Aktien bis Jahresende im Minus – asiatische Märkte übergewichten

John Vail, Nikko AM
John Vail / Bild: Nikko Asset Management
Die Weltwirtschaft leidet unter den Auswirkungen der Pandemie. Was heißt das für die Aktienmärkte? Wir wagen einen Ausblick für den Rest des Jahres:

Die Aktienmärkte weltweit

  • Die Aktienkurse dürften in den kommenden Quartalen leicht sinken. Im dritten Quartal sollten sich die Bedenken über die US-Wahlen noch nicht negativ auswirken – dafür sind die Aussichten noch zu unklar. Erst im vierten Quartal werden die Bedenken über eine Machtübernahme durch die Demokraten zunehmen, wenn auch vielleicht nicht auf hohem Niveau. Stärker durften die Sorgen werden, wenn republikanische Senatoren beim Thema Steuererhöhungen Kompromissbereitschaft erkennen lassen.
  • Höhere Steuern bedeuten jedoch wahrscheinlich zusätzliche fiskalische – und geldpolitische – Anreize in den USA, die dazu beitragen dürften, Einbußen an den Aktienmärkten weltweit abzufedern; dabei dürften die Notenbanken in Japan und in der Eurozone den zusätzlichen monetären Anreizen der USA folgen. Der wahrscheinliche Anstieg geschäftsfeindlicher Regulierungen und Exekutivmaßnahmen wird sich jedoch kaum positiv auf die Stimmung und auf potenzielle Gewinne oder Dividenden auswirken. Besorgniserregend für die Märkte dürfte die enttäuschende 2Q-Gewinnsaison und die weltweiten Erwartungen für 2020 sein.
  • Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir zu einer leicht negativen Einschätzung der globalen Aktienmärkte übergehen, insbesondere angesichts der hohen Risiken und Marktbewertungen, zumindest in den USA. Auf der Grundlage unserer nationalen Prognosen ab unserem Basisdatum gehen wir davon aus, dass der MSCI World Total Return Index (in USD) bis September um 2,8 Prozten und bis Dezember um 0,5 Prozent sinken wird. Dies legt eine neutrale oder leicht untergewichtete Haltung gegenüber globalen Aktien nahe.

Aktienmarkt-Prognosen

Index

Bis Ende September 2020
Bis Jahresende 2020
S&P 500
 2.918  2.997
Euro Stoxx
330  320
FTSE
5.700 5.500
TOPIX
 1.585  1.598
Hang Seng
 25.516  26.731

Die USA: Hohes KGV

Das KGV des S&P 500 Index liegt bei 24 (basierend auf Gewinnschätzungen fürs laufende Jahr) beziehungsweise 19 (für 2021) – selbst angesichts anhaltend niedriger Zinsen ist das teuer. Darüber hinaus dürften viele Unternehmen ihre Dividenden weiter kürzen mit dem Ziel, ihr Investment-Grade-Rating zu behalten (das gilt besonders für Unternehmen im High-Yield-Bereich). Aktien-Rückkäufe sind stark zurückgegangen und werden in vielen Sektoren wahrscheinlich ganz ausbleiben; einige wichtige Bereiche des Marktes werden durch Rückkäufe aber weiter unterstützt. Neben der Verbesserung der Weltwirtschaft ist ein positiver Faktor, dass selbst ein moderater Anstieg der Ölpreise das aggregierte Gewinnwachstum und die wirtschaftliche Lage in den Förderregionen unterstützen wird.

Europäische Aktien: gedrückte Stimmung

Europäische Aktien dürften sich schlechter entwickeln als die amerikanischen, trotz der erwarteten wirtschaftlichen Erholung im zweiten Halbjahr. Die Europäer haben wenig Vertrauen in ihre mittelfristige wirtschaftliche Zukunft. Das KGV (basierend auf Gewinnschätzungen für 2020) ist mit 21 hoch und mit dem 15-fachen der Erwartungen für 2021 bei weitem nicht niedrig. Auch hier dürften die Dividenden stark gekürzt werden, nicht zuletzt im Ölsektor in Großbritannien und den Niederlanden. Auch der Untergang eines der profiliertesten europäischen Fintech-Unternehmen durch offenbar langfristigen Betrug drückt auf die Stimmung.

Japanische Aktien haben sich besser entwickelt

Japanische Aktien haben sich im bisherigen Jahresverlauf im globalen Vergleich besser entwickelt, da die Lockdowns weniger streng waren, die Notenbank Aktien unterstützt hat, die Bewertungen niedrig und Überschuldungen seltener sind. Die Bewertungen liegen mit einem TOPIX-KGV von 18 (basierend auf Gewinnschätzungen für 2020) und 13,7 (für 2021) auf vernünftigem Niveau – auch wenn wir die Gewinnerwartungen des Marktes für etwas zu hoch halten. Die Dividenden wurden insgesamt nicht viel gekürzt; damit ist die Dividendenrendite des Marktes im globalen Vergleich sehr attraktiv, vor allem bei Finanzwerten. Verbesserungen in den globalen Halbleiter- und Smartphone-Zyklen und eine bessere chinesische Nachfrage nach Investitionsgütern, insbesondere für die Förderung der 5G-Infrastruktur, dürften die Erträge ankurbeln und damit vor allem ausländische Investoren zu japanischen Aktien zurückführen. Der Automobilsektor gibt derweil Anlass zu großer Sorge und sollte genau beobachtet werden.

Japan übergewichten

Aufgrund höherer Erträge als in den USA oder Europa sollten global investierende Anleger Japan übergewichten. Der MSCI Developed Pacific-ex Japan Index sollte von der Erholung der chinesischen Wirtschaft profitieren, auch wenn die politischen Spannungen um Hongkong für Gegenwind sorgen. Zumindest auf kurze Sicht sind wir sowohl für die Börsen in Hongkong als auch in Australien positiv gestimmt. Insgesamt erwarten wir für die Region einen Anstieg des MSCI-Index (in USD) um 8,5 Prozent bis September und 15,5 Prozent bis Dezember – Anleger sollten die Region eindeutig übergewichten.
John Vail ist Chief Global Strategist von Nikko Asset Management

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