Angst und Gier: Psychofalle Börse!?

Thomas Metzger, Bankhaus Bauer
Thomas Metzger / Bild: Bankhaus Bauer
Mitunter scheinen nicht nur fundamentale, greifbare und nachvollziehbare Faktoren beim Wertpapierhandel eine Rolle zu spielen. Angst und Gier sind nicht selten die Triebfedern für starke Kursausschläge. Gerade in den letzten Wochen schien das Geschehen an den Börsen durchaus auch deutlich von der Psychologie der Marktteilnehmer geprägt worden zu sein.

Herdentrieb gilt oft als Grundlage für Blasenbildung

An der Börse wird versucht, mögliche zukünftige Entwicklungen vorwegzunehmen. Da natürlich niemand genau sagen kann, wie die Welt in Zukunft aussieht, spielt dabei die Psychologie der Marktteilnehmer mitunter eine entscheidende Rolle – gerade rasante Kursbewegungen werden oft durch die beiden Extreme Angst und Gier verursacht bzw. deutlich verstärkt. Das Phänomen des „Herdentriebs“ ist ein gutes Beispiel hierfür: Immer mehr Anleger folgen der vermeintlich sicheren Meinung der Masse in eine Richtung bis enorme Blasen oder plötzliche, deutliche Kursrückgänge entstehen. Auch die erhöhte Volatilität der letzten Wochen war sicherlich zumindest zum Teil Folge psychologischer Effekte.

Vorsicht vor Psychofallen

Es sind häufig wiederkehrende Muster, die Investoren hier einen Streich spielen. Oft fällt es Anlegern beispielsweise schwer, sich eine falsche Entscheidung, welche als persönliche Niederlage wahrgenommen wird, durch das Realisieren des Verlustes vor Augen zu führen und einzugestehen. Viele Anleger hängen auch an ihren Positionen, wollen recht behalten, obwohl die Kurse gegen sie laufen. Zudem werden positive Erlebnisse oft überbewertet und dadurch aus Anlagefehlern zu wenig Lehren gezogen.

Wie kann man sich vor den eigenen Emotionen schützen?!

Mit Hilfe des Money-Managements bzw. Risiko-Managements können sich auch private Anleger recht einfache Regeln schaffen, um Entscheidungen ohne psychischen Druck fällen zu müssen. Hier geht es z.B. um Wertsicherungsstrategien, die darauf abzielen, das Risiko eines Portfolios zum einen durch das Festlegen der Größe der einzelnen Handelspositionen bzw. einer ausreichenden Diversifikation des Depots aber auch durch das Definieren von maximalen Verlusten pro Position zu begrenzen. Durch das Setzen von Stopp-Loss-Kursen werden zum Beispiel Positionen automatisch verkauft, sobald sie einen vorher festgelegten Kurs erreicht haben. Somit können Verluste im Voraus begrenzt, aber auch aufgelaufene Gewinne abgesichert werden. Mit dem setzen der Stopp-Loss-Order hat der Anleger somit sein maximales Risiko definiert, da bei einem Kurseinbruch der Wert mit dem Erreichen der Stopp-Loss-Schwelle verkauft wird, ohne ins bodenlose zu stürzen. Böse Überraschungen bei plötzlichen Kurseinbrüchen an der Börse bleiben also aus. Allerdings muss beachtet werden, dass sich bei starken Kursrücksetzern der Eröffnungskurs des fraglichen Wertpapieres bereits weit unter dem Stopp-Niveau befinden kann.

Absicherung mit Put-Optionen bietet interessante Möglichkeiten

Anleger, welche insbesondere ein ganzes Depot gegen einen kurzfristigen Rückschlag des Aktienmarktes absichern, aber langfristig investiert bleiben wollen, bieten Put-Optionsscheine interessante Möglichkeiten. Solche Puts haben die Eigenschaft, dass sich ein Kursrückgang ihres sog. Basiswertes  - dies kann z.B. der DAX sein oder eine einzelne Aktie - grundsätzlich positiv auf ihren Preis auswirkt. Im Grunde sollen also mit dem Kauf der Put-„Versicherung“ bei einem Kurssturz die Verluste des Depots durch die positive Wertentwicklung der Puts ausgeglichen werden. Eine Absicherung über Puts lässt sich schnell, kostengünstig und flexibel auf- und wieder abbauen. Optionsscheine werden an der Börse gehandelt und können auch von Privatanlegern in sekundenschnelle ge- und verkauft werden. Die Kosten der Absicherung beschränken sich dabei im Maximum auf den Preis des Put, d.h. Anleger profitieren auch weiterhin von steigenden Kursen des Basiswertes, ihr Gewinn reduziert sich aber um den Kursverlust des Put-Optionsscheines, auf den sich steigende Kurse des zugrunde liegenden Finanzinstrumentes - bis hin zum Totalverlust der Option - nachteilig auswirken.
Thomas Metzger (39) ist seit 10 Jahren  Leiter Vermögensverwaltung beim Stuttgarter Bankhaus Bauer. Bereits zuvor war er im Portfolio Management, Wertpapierhandel und Aktien-Research sowie für mehrere Banken in den USA tätig. Zusätzlich doziert er an mehreren Hochschulen zu den Themengebieten Portfolio Management und derivative Finanzinstrumente. Bei einem breiten Publikum hat sich Metzger durch seine zahlreichen TV-Interviews, Fachbeiträge etc. einen Namen als Investmentspezialist gemacht.