Ausblick 2018: Tanzen, solange die Musik spielt

Dr. Jürgen Michels, BayernLB
Dr. Jürgen Michels / Bild: BayernLB
Das Jahr 2017 zeigt sich bis zum Schluss in den meisten Regionen in konjunkturell guter Verfassung und bietet eine Steilvorlage für einen gelungenen Start in das Jahr 2018. Wir gehen davon aus, dass sich der Aufschwung fortsetzt, da mit der erwarteten Steuerreform in den USA ein zusätzlicher Konjunkturimpuls gesetzt wird. Da die Inflation niedrig bleiben dürfte, haben die großen Zentralbanken keine Notwendigkeit, kräftig auf die Bremse zu treten, was den Aufschwung zum Erliegen bringen könnte. In diesem Umfeld dürfte der Anstieg der Kapitalmarktzinsen moderat bleiben und die Aktienmärkte sollten weiter zulegen. Wir warnen aber davor, in unreflektierte Euphorie zu verfallen. Das globale Problem hoher Schulden ist weiterhin ungelöst und viele Asset-Klassen sind sehr hoch bewertet. Zudem bleibt die (geo-) politische Unsicherheit aus unserer Sicht hoch. Daher dürfte auch schon die von uns prognostizierte moderate Reduktion der geldpolitischen Unterstützung zu mehr Volatilität an den Kapitalmärkten führen. Es ist dabei nicht auszuschließen, dass sich die Situation hochschaukelt und den Boom der Konjunktur sowie in den risikoreicheren Asset-Klassen beendet.

Politische Unsicherheiten aber keine Krise in Europa

Eines der größten Risiken für den Ausblick 2018 ist ein unerwartet starker Anstieg der Inflation in den USA, auf den die Fed mit einer deutlichen Straffung der Zinspolitik reagieren würde. In der Folge wären Überreaktionen an den Märkten wahrscheinlich, die auch gravierende Bremsspuren in der Weltwirtschaft hinterlassen dürften. Trotz der vielen ungelösten politischen Probleme in Europa (vom Brexit bis hin zu einer nachhaltigen Architektur für die Währungsunion) erwarten wir 2018 keine neue Krise. Ungemütlich könnte es jedoch werden, wenn es im Frühjahr bei den Wahlen in Italien für eine Eurokritische Regierung reichen sollte (wovon wir nicht ausgehen) und es zu dem Zeitpunkt noch immer keine klaren Regierungsverhältnisse in Deutschland gäbe.    

Die Fed pirscht auf dem Zinserhöhungspfad

Trotz der vielfältigen Risiken und Unsicherheiten gehen wir in unserem Basisszenario davon aus, dass die derzeitige „Goldilocks Economy“, die geprägt ist von dynamischem Wirtschaftswachstum in Kombination mit niedriger Inflation, zunächst anhält. Die Fed wird in diesem Umfeld auf dem Zinserhöhungspfad fortschreiten und dem Zinsschritt im Dezember vier weitere im Jahr 2018 folgen lassen sowie den Abbau ihrer Bilanz beschleunigen. Von solchen Maßnahmen ist die EZB zwar noch weit entfernt. Nach einer weiteren kurzen Verlängerung des QE-Programms über September hinaus erwarten wir jedoch, dass die EZB die Netto-Käufe am Jahresende 2018 einstellt.

2018 werden auch die Aktien nochmals zulegen

Getrieben von steigen US-Renditen werden auch die Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum anziehen, wenn auch weniger stark. Zudem werden die im Vergleich zu Europa straffere Geldpolitik und die dynamischere Wirtschaftsentwicklung in den USA den Dollar stärken. Dank sprudelnder Unternehmensgewinne werden auch die Aktien 2018 nochmals zulegen. In unserem Fünfjahresausblick kommen wir zum Ergebnis, dass sich die Erholung der globalen Konjunktur und der Aktienmärkte bis zum Jahreswechsel 2019/20 fortsetzen dürfte. Dann stehen die Zeichen aber auf Abkühlung und es besteht die Gefahr einer deutlichen Korrektur sowohl bei der Konjunktur als auch an den Märkten.
 
Dr. Jürgen Michels ist seit Oktober 2013 Chefvolkswirt und Leiter Research der BayernLB in München. Vor seinem Start bei der BayernLB arbeitete er zwischen 2002 und 2013 als kapitalmarktorientierter Euro-Raum Volkswirt bei der Citigroup in London, seit  2008 als Euro-Raum Chefvolkswirt. Von 1997 bis 2002 war er als Volkswirt bei Sal. Oppenheim in Köln und von 1996 bis 1997 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Wirtschaftspolitik der Universität Bonn tätig. Dr. Michels studierte Volkswirtschaft an der Universität Bonn. Er promovierte mit einer Arbeit zu Zentralbankstrategien an der Universität Frankfurt.
Seit neuestem gibt es Analysten von Dr. Michesl auch auf dem Video-Blog der BayernLB unter dem Stichwort: "Auf einen Espresso mit.... Jürgen Michels!" im Research-Bereich der Bank.