Fed-Prognose für den US-Arbeitsmarkt relativ optimistisch

Chris Rands, Nikko AM
Chris Rands / Bild: Nikko AM
In den USA gingen aufgrund der Coronakrise bisher 20 Millionen Jobs verloren, doppelt so viele wie im Zuge der globalen Finanzkrise. Wir wagen eine Prognose für die weitere Erholung am amerikanischen Arbeitsmarkt.
  • Von den 20 Millionen Menschen, die aufgrund von COVID-19 arbeitslos wurden, glauben derzeit etwa 15,5 Millionen, dass sie nur vorübergehend arbeitslos sein werden. Diese Annahme klingt realistisch, wenn man bedenkt, dass drei Millionen dieser Arbeitnehmer bereits an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind.
  • Die meisten Jobs (etwa 12 Millionen im März und April) gingen in den Bereichen Freizeit und Gastgewerbe verloren sowie im Handel, Transport und bei den Versorgern. Auch die Neueinstellungen bis Mai erfolgten in diesen Sektoren, nicht zuletzt in den Unterkategorien Lebensmittel- und Gaststättengewerbe sowie Einzelhandel. Aufgrund des zuvor beispiellosen Rückgangs dort nehmen wir an, dass drei von vier der vorübergehend Arbeitslosen bei der Wiedereröffnung der Wirtschaft an ihren Arbeitsplatz zurückkehren werden.
  • Dies würde dazu führen, dass etwa vier Millionen Menschen (von den derzeit 15,5 Millionen vorübergehend Arbeitslosen) in den nächsten 6 bis 12 Monaten arbeitslos bleiben. Insgesamt ergibt das einen Anstieg der Gesamtarbeitslosigkeit um acht Millionen Menschen, inklusive der „dauerhaft“ entlassenen 2,9 Millionen und 1 Million, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Die resultierende Arbeitslosenquote läge bei 7-8 Prozent.

Bleiben drei Fragen:

  1. Könnte die Wirtschaft in 6 - 12 Monaten wieder 12 Millionen Arbeitsplätze schaffen?
    Unter den gegenwärtigen Umständen scheint die Antwort ja zu sein. Wenn die Hälfte der Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Einzelhandel bei Wiederöffnung der Wirtschaft eine Beschäftigung findet, wären das sechs Millionen Arbeitsplätze. Angesichts des Ausmaßes des Rückgangs und der geltenden Regierungspolitik scheint dies nicht unangemessen zu sein – aber ein wenig zu optimistisch.
  2. Kurzfristig müssten 1 - 2 Millionen Arbeitsplätze pro Monat entstehen. Ist das schon einmal vorgekommen?
    Die Geschichte zeigt, dass die US-Wirtschaft nach einer Rezession etwa 500.000 Arbeitsplätze im Monat schaffen kann, sehr selten mehr als eine Million. Allerdings haben wir die aktuellen Bedingungen noch nie zuvor erlebt.
  3. Sind drei von vier eine gute Schätzung der nur vorübergehenden Arbeitslosigkeit?
    Dies ist die schwierigste Frage. Eine detailliertere Schätzung nach Sektoren würde einen Einblick bieten, aber auch dann bliebe es eine Schätzung.

Fed relativ optimistisch

  • Sobald die zeitweise freigesetzten Arbeitskräfte wieder eingestellt sind, dürfte sich das Tempo der Wiederbeschäftigung erheblich verlangsamen. Ein gewisser Anteil der Arbeitnehmer, die dachten, sie seien nur vorübergehend arbeitslos, wäre dann für einen längeren Zeitraum ohne Job.
  • Wenn die Arbeitslosigkeit in 6 - 12 Monaten bei 7 - 8 Prozent liegt, dann dürfte es weitere 3 - 5 Jahre dauern, bis die Arbeitslosenquote von 8 Prozent auf 5 Prozent sinkt. Dies würde Zinssätze für die nächsten vier (am unteren Ende der Schätzung) bis sieben Jahre (am oberen Ende) bei Null nahelegen. Erst danach könnte die Fed höhere Zinsen in Betracht ziehen – viel später im jüngsten Kommentar der Fed, wonach sie bis mindestens 2022 niedrig sein werden.
  • Anfang Juni veröffentlichte die Fed ihre zentralen Schätzungen für die Arbeitslosigkeit. Die kurzfristigen Auswirkungen sehen ähnlich aus wie oben beschrieben: Die Arbeitslosigkeit wird in 12 Monaten bei 7 - 9 Prozent liegen. Die Fed geht jedoch davon aus, dass die Rate im Jahr 2022 auf 5 Prozent zurückgehen wird. Wir halten diese Prognose für relativ optimistisch.

Fazit: Die Zinsen bleiben niedrig

Nachdem die Wirtschaft sich öffnet und vorübergehend arbeitslose Menschen wieder Arbeit gefunden haben, werden weitere Beschäftigungszuwächse schwieriger zu erzielen sein. Die Arbeitslosenzahl wird sich im Vergleich zu heute zwar beeindruckend verringern, aber immer noch auf Rezessionsniveau liegen. Die Zinsen bleiben bis mindestens 2022 niedrig, sagt die Fed. Wir meinen, das könnte viel länger der Fall sein.
Chris Rands ist Portfolio Manager Fixed Income bei Nikko AM