ifo-Geschäftsklima: Trotz Rekordniveau wenig Neues

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Das ifo Geschäftsklima verbesserte sich zum Jahresbeginn wieder, nachdem im Dezember ein leichter Rückgang zu verzeichnen gewesen war. Der Index stieg auf 117,6 Zähler; erwartet geworden war aufgrund des hohen Niveaus eine geringfügige Eintrübung. Zur erneuten Aufhellung hat vor allem die bessere Einschätzung der aktuellen Lage beigetragen. Dieser Teilindex stieg deutlich um 2,3 Punkte auf 127,7 Zähler und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Dagegen haben sich die Geschäftsperspektiven gegenüber dem Vormonat leicht eingetrübt. Der Teilindex sank um 1,1 Punkte auf 108,4 Zähler.

Aussagekräftiger Frühindikator

Der ifo Index bleibt der aussagekräftigste Frühindikator für das deutsche BIP-Wachstum – insbesondere für das Folgequartal. So hatte der Index bereits im dritten Vierteljahr 2017 eine Wachstumsverlangsamung für die letzten drei Monate des Jahres signalisiert. Der Januar-Wert 2018 ist nur eine erste Indikation für das BIP-Wachstum im zweiten Quartal, da empirisch der durchschnittliche ifo Wert für die ersten drei Monate benötigt wird. Die IKB erwartet, dass das ifo Geschäftsklima in den kommenden zwei Monaten relativ stabil bleibt, wenn auch nicht auf einem Rekordniveau. Dabei ist der Hinweis wichtig, dass nicht das Niveau für die Prognose entscheidend ist, da es über die Jahre einen positiven Trend entwickelt hat – bedeutend ist die Veränderung des ifo Geschäftsklimas. Wie Abb. 2 zeigt, ist deshalb ein weiterhin stabiles, wenn auch etwas weniger dynamisches BIP-Wachstum zu erwarten.

Grundsätzlich positiver Ausblick

Die aktuellen Jahresprognosen für die deutsche Wirtschaft weisen ein BIP-Wachstum von über 2,5 Prozent für 2018 aus. Um diese Dynamik zu erreichen, muss die Wirtschaftsleistung vor allem in der ersten Jahreshälfte 2018 nicht nur an Tempo zulegen, sondern dieses auch im weiteren Jahresverlauf halten. Der Ausblick für die deutsche Wirtschaft bleibt nach wie vor grundsätzlich positiv, ob sich jedoch eine Wachstumsbeschleunigung in den nächsten sechs Monaten ergeben wird, bleibt abzuwarten. Dabei ist es weniger bedeutend, ob die Wirtschaft 2018 um 2,5 Prozent zulegen wird oder, wie die IKB erwartet, um 2,3 Prozent. Entscheidend ist, dass der Ausblick auf einer breit gestreuten globalen Erholung und robusten deutschen BIP-Wachstumstreibern basiert. Dazu gehören der private Konsum, Investitionen und Exporte, die von dem aktuell relativ starken Euro-Wechselkurs nicht sehr beeinflusst werden sollten, denn sein Aufwertungstrend dürfte 2018 aufgrund der eher zögerlichen geldpolitischen Wende durch die EZB nicht anhalten. Würde der Euro-Kurs entgegen den Erwartungen der IKB in diesem Jahr weiter deutlich aufwerten, dürfte dies allerdings einen negativen Einfluss auf das ifo Geschäftsklima haben. Damit würde sich dann vor allem der BIP-Ausblick für 2019 ändern.

Fazit: Überraschungspotenzial ausgeschöpft

Nach vielen Monaten auf hohem Niveau hat das ifo Geschäftsklima sein Überraschungspotenzial ausgeschöpft. Es ist zu einem gewohnten Bild geworden, dass der Index die positive deutsche Konjunkturentwicklung bestätigt – das gilt auch für die Januar-Werte 2018. Aktuell gibt es kaum Anzeichen für eine konjunkturelle Eintrübung in diesem Jahr. Die IKB geht weiterhin von einem deutschen BIP-Wachstum von 2,3 Prozent im Jahr 2018 aus.
 
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.