Klaus Stopp, Bild: Baader Bank
Die führenden Notenbanker ziehen sich vier Monate vor Heiligabend nach Durchschreiten der Zinstäler in die Berge zurück, um sich über die weitere Zinspolitik auszutauschen. Am heutigen Donnerstag werden die Beratungen beginnen und mit Spannung wird erwartet, ob am morgigen Freitag die beiden Hauptredner Janet Yellen und Mario Draghi (gegen 16:00 Uhr bzw. 21:00 Uhr unserer Zeit) etwas Wegweisendes bekanntgeben. Vor drei Jahren hat Super-Mario vor diesem Kreis die ersten Hinweise zum Anleihenkaufprogramm verlauten lassen und nicht wenige Marktbeobachter erhoffen sich jetzt die passenden Andeutungen zum Ende von QE. Doch hierbei scheint eher der Wunsch der Vater des Gedanken zu sein!

Große Erwartungen

Insbesondere vor dem Hintergrund der anstehenden juristischen Überprüfung des EZB-Anleihenkaufprogramms durch die Luxemburger Richter vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) wird Mario Draghi bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen unterstreichen. Zumal bereits Ende Juli die 2 Billionen-Grenze gerissen wurde. Die Karlsruher Richter sehen zwar einen möglichen Verstoß gegen das EU-Verbot der monetären Staatsfinanzierung sowie ein Überschreiten des EZB-Mandats, aber bereits bei vorherigen EuGH-Überprüfungen wurde der EZB die TÜV-Plakette nicht verweigert.
 
Somit stellt sich lediglich die Frage, wie lange wir auf die Luxemburger Entscheidung warten müssen. Wahrscheinlich wird zu diesem Zeitpunkt das QE-Programm bereits beendet sein. Dennoch wird man in dem Redetext des EZB-Präsidenten nach Hinweisen auf die weitere Geldpolitik und das bevorstehende Tapering suchen und diese sicherlich mit viel Phantasie auch finden. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat im heute veröffentlichten Börsenzeitung-Interview seine Ideen bereits kundgetan und die Antwort darauf werden wir am Freitag aus den USA vernehmen dürfen.
 

Was sagt Fed-Chefin Yellen?

Nicht anders wird es auch Janet Yellen ergehen, die wahrscheinlich zum letzten Mal in diesem Kreis die US-Notenbankpolitik erläutern darf. Ob allerdings Gary Cohn, der von D.T., dem Unberechenbaren, als neuer Chef der Fed in Erwägung gezogen wurde, für dieses Amt zur Verfügung stehen wird, ist nach den politischen Turbulenzen im Weißen Haus alles andere als gesichert. In ihrer mit Spannung erwarteten Rede wird die Fed-Chefin sicherlich zuerst die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA bewerten und dann einen Blick in die Zukunft wagen.
 
Im Sitzungsprotokoll zur FOMC-Sitzung vom 25./26. Juli war zu lesen, dass im Gremium Uneinigkeit über die zinspolitische Reaktion auf die Inflationsschwäche herrscht. Manche Beobachter sprechen sogar von einer Patt-Situation und deshalb erhofft man sich von der Rede am Freitag Klarheit bezüglich der Einschätzungen durch die Fed-Präsidentin. Nicht wenige Marktteilnehmer erwarten für die kommende Fed-Sitzung (19./20. September) nur die Veröffentlichung des Fed-Fahrplans zum Bilanzabbau. In den nächsten Monaten hätte man dann die Möglichkeit, die Inflationsentwicklung zu beobachten.
 
Da ein sprunghafter Anstieg nicht zu erwarten ist, wird es erst im Frühjahr zu einem erneuten Drehen an der Zinsschraube kommen. Man darf in diesem Zusammenhang aber gespannt sein, wer diese Entscheidung bekanntgeben und erläutern wird.
Klaus Stopp, Head of Market Making Bonds der Baader Bank.