Nicht jedes Jahr werden 500 Jahre Reinheitsgebot gefeiert - BHB Brauholding Mitte

Stephan Berninger, Nebenwerte-Journal
Bild: Börse München / Unibrand
Die Geschichte der BHB Brauholding Bayern Mitte AG geht bis ins Jahr 1882 zurück. Damals wurde die Aktienbrauerei Bürgerliches Brauhaus Ingolstadt gegründet. Die auch heute noch aktuelle Strategie einer Übernahme von Marken und Braurechten gilt seit dem 19. Jahrhundert. Zahlreiche Brauereien und deren Gaststätten kamen seitdem unter das Dach der Aktienbrauerei und deren Nachfolgeorganisationen.

Ausgliederung des Brauereigeschäfts

Die aktuelle Struktur entwickelte sich aus der Ausgliederung des Brauereigeschäfts in die Herrrnbräu GmbH & Co. KG im Jahr 2003. Die Jahre 2003 bis 2006 standen im Zeichen der Umfirmierung der historischen Immobilien von Herrnbräu auf die spätere BBI Immobilien AG (BBI), einer Tochter der VIB Vermögen AG. Im Herbst 2009 entstand dann die BHB in ihrer jetzigen Form. Die BBI brachte als alleinige Gründerin die Herrnbräu GmbH & Co. KG im Rahmen einer Sachgründung ein. Der Börsengang gelang dann im Juli 2010, die Aktie notiert seitdem im m:access-Segment der Börse München. Das Bier-Sortiment der BHB umfasst elf Weißbiersorten und 27 untergärige Biere (vor vier Jahren bestand das Portfolio noch aus nur acht Weißbier- und 13 untergärigen Sorten). Beim Vertrieb liegt der Fokus auf den Regionen Ingolstadt, München, Regensburg, Augsburg und Nürnberg, aber grundsätzlich wird das ganze Bundesgebiet beliefert.

2016 war insgesamt erfolgreich

Beim Gesamt-Getränkeabsatz verzeichnete die BHB im Jahr 2016 ein marginales Minus von 0.3 Prozent auf 215.000 (215.600) Hektoliter. Positiv ist jedoch, dass bei den eigenproduzierten Getränken – den Bieren der Marke Herrnbräu und den Erfrischungsgetränken der Marke Bernadett-Brunnen – das Vorjahresniveau gehalten werden konnte. Beim Bierabsatz konnte die BHB mit einem Plus von 2.6 Prozent sogar Marktanteile gewinnen, unterstrichen die Vorstände Gerhard Bonschab und Franz Katzenbogen im Rahmen der 68. M:access-Anaylstenkonferenz am 20.07.2017 in der Börse München.
 
Der Bayerische Biermarkt schrumpfte hingegen um 1.1 Prozent. Der Gesamtumsatz ging um marginale 0.2 Prozent auf 17.1 Mio. Euro zurück. Lagen diese Zahlen weitgehend im Prognosebereich, so enttäuschte ein wenig die EBIT-Marge, die auf 2.3 (2.8) Prozent sank. Hierfür verantwortlich zeichneten nach Einschätzung des Vorstands insbesondere ein ungewöhnlich schlechter Geschäftsverlauf im Weihnachtsgeschäft (was den bayerischen Biermarkt insgesamt betraf) sowie eine erhöhte Belastung durch Abschreibungen. Zudem stellten die von einem Rekordsommer 2016 sowie den Feierlichkeiten rund um das 500-jährige Bestehen des Reinheitsgebots begünstigten Vorjahreswerte eine große Hürde dar. Die EK-Quote lag mit 76.8 (78.2) Prozent weiter auf hohem Niveau, es bestehen nur geringe Finanzschulden von 330.000 Euro. Der Jahresüberschuss verringerte sich um 101.000 Euro auf 206.000 (307.000) Euro bzw. 0.07 (0.09) Euro je Aktie. Die Dividende blieb mit 0.06 Euro je Aktie konstant.

2017 liegen die Zahlen bislang im Plan

Im Rahmen der HV am 30.06.2017 berichtete Katzenbogen, dass man beim Getränkeabsatz im Plan liege. Insbesondere in den warmen Monate Mai und Juni zeigte sich eine sehr gute Nachfrage. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Absatz von etwa 217.000 Hektolitern, der Bruttoumsatz inklusive Biersteuer sollte 17.3 Mio. Euro erreichen. Im Jahr 2017 sollen zudem bei allen Getränkegruppen Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Weiter will die BHB im regionalen Bereich Chancen nutzen, die sich durch Akquisitionen ergeben. Damit sind nicht nur Biermarken von kleineren Konkurrenten gemeint, sondern hauptsächlich Verdichtungen im Händlernetz und bei den Gaststättenbetrieben. Als Zielgröße hält Katzenbogen weiterhin an eine EBIT-Marge von 3 Prozent fest.

Keine Experimente in Sachen Akquisitionen

Der positiven Lageeinschätzung des Vorstands wollte sich in der HV der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Werrtpapoerbesitz (DSW) nicht so recht anschließen. Er monierte, dass die Marge mit 2.3 Prozent unbedingt verbessert werden muss. Sein Sprecherkollege von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zeigte sich hingegen überzeugt, dass BHB als regionales kleineres Unternehmen in diesem Umfeld gut aufgestellt ist. Der Vorstand stellte klar, dass die BHB sich als regionales Unternehmen definiert, das weiter in diesen kleinräumigen Strukturen operieren und insbesondere im Bereich von Markenakquisitionen keine Experimente eingehen wird.

Fazit: Geeignet als Depotbeimischung

Die BHB Brauholding Bayern Mitte AG musste im Jahr 2016 einen Ergebnisrückgang um etwa 30 Prozent hinnehmen und entfernte sich wieder ein Stück weit von der angestrebten EBIT-Marge von 3 Prozent. Sie sank um 0.5 Prozentpunkte auf 2.3 (2.8) Prozent. Da BHB keine nennenswerten Finanzverbindlichkeiten aufweist, erwirtschaftete das Unternehmen die Dividende von 0.06 Euro je Aktie (Rendite: 2 Prozent) problemlos aus dem laufenden Geschäftsbetrieb. Zusätzlich konnte die Bilanz weiter gestärkt werden. Gelingt es, die Absatzmenge wieder zu erhöhen und die Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen, kann sich das Unternehmen ohne weiteres einer EBIT-Marge von 3 Prozent nähern. Die Aktie eignet sich daher weiterhin als Depotbeimischung.
Der Artikel erschien zuerst im Nebenwerte-Journal 8/2017.

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