzlich halten die geopolitischen und handelspolitischen Streitigkeiten die Verunsicherung auf hohem Niveau, sodass in den kommenden Wochen zunächst mit einem sehr schwankungsreichen
Marktumfeld und zwischenzeitlichen Kursrücksetzern gerechnet werden muss.
Prognoserevision: Höhere 3- und 6-Monatsprognose durch Verschiebung des Prognosehorizonts (Kursrückgang wird jetzt auf Sicht von 1-2 Monaten erwartet).
 
Dr. Ulrich Kater studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Köln. Promotion 1995 am Finanzwissenschaftlichen Lehrstuhl der Universität zu Köln, daneben Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Köln, der Fachhochschule Köln und der European Business School. Von 1995 bis 1999 war Kater im Stab der »fünf Wirtschaftsweisen« für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich.  Seit 1999 Mitarbeit am Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank, seit 2004 Chefvolkswirt der DekaBank, Vorsitzender der Kommission Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken seit 2006. Weitere Lehraufträge an der Universität Witten-Herdecke und der Zeppelin University Friedrichshafen. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und internationaler Dienstleistungshandel, etwa: »100 Konjunkturindikatoren«, Cometis-Verlag, 2008, »Handbuch Europäische Zentralbank«, Uhlenbruch-Verlag 2005.
 
                            

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