Die Feinde der Aktie

Ulrich Kirstein mit der Presseschau am Freitag
Ulrich Kirstein / Bild: BBAG/Killius
Das Thema nicht nur der Wirtschaftspresse war vergangene Woche das von der Regierung geschnürte Konjunkturpaket und die gewaltige Summe, die die EZB für Anleihekäufe zur Verfügung stellt. Der Börsen-Zeitung war es wert, diese einmal in Zahlen auszuschreiben: 1.800.000.000.000 Euro! Aber auch wenn der Tenor der Maßnahmen positiv ausfiel, bleibt die Frage, ob nun tatsächlich mehr konsumiert und damit die Wirtschaft angekurbelt wird. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nährt da Zweifel, beginnt sie ihren Wirtschaftsteil vom Donnerstag doch mit der Schlagzeile „Die Deutschen sparen mehr denn je“. Der Zweifel steigt, wenn wir die Überschrift darunter lesen „Eine halbe Million Corona-Arbeitslose“ - ob diese sich E-Autos kaufen werden?

Geldmaschinen

Obwohl die Wirtschaft weiterhin unter den Folgen des Lockdowns ächzt, entwickelten sich die Märkte positiv, momentan tendiert der Dax Richtung 13.000 Punkte! Wie reagierten die Anlegermagazine darauf? Börse Online stellt auf dem Titel „Digitale Geldmaschinen“ vor. Kurz dachten wir dabei an die EZB und die Gelddruckmaschinen, die sie angeworfen hat, gemeint waren aber sechs Aktien, mit denen Anleger von den „Megatrends der Zukunft“ profitieren. Schmackhafter geht es im Innenteil zu, der sich dem Lebensmittelsektor widmet. Mit Corona-Viren-Bällchen  „schmückt“ sich Focus Money und der Schlagzeile „Unser Geld geht kaputt!“ Das sei zumindest die Meinung des Ex-Chefvolkswirts der Deutschen Bank in seiner „düsteren Prognose“. „Ist die Marktwirtschaft noch zu retten?“ fragt das Magazin zuletzt noch auf dem Titel. Wenn es zum Unwort des Jahres auch noch eine Ungrafik des Jahres gäbe, würde ich für die Visualisierung des Coronavirus plädieren!

Katastrophe oder Boom oder  gleich beides

Einfach machte es sich der Smart Investor mit seinem Titelbild für die Juni-Ausgabe: Er lässt einfach zwei Hände den Titel der Aprilausgabe 2009 reichen, in der es um den „Crack-up-Boom“ ging und schreibt darüber: „Crack-up-Boom – Katastrophenhausse voraus?“. Wer will, kann sich im Heft ausführlich über diese seltsame Verbindung von steigenden Kursen und eintretender Katastrophe informieren, ganz auf den Theorien der Österreichischen Schule basierend, oder ganz einfach ein kurzes und anschauliches Video ansehen, das Norbert Betz bereits vor fünf Jahren zum Thema aufgenommen hat!

Die Aktie: Viel Feind, viel Ehr

Aus dem Herzen sprach uns ein Artikel von Christoph Bruns in der Juni-Ausgabe des GoingPublic Magazins unter dem Titel „Die Aktienanlage und ihre Feinde“. Hauptfeind, zumindest in Deutschland, sei der Staat! Und Bruns hat dafür auch eine gewichtige Begründung parat: „Vielleicht lässt sich dieser Umstand damit erklären, dass er als größter Emittent von Anleihen dem Wettbewerber Aktie bewusst Steine in den Weg legen will“. Aber auch Versicherer hielten eine viel zu geringe Aktienquote von meistens noch unter 5 Prozent. Verheerend sei die Situation aber in der Politik, wo vor allem Ahnungslosigkeit herrsche, so Bruns. Aber schließlich seit 2018 eine Schuldenkrise gewesen, da „bedarf es schon reichlicher Chuzpe, Eigenkapitalanlagen nunmehr zusätzlich besteuern zu wollen“, so Bruns zur möglichen Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Wer klaut für Europa?

Manchmal funktionieren Überschriften ganz anders als vom Autor gedacht, wenn man sie sich laut vorliest. So zum Beispiel auf dem Handelsblatt-Titel vom Mittwoch: „Eine Cloud für Europa“. Nur gehört, würden wir vermuten, Frau von der Leyen oder Frau Lagarde wollen für Europa klauen – fragt sich nur wo und bei wem, wahrscheinlich beim Steuerzahler. Tatsächlich aber ging es um die europäische Dateninitiative „Gaia-X“, die ein europäisches Gegengewicht zu den US-Datenkraken werden soll. Ziel: Eine Art EU-Binnenmarkt für Daten. Nachdem in der griechischen Mythologie die Erdgöttin Gaia aus dem Chaos entstanden ist, besteht ja noch Hoffnung, dass es funktioniert.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

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