Das Jahr der Euphorie geht zu Ende

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Im Dezember musste das ifo Geschäftsklima einen kleinen Rückgang auf 117,2 Punkte hinnehmen, nachdem es im Vormonat erneut ein Rekordhoch von 117,6 Punkten erreicht hatte. Der Grund sind die nicht mehr ganz so enthusiastischen Geschäftserwartungen der Unternehmen, die von 111 Punkten auf 109,5 sanken. Ihre aktuelle Geschäftslage bewerteten die Unternehmen hingegen mit 125,4 Punkten besser als im November mit 124,4 Zählern. Mit Blick auf die einzelnen Sektoren zeigt sich bis auf das Bauhauptgewerbe ein einheitliches Bild. Im Verarbeitenden Gewerbe schauen die Unternehmen weniger optimistisch auf die kommenden Monate. Die aktuelle Situation sehen die Unternehmer aufgrund der guten Auftragslage positiver. Auch wenn die weniger optimistischen Geschäftserwartungen für den Rückgang des ifo Geschäftsklimas verantwortlich sind, sollte die Konjunktur in den kommenden Monaten nicht wesentlich an Stärke verlieren. Vielmehr ist zu vermuten, dass sich die Unternehmen eine deutliche Verbesserung der hervorragenden aktuellen Lage nicht vorstellen können.

Einschätzung und Ausblick

Trendbereinigt deutet der ifo Index weiterhin auf eine gute, aber nicht euphorische Konjunkturlage hin. Dies ist konsistent mit der aktuellen BIP-Wachstumsdynamik von ca. 2 Prozent.

Ein so hohes Niveau bedeutete immer eine Wende

Das ifo Geschäftsklima hat nur eine Aussagekraft für das kurzfristige BIP-Wachstum. So erlauben die Werte für das vierte Quartal 2017 eine Einschätzung für das BIP-Wachstum im Folgequartal, also für das erste Vierteljahr 2018. Da bereits im vorigen Monat von einem Rückgang ausgegangen war, hat sich die auf dem ifo basierende Wachstumserwartung für das Anfangsquartal 2018 nicht verändert. Die IKB erwartet jeweils ein BIP-Wachstum zwischen 0,5 Prozent und 0,6 Prozent für das Abschlussquartal 2017 und für das erste Quartal 2018 (zum Vorquartal).
 
Wann immer der trendbereinigte ifo Index in der Vergangenheit ein so hohes Niveau wie aktuell erreicht hatte, bedeutete dies eine Wende in der Entwicklung des Index – das lässt sich empirisch belegen. Im nächsten Jahr dürfte sich das ifo Geschäftsklima deshalb tendenziell eintrüben; angesichts des aktuellen Niveaus dürfte dies allerdings keine Überraschung darstellen. Wie die Schätzungen für 2018 in Abbildung 2 signalisieren, zeigt der Verlauf des ifo Index zwar keinen starken Rückgang, dennoch ist davon auszugehen, dass der ifo Index 2018 eher neutrale Signale sendet bzw. negativ überraschen könnte. Dies sollte allerdings noch keine deutlich spürbaren wirtschaftlichen Konsequenzen mit sich bringen. Die Euphorie beim ifo Index scheint allerdings mit Ablauf des Jahres 2017 zu enden.

Fazit: Das Konjunkturrisiko könnte demnach zunehmen

Das Jahr 2017 wird wahrscheinlich als Jahr der ifo Euphorie in Erinnerung bleiben. Der Index hat mehrmals neue Rekordniveaus erreicht. Trendbereinigt ergibt sich allerdings ein weniger dynamisches Bild, das besser zum realen Konjunkturverlauf des Jahres 2017 passt. Doch das ifo Geschäftsklima weist auch eine Eigendynamik auf, die für 2018 eher seit- bzw. abwärts gerichtet verlaufen könnte. Auch wenn dies angesichts des historisch hohen aktuellen Indexniveaus nicht überrascht, das Konjunkturrisiko könnte demnach im kommenden Jahr zunehmen. Damit konsistent wäre eine BIP-Prognose, die eine moderate Wachstumsverlangsamung andeutet. Die IKB erwartet daher 2018 ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent, nach voraussichtlich 2,6 Prozent in diesem Jahr.
 
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.