Skepsis ist per se nichts Schlechtes

Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
 
Über die letzten vier Wochen schnitten sichere Anlagen wie Gold und Anleihen besser als Risikoanlagen ab, insbesondere Schwellenländer-Aktien gaben nach. Zum einen beherrschte der anziehende Handelsstreit die Schlagzeilen, zum anderen konnten die Konjunkturdaten nicht mehr positiv überraschen. Die Volatilität an den Aktienmärkten war unverändert hoch und Anleger blieben skeptisch. Eine ausgeprägte Put-Call-Ratio für den Euro Stoxx 50, Sentiment-Umfragen mit einem hohen Anteil an Bären sowie eine verhaltene Aktienpositionierung von spekulativen Investoren belegen dies. Diese Skepsis der Marktteilnehmer ist per se nichts Schlechtes, bedeutet sie doch, dass kein Übermut der Anleger vorherrscht. Im Gegenteil: Sollte diese gesunde Vorsicht auf positive Unternehmensnachrichten treffen, dürfte dies die Aktienmärkte tendenziell beflügeln. Die geschätzten Gewinne der Unternehmen sehen mehr als ordentlich aus. Und langfristig sollte für die Aktienkurse die Entwicklung der Gewinne entscheidend sein.

Kurzfristiger Ausblick: Fokus auf Berichtssaison

Nachdem zuletzt die Angst vor einer Eskalation im Handelsstreit das dominierende Thema an den Kapitalmärkten war, dürfte sich der Fokus der Anleger auf die Q1-Unternehmensberichtssaison verschieben, die in den USA bereits angelaufen ist. Die Erwartungshaltung ist hoch: Für den S&P 500 erwarten Analysten mit zusätzlicher Unterstützung der Steuerreform einen Anstieg der Unternehmensgewinne von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während für den STOXX Europe 600 aufgrund des festeren Euros nur ein Gewinnzuwachs von knapp 4 Prozent prognostiziert wird. 
 
Auch einige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten werden in den nächsten beiden Wochen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Für die USA wird am 11.4. die US-Inflationsrate für März bekanntgegeben (+2,4 Prozent erwartet, Bloomberg Konsens) und am 13.4. wir die US-Verbraucherstimmung veröffentlicht. In der Eurozone werden diese Woche eine Reihe von Zahlen zur Industrieproduktion und Inflationsentwicklung erwartet. Am 20. April tagen die G20-Finanzminister in Washington.
 
  • Fundamental bleiben Aktien unterstützt. Über den letzten sowie die letzten drei Monate haben die Analysten die Gewinnprognosen für Schwellenländer und Industrienationen-Aktien nach oben revidiert – trotz des Handelsstreits und gemischten Konjunkturdaten.
  • Gewinnschätzungen in den USA profitierten von der Steuerreform.
  • Deutschland litt unter dem starken Euro sowie den unsicheren Aussichten für die Weltkonjunktur und verzeichnete negative Gewinnrevisionen.
 
Gesamtrendite (inklusive reinvestierter Dividenden) für ausgewählte Aktienindizes, in Euro und in Prozent, sortiert nach 4-Wochen-Performance.
  • Britische, defensive europäische sowie japanische Aktien konnten sich zuletzt deutlich erholen, sind aber seit Jahresbeginn weiterhin im Minus.
  • US-Aktien haben 6,1 Prozent in den letzten Wochen verloren und sind nun seit Jahresbeginn
    ins Minus gerutscht. Insbesondere die großen Tech-Unternehmen haben den Index zuletzt belastet.
  • Osteuropa ist die einzige Region, die seit Jahresbeginn positiv rentiert.
Dr. Bernd Meyer ist Chefanlagestratege bei Berenberg.
                     

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