Wieder in Kauflaune

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund

Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche bei schwankendem Verlauf deutlich zugelegt. Auftrieb gaben dabei Hoffnungen auf Behandlungsmethoden gegen das Coronavirus, positive Signale im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der Entschluss der US-Notenbank Fed, das Inflationsziel von zwei Prozent beizubehalten, es aber im Durchschnitt über einen gewissen Zeitraum erreichen zu wollen. Dies gibt der Fed größeren Spielraum bei der Geldpolitik, was die Anleger vor allem als Signal für eine weiterhin lockere Geldpolitik mit noch länger anhaltenden Niedrigstzinsen interpretierten. Ein anderer Effekt der Fed-Entscheidung zeigte sich im Kurs des Euro, der gegenüber dem Dollar spürbar angezogen hat. Ende vergangener Woche belastete dies die deutschen Aktienmärkte, da Marktteilnehmer sich um die Auswirkungen auf die exportierende hiesige Industrie sorgten.
 
Trotz des schwächeren Wochenausklangs gewann der DAX im Wochenvergleich 2,1 Prozent auf 13.033,20 Punkte. Deutlich stärker legten die Titel von Indexwert MTU Aero Engines zu. Die Aktie des Triebwerkherstellers hatte zu den großen Verlierern in der Corona-Pandemie gezählt und profitierte nun überdurchschnittlich von den Hoffnungen auf ein Ende. Indexneuling Delivery Hero litt dagegen unter Gewinnmitnahmen und Unternehmenszahlen, die erste Woche im Dax brachte merkliche Kursverluste. Der MDax stieg im Wochenvergleich um 1,0 Prozent auf 27.527,34 Zähler. Der TecDax verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 3.109,49 Punkte. Der m:access-All-Share legte um 1,9 Prozent auf 2.894,43 Zähler zu.

 

Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche merklich nachgegeben. Dabei wurden die Bundespapiere von den gleichen Faktoren belastet, die den Aktienmärkten Auftrieb verliehen. Zusätzlicher Druck kam von einigen gut ausgefallenen Konjunkturdaten. In Folge der nachgebenden Kurse zog die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich von -0,51 auf -0,41 Prozent an. Die Umlaufrendite legte von -0,52 auf ebenfalls -0,41 Prozent zu.

Fed beruhigt US-Markt

An den US-Aktienbörsen hat die Ankündigung der Fed, das Inflationsziel von zwei Prozent künftig als Durchschnittsziel anzustreben, in der vergangenen Woche zu deutlichen Kurssteigerungen geführt. Der Dow-Jones rückte im Wochenvergleich um 2,6 Prozent auf 28.653,87 Punkte vor. Damit lag der Index gegenüber dem Jahresbeginn wieder im Plus. Der breiter gefasste S&P 500 verzeichnete in der vergangenen Woche neue Rekordstände, im Wochenvergleich kletterte er um 3,3 Prozent auf 3.508,01 Zähler. Auch beim technologielastigen Nasdaq-100-Index waren neue Rekordhochs zu verzeichnen, im Wochenvergleich ging es um 3,8 Prozent nach oben auf 11.995,85 Zähler.

Ausblick: Vorsichtiger Optimismus an den Märkten

Nach den jüngsten Kurssteigerungen geben sich viele Beobachter auch beim Blick auf die aktuelle Woche optimistisch für die deutschen Aktienbörsen. Die Hoffnungen auf medizinische Fortschritte im Kampf gegen Corona und eine Erholung von den wirtschaftlichen Folgen sowie die Aussicht auf eine anhaltend sehr lockere Geldpolitik könnten den Märkten weiter Auftrieb verleihen, heißt es. Die Sorgen wegen der Corona-Pandemie träten dabei fürs Erste etwas in den Hintergrund, trotz steigender Infektionszahlen in Teilen Europas. Grund hierfür seien einerseits die sinkende Zahl Neuinfizierter in den USA, andererseits die Annahme, dass es nicht erneut zu einem umfassenden Lockdown kommen werde. Allerdings könnte diese positive Stimmung bei entsprechender Nachrichtenlage auch umschlagen, denn generell herrscht bei vielen Investoren ungeachtet der jüngsten Marktentwicklung weiterhin Nervosität.

In Bezug auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie dürften die Anleger gespannt auf die kommenden Konjunkturdaten blicken, von denen in den nächsten Tagen ein Reigen von Hochkarätern ansteht. So werden aus der Eurozone und Deutschland unter anderem Einkaufsmanagerindizes, Werksaufträge und Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Aus den USA kommen neben Einkaufsmanagerindizes und Handelsbilanz vor allem die Arbeitsmarktzahlen. Und in China werden ebenfalls Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. Bei allen vorgelegten Zahlen werden die Anleger vor allem auf Zeichen einer weiteren Erholung der Wirtschaft von der Corona-Pandemie und auf Signale für die Entwicklung im Herbst achten.

Daneben bleiben die Themen Handelskonflikt und die kommende Präsidentschaftswahl in den USA Einflussfaktoren für die Börsen. Ob und wenn ja, wie stark sich diese aber in den kommenden Tagen auf das Marktgeschehen auswirken, hängt von der Nachrichtenlage ab.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag. 31.08.: Verbraucherpreise in Deutschland; Dallas Fed Herstellungsindex (USA); Einkaufsmanagerindex für das nicht-produzierende Gewerbe in China
Dienstag, 01.09.:
Arbeitsmarktbericht für Deutschland; Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; Verbraucherpreise in der Eurozone; Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA; Caixin-Einkaufsmanagerindex (China)
Mittwoch, 02.09.:
Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Erzeugerpreise in der Eurozone; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA)
Donnerstag, 03.09.:
Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; Dienstleistungsindex für die USA; Handelsbilanz der USA; Caixin Dienstleistungsindex (China)
Freitag, 04.09.:
Werksaufträge in Deutschland; US-Arbeitsmarktbericht

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

UC MDAX 34.413,08 0,71%
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Populäre Aktien

UC DAX 15.595,65 0,86%
MTU Aero Engin N 191,20 0,58%
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Populäre Aktien

Delivery Hero 111,60 0,18%
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Populäre Aktien

m:access All-Share Index GTR 2.838,55 0,29%
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Tops und Flops

UC Dow Jones 30.417,71 1,06%
UC S&P 500 3.854,64 0,73%