Ein Haken zumindest an die Ertragsziele - CPU Softwarehouse

Stephan Berninger, Nebenwerte-Journal
Bild: Börse München / Unibrand
Die CPU Softwarehouse AG konnte im Geschäftsjahr 2016 das Konzernergebnis auf 76.000 (3.000) Euro verbessern. Dies war neu akquirierten profitablen Softwareaufträgen sowie strukturellen Verbesserungen zu verdanken. Die Aktie kam nach einem kleinen Höhenflug wieder zurück und beschert Nachzüglern eine günstige Einstiegsgelegenheit.

Umstrukturierungen bei Großkunden

Der Umsatz blieb mit 5.3 (5.8) Mio. Euro unter den Erwartungen. Ursächlich hierfür war das Ausbleiben von einkalkulierten Aufträgen, bedingt durch Umstrukturierungen beim Großkunden Fiducia. Im laufenden Jahr zeichnet sich in der Zusammenarbeit wieder eine Aufwärtsentwicklung ab, wie Vorstand Roger Heinz im Rahmen der 68. m:access-Analystenkonfernz ausführte. Er rechnet mit einem Umsatzplus von 15 Prozent. Die 2015 in der Schweiz aufgebaute Vermögensverwaltung wurde nach zwei Verlustjahren wieder eingestellt. Die erheblich verschärften regulatorischen Anforderungen des Verbands der Schweizer Vermögensverwalter und der Schweizer Bankenaufsicht hätten einen so hohen Mehraufwand bedingt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb in Frage stand. Die Konzernstruktur wurde verschlankt. Die beiden Töchter CPU Bankensoftware GmbH und ISMC GmbH wurden zur CPU Consulting & Software GmbH verschmolzen. Das Softwaregeschäft wird dem Dienstleistungsbereich zugeordnet, damit entfällt künftig eine Segmentberichterstattung.

Übernahme von NSG GIS GmbH ein echter Meilenstein

Zum Jahresende 2016 akquirierte das Unternehmen von der Cancom SE deren Tochter NSG GIS GmbH (GIS). GIS mit 150 Mitarbeitern ist spezialisiert auf Personaldienstleistungen in Informations- und Telekommunikationstechnik, Finanzdienstleistungen und im Öffentlichen Dienst. Sie wies 2016 einen Umsatz von 8 Mio. Euro und eine EBIT-Marge von 5 Prozent aus. Der CPU-Umsatz wird sich durch den Zukauf mehr als verdoppeln und das EBIT soll um 50 Prozent steigen. GIS ergänzt das Dienstleistungsgeschäft der CPU nach Einschätzung des Vorstands Roger Heinz in idealer Weise. Auch beim Softwaregeschäft sieht er Synergieeffekte. CPU erhielt durch die GIS, deren Kaufpreis bei 1 Mio. Euro lag, auch den Status als Projektzulieferer von Cancom. Zahlbar ist der Kaufpreis in fünf Raten zu je 200.000 Euro. Die erste wurde im Jahr 2016 bezahlt.

Auch personell kam es zu Änderungen

Cancom erwarb im Zug des Verkaufs ihrer Tochter auch ein Aktienpaket an der CPU und stellt seit dem 15.02.2017 mit Tobias Hörmann, Mitglied des Managements der Cancom, auch einen der drei Aufsichtsräte. Martin Nußpickel, Geschäfstführer der Subito AG, räumte hierfür seinen Platz im Gremium. Er machte in der HV am 03.07.2017 deutlich, dass Subito weiter eng mit der CPU zusammenarbeiten und der Zukauf von ihm befürwortet wird. Bemerkenswert war das Ergebnis der Neuwahl der drei Aufsichtsräte: Der bisherige stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Ender erhielt nicht die erforderliche einfache Mehrheit der Stimmen, obwohl nur drei Kandidaten aufgestellt waren. Erwartungsgemäß wurden der AR-Chef Dr. Heiko Frank und Tobias Hörmann in ihren Ämtern bestätigt. Der nunmehr fehlende dritte Aufsichtsrat muss nun gerichtlich bestellt werden. Die wohl bedeutendste Personalentscheidung fiel aber mit einer Vertragsverlängerung: Der Vorstand Roger Heinz, dem attestiert werden kann, dass es unter seiner Führung kontinuierlich bei der CPU aufwärts ging, wurde vorzeitig bis 2021 an das Unternehmen gebunden. Der Zukauf der GIS ist sicherlich als bisher wichtigster Schritt in seiner Ägide einzustufen und könnte auch zum größten Erfolg werden. Auch ohne die Übernahme entwickelte sich CPU trotz der schwierigen Marktsituation in Richtung nachhaltiger Profitabilität.

Der Vorstand rechnet bereits 2017 mit positiven Ergebniseffekten 

Für die Integration der GIS sind im Jahr 2017 hohe Investitionen in Service-Dienstleistungen, neue Hardware und Softwarelösungen notwendig. Schon ab 2018 dürften die Ausgaben hier deutlich geringer ausfallen. Dennoch rechnet Heinz auch schon im laufenden Jahr mit positiven Ergebniseffekten sowohl im Dienstleistungs- als auch im Softwarebereich. Das Konzernergebnis soll bei über 1.00.000 Euro liegen, den Umsatz taxiert er auf etwa 13 Mio. Euro. Mittelfristig erwartet er eine Umsatzrendite von 3 bis 5 Prozent. Das erscheint uns ehrgeizig, aber nicht unmöglich.

Fazit: Wachstum in eine neue Dimension

Die CPU Softwarehouse AG aus Augsburg wächst mit dem Zukauf der Cancom-Tochter GIS in eine neue Dimension. Immerhin lagen die GIS-Umsätze im Jahr 2016 beim doppelten der CPU-Erlöse. Das GIS-EBIT lag mit 5 Prozent im oberen Bereich des Zielwerts der bislang ertragsschwachen CPU. Ergebnisseitig werden die Augsburger im laufenden Jahr auf Grund der zu erwartenden Integrationskosten noch kaum vom Zukauf profitieren. Ab 2018 sollte es gelingen, auch beim Ertrag deutlich zuzulegen. Die Konditionen des Erwerbs wurden augenscheinlich gut verhandelt. Der Kaufpreis von 1 Mio. Euro erscheint uns niedrig, CPU musste dafür keine Fremdmittel aufnehmen. Und mit Cancom konnte überdies ein langfristiger Partner gewonnen werden.
Der Artikel erschien zuerst im Nebenwerte-Journal 8/2017.

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