Die Geldpolitik der EZB: Weitere kleine Schritte

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Wie erwartet, hat die EZB ihre geldpolitische Ausrichtung mit der Sitzung am 8. März nicht grundlegend verändert. Allerdingswurden die Presseaussagen leicht modifiziert. So entfällt die Passage über die Möglichkeit einer erneuten Ausweitung des Ankaufprogramms (APP) im Falle einer konjunkturellen Eintrübung. Dies ist ein weiterer Schritt hin zur vollständigen Beendigung des Aufkaufprogramms; die Ankündigung hierfür wird im zweiten Quartal bzw. für Mitte 2018 erwartet. Ein Auslaufen des Programmes wäre dann bis Ende 2018 möglich. Die heutigen Aussagen signalisieren, dass die EZB mehr und mehr Vertrauen in die konjunkturelle Erholung der Euro-Zone gewinnt. Dennoch betonte die EZB erneut, dass die Zinsen noch lange nach Ende des Aufkaufprogramms auf dem aktuellen Niveau verweilen werden. Zinsanhebungen in 2018 sind somit weiterhin äußerst unwahrscheinlich. Draghi versuchte in seinen Aussagen, die Bedeutung der Entscheidung zu relativieren, die einstimmig war. Er hob mehrmals hervor, dass die EZB weiterhin alle Fälligkeiten reinvestieren wird.

Leicht erhöhte Wachstumsprognosen

Die EZB hat ihre neuen volkswirtschaftlichen Prognosen bekanntgegeben. Wie erwartet, gab es nur marginale Veränderungen bei den Inflations- und BIP-Wachstumsprognosen. Aktuell erwartet sie in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 2,4 Prozent (früher 2,3 Prozent) in der Euro-Zone. Die Prognosen für 2019 (BIP-Wachstum 1,9 Prozent) und 2020 (BIP-Wachstum 1,7 Prozent) haben sich nicht verändert. Grundsätzlich hat die EZB nach wie vor Vertrauen in die Erholung der Euro-Zone. Allerdings sieht sie nach wie vor keine klaren Anzeichen einer nachhaltig steigenden Inflationsrate. Deshalb muss die Geldpolitik immer noch unterstützend wirken, was weiterhin eine langsame geldpolitische Wende gerechtfertigt. Die EZB erwartet für das Gesamtjahr 2018 unverändert eine Inflationsrate von 1,4 Prozent. Der Wert von 1,4 Prozent für 2019 wurde leicht nach unten angepasst (vorher 1,5 Prozent), während die Einschätzung für 2020 mit 1,7 Prozent unverändert geblieben ist.

Risikofaktoren sind nach wie vor vorhanden

Protektionistische Maßnahmen und die Volatilität auf den Devisenmärkten bleiben Risikofaktoren. Auch besteht nach wie vor Unsicherheit über das Wachstumspotenzial. Draghi betonte, dass kurzfristiges Wachstum sicherlich auch das Potenzialwachstum positiv beeinflussen kann. Dies bedeutet, dass die Geldpolitik auch langfristig einen positiven Einfluss haben sollte. Draghi forderte, die Staaten der Euro-Zone sollten einen fiskalischen Puffer aufbauen, um handlungsfähig zu bleiben bzw. zu werden. Der EZB-Präsident zeigte sich weniger besorgt über den einmaligen Effekt einer Zollanhebung. Vielmehr beunruhigte ihn die Belastung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, was Unsicherheit und Vertrauensverluste mit sich bringen könnte, möglicherweise mit Konsequenzen für Devisenkurse, Wachstumspotenzial und somit auch für die Inflationsrate. Noch sieht die EZB das Wachstumsrisiko für die Euro-Zone als ausgeglichen an. Doch neben der Gefahr eines zunehmenden Protektionismus betonte Draghi auch das Risiko einer erneuten Deregulierung der Finanzmärkte – was aktuell in den USA passiert.

Fazit: Ein kleiner Schritt zur Beendigung des Ankaufsprogramms

Die EZB hat heute einen weiteren, wenn auch kleinen Schritt hin zur Beendigung ihres Ankaufprogramms getan und den entsprechenden Passus über eine mögliche Ausweitung gestrichen. Erwartungen einer vollständigen Beendigung des Programms in 2018 und mögliche erste Zinsanhebungen in 2019 wurden somit bestätigt. Zinsanhebungen in diesem Jahr
bleiben weiterhin sehr unwahrscheinlich.
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.