Fakten statt Klischees: Was Investoren über Cannabis wissen sollten

Rahul Bhushan, Rize ETF
Rahul Bhushan / Bild: Rize ETF
Die medizinische Fachwelt hat zwischenzeitlich reichlich Beweise für das therapeutische Potential der Cannabisblüte vorgelegt. Dennoch lastet das Stigma der Hippiedroge nach wie vor auf der Heilpflanze. Medizinisches Cannabis eröffnet unserer Meinung nach einzigartige Investmentchancen. Doch es gilt ein paar Vorbehalte zu entkräften, die manchen strategischen Investoren hierbei im Weg stehen.
Es ist eine Zeitenwende: Noch 1971 rief Richard Nixon den „Krieg gegen die Drogen“ aus. Fast 50 Jahre später lässt die U.S. Food and Drug Administration, das weltweit erste aus Cannabis gewonnene Medikament zu. Auch in Deutschland sind seit 2017 Arzneimittel auf Cannabisbasis legal, die Kosten werden inzwischen von den Krankenkassen erstattet. Obwohl sich dadurch neue Perspektiven für Unternehmen wie Investoren eröffnen, halten sich tief verwurzelte Vorurteile.

Vorurteil 1 – Cannabis steht für Suchtprobleme und nicht für positive Kräfte

Medizinisches Cannabis ist kein Problem, sondern eine Lösung. Experten zufolge könnte Cannabis hilfreich bei der Bekämpfung der Opioidkrise in den USA sein. Opioide finden zumeist bei chronischen Schmerzen Anwendung, dies ist auch bei medizinischem Cannabis der Fall. Neuesten Analysen zufolge könnte Cannabis eine wirksame Alternative zur Vermeidung von Opium bei der Schmerztherapie darstellen. Der Markt schafft darüber hinaus eine Menge neuer Arbeitsplätze und daneben Steuereinnahmen für die Staaten.

Vorurteil 2 – Cannabis ist ein kurzlebiger Trend, kein strukturelles Thema

Auf keinen Fall. Nach Untersuchungen des US-amerikanischen Analyseunternehmens Reports and Data wird der weltweite Markt für medizinisches Cannabis bis 2026 voraussichtlich 148,35 Milliarden US-Dollar wert sein. Wir halten diese Zahl sogar für konservativ. Nicht nur, weil wir hinsichtlich des therapeutischen Potenzials von Cannabinoiden wie Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) noch kaum an der Oberfläche gekratzt haben und es noch so viel zu verstehen gibt.

Vorurteil 3 - Medikamente auf Grundlage von Cannabis gegen schwere Krankheiten sind noch lange nicht verfügbar

Ganz und gar nicht, denn es gibt bereits eine Reihe von Arzneien, die alle entweder eine pflanzliche oder synthetische Form von Cannabinoiden einsetzen. Zum einen das zukunftsweisende Epidiolex, das heute sowohl von der FDA als auch von der Europäischen Arzneimittelagentur zur Behandlung von zwei seltenen Formen der Epilepsie bei Kindern (Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom) zugelassen ist. Dieses Medikament war bahnbrechend, denn es validierte die medizinische Anwendung von Cannabinoiden (insbesondere Cannabidiol oder CBD). Darüber existieren weitere Arzneimittel wie beispielsweise Marinol oder Syndros bei Anorexie bzw. Appetitlosigkeit. Oder auch Cesamet, das bei chronischen Schmerzen verschrieben wird.

Vorurteil 4 – Bei medizinischem Cannabis ist lediglich Nordamerika relevant

Stimmt nicht. Medizinisches Cannabis hat eine an sich sehr britische Geschichte. Tatsächlich hat das britische Unternehmen GW Pharma mit Epidiolex in den letzten Jahren den Maßstab für die Branche gesetzt. Es führte zudem zu einer Rally des Aktienkurses, da das Unternehmen seine Einnahmen von 16 Millionen US Dollar im Jahr 2018 auf über 300 Millionen US Dollar im Jahr 2019 steigern konnte. Daneben agieren auf dem Markt noch weitere interessante Unternehmen aus Australien oder Israel.

Vorurteil 5 - Ein Exposure in die „Pure-Player“ dieses Marktes ist nicht möglich

Doch, es gibt eine Möglichkeit. Mithilfe des auf Cannabis spezialisierten US-amerikanischen Analysehauses New Frontier Data können Investoren auf ein maßgeschneidertes Portfolio zugreifen. Es handelt sich um einen Korb von Unternehmen, die ausschließlich medizinisches Cannabis fokussieren und daher vom globalen Rückenwind zu diesem Thema getragen werden. Sinnvoller Weise unterstützen Anleger Unternehmen, die daran arbeiten, Patienten zu helfen, die sonst keine Behandlungsalternativen mehr haben.
ETF-Experte Rahul Bhushan ist Co-Founder des in London ansässigen, auf thematische ETFs spezialisierten Vermögensverwalters Rize ETF. Bevor Bhushan Rize ETF mitgründete, war er bei Legal&General Investment Management in London als Senior Product Spezialist für die Entwicklung neuer, vor allem thematischer und nachhaltiger Anlagestrategien tätig. Bhushan startete seine Karriere beim internationalen Finanzdienstleister Nomura. 2016 stieg er beim ETP-Anbieter ETF Securities ein. Als Director und ETF-Produktspezialist war er dort mitverantwortlich für den Aufbau und die Verwaltung der Canvas-ETF-Platform, die der US Vermögensverwalter Legal&General Investment Management im März 2018 von ETF Securities für 3,5 Milliarden Euro erwarb. Bhushan absolvierte sein Masterstudium im Bereich Finanzen an der renommierten IE Business School in Madrid. Zuvor studierte er Internationales Management und Französisch an der Universität von Bath, Großbritannien.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

GW Pharm Sp ADS 111,00 -0,89%
close

Populäre Aktien