Funkwerk: Turnaround wie aus dem Bilderbuch

Thorsten Renner, Nebenwerte-Journal
Bild: m:access/Unibrand
Das Gesundschrumpfen der vergangenen Jahre zeigt bei der Funkwerk AG die erwarteten Erfolge. Nachdem die Gesellschaft zum Halbjahr erstmals wieder positive Zahlen auswies, lässt der zunehmende Auftragseingang auf eine anhaltend positive Entwicklung hoffen.

Breiteres Software-Angebot durch Übernahme

Im Rahmen des Ausbaus der technologischen Kompetenz stärkte die Funkwerk AG ihr Angebotsspektrum im Softwarebereich durch die Übernahme von Xquand. Das Unternehmen aus Bremen ist auf moderne Software-as-a-Service-Lösungen im Bereich Industrie 4.0 spezialisiert. Hierbei geht es vor allem um Servicekonzepte für digitale Endgeräte, wobei der Fokus auf der physischen Sicherheitstechnik liegt. Künftig soll Xquand auch cloudbasierte Softwareanwendungen entwickeln und anbieten.

Produktionskapazitäten voll ausgelastet

Die Funkwerk AG profitierte im ersten Halbjahr 2017 auch von den guten Bedingungen im Branchenumfeld. So legte der Auftragseingang auf 38.2 (35.2) Mio. Euro zu. Der Auftragsbestand kam auf 60.6 (55.7) Mio. Euro voran, womit die Gesellschaft eine gute Grundlage für die zweite Jahreshälfte besitzt. Auch umsatzseitig zeigte sich eine positive Entwicklung, was sich in einem Erlösanstieg um 8,5 Prozent auf 27.8 (25.6) Mio. Euro niederschlägt. Dabei waren im gesamten Zeitraum die Produktionskapazitäten voll ausgelastet. Zu diesem Umsatzanstieg trugen sämtliche Geschäftsbereiche bei.

Viele Aufträge eingeheimst

Im Bereich Zugfunk erfreute sich vor allem das störfeste Funkmodul einer hohen Nachfrage. Denn das neue Modul erfüllt auch die technischen Zulassungsvoraussetzungen, die seit Mitte 2016 europaweit neu geregelt sind. Seit dem zweiten Quartal dieses Jahres wird auch die Deutsche Bahn beliefert, ebenso werden die Berliner S-Bahnen damit ausgestattet. Darüber hinaus vereinnahmte die Gesellschaft von mehreren europäischen Bahnbetreibern Aufträge zur Nachrüstung der bestehenden Systeme mit dem neuen Funkmodul. Neue Aufträge generierte Funkwerk auch im Bereich der Reisendeninformation. Besonders hervorzuheben ist hierbei ein über mindestens drei Jahre laufender Rahmenvertrag mit der Schweizer Bahn SBB. Allerdings können bei den häufig staatlichen Bahnen politische Einflüsse immer eine Rolle spielen und so zu Verzögerungen bei der Auftragsvergabe führen. Aus eher unerfreulichen Gründen, der weltweit gestiegenen Terrorbedrohung, nimmt die Nachfrage nach Videosystemen zu. Den Schwerpunkt legt Funkwerk hierbei auf die Auswertung und Aufbereitung kompletter Sicherheitssysteme.

Turnaround vollzogen

Das EBIT verbesserte auf  0,7 (-0,5) Mio. Euro, womit Funkwerk auch im ersten Halbjahr der erfolgreiche Turnaround glückte. Mit  -50.000(-90.000) Euro fiel das Finanzergebnis leicht besser aus. Nach Steuern wies die Gesellschaft dann schließlich einen Überschuss von 0.5 Mio. Euro aus. Vor Jahresfrist hatte der Fehlbetrag noch bei  -0.6 Mio. Euro gelegen. Allerdings reduzierte sich der Bilanzverlust im Konzern dadurch nur geringfügig auf 84.6 (85) Mio. Euro. Auch im Einzelabschluss besteht noch ein Bilanzverlust von über 90 Mio. Euro. Das Eigenkapital im Konzern legte in diesem Rahmen weiter auf 22.3 (21.8) Mio. Euro zu.

Strikteres Forderungsmanagement

Deutliche Verbesserungen zeigten sich auch auf der Finanzseite. Der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit lag bei 8,4 Mio. Euro, während im Vorjahr noch ein Mittelabfluss von -0.5 Mio. Euro in den Büchern stand. Auslöser der spürbaren Verbesserung waren rückläufige Forderungen aus Lieferung und Leistung sowie höhere erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen. Nur geringfügige Veränderungen ergaben sich beim Cashflow aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit. In Summe verzeichnete Funkwerk somit einem Mittelzufluss von 7.9 Mio. Euro und dadurch eine Erhöhung beim Finanzmittelfonds auf € 18 Mio. Im Vorjahr stand hier noch ein Mittelabfluss von -1.1 Mio. Euro zu Buche.

Verbesserte Aussichten

Ursprünglich rechnete das Management mit einem Jahresumsatz in der Größenordnung von 77 Mio. Euro. Angesichts der positiven Entwicklung in der ersten Jahreshälfte geht der Vorstand nun von einem Umsatz knapp unterhalb von 80 Mio. Euro aus. Nachdem das EBIT im ersten Halbjahr positiv ausfiel, veranschlagt das Management das Betriebsergebnis im Gesamtjahr auf 5 (4) Mio. Euro.

Fazit: Die unerfreulichen Jahre sind vorbei

Die Funkwerk AG scheint die unerfreulichen Jahre nun endlich hinter sich gelassen zu haben. Auf einer deutlich verkleinerten Geschäftsbasis erwirtschaftet der Spezialist für Kommunikationssysteme nun wieder Gewinne. Immerhin erreichte die Gesellschaft im ersten Halbjahr 2017 erstmals wieder schwarze Zahlen. Im Bereich der Videosysteme will der Vorstand mit dem neuen Managementsystem vor allem im Ausland weitere Marktanteile erschließen. Die Bahnindustrie wird sicherlich auch in den kommenden Jahren wachsen und hier vor allem von der steigenden Nachfrage in Asien profitieren. Insofern stimmen die Perspektiven. Nach den jüngsten Kurssteigerungen stufen wir die Aktie lediglich als Halteposition ein.
 
Dieser Artikel erschien zuerst im Nebenwerte-Journal.

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