Königsweg durch die Krise: Gold und US-Large Caps

Till Christian Budelmann, Bergos Berenberg
Till Christian Budelmann / Bild: Bergos Berenberg
Bevor die Weltwirtschaft wieder aufatmen kann, wird die Luft erst einmal knapper. Für 2021 sind wir jedoch wieder etwas optimistischer. An den Börsen schien dieser Optimismus zuletzt schon Realität zu sein. Unser favorisierter Aktienmarkt bleiben die USA. Die dortige Wirtschaft hat sich schon häufiger als das bessere Stehaufmännchen präsentiert. Zudem sind die Gewinnersektoren der Krise dort stark vertreten. Um der großen Unsicherheit entgegenzuwirken, die über der erwarteten Erholung schwebt, bietet sich eine Übergewichtung in Gold als natürliche Absicherung an.
Die wirtschaftlichen Prognosen verheißen nichts Gutes: Die US-Wirtschaft soll nach Schätzung von Bergos Berenberg 2020 einen Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich erleiden. Für die Eurozone rechnen wir gar mit einem Minus von knapp zehn Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Vergleichsweise glimpflich unter den großen europäischen Volkswirtschaften kommt dabei Deutschland mit -8 Prozent davon.
 
Keine Frage, die Konjunkturaussichten sind niederschmetternd. Am Aktienmarkt ging es zuletzt jedoch wieder bergauf. Der Aktienmarkt ist eine große Diskontierungsmaschine. Er blickt nicht aufs Jetzt, sondern stets nach vorn. Der Aktienmarkt heute ist nichts anderes als das Spiegelbild aller abdiskontierten Unternehmensgewinne von heute bis in alle Ewigkeit. Etwas überrascht hat uns  jedoch schon, wie resistent sich der Markt in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Enttäuschte Gewinnerwartungen wurden weniger hart abgestraft als gewöhnlich. Der S&P 500 notiert in etwa auf dem Niveau von vor einem Jahr, obwohl sich die Situation komplett verändert hat: Die Arbeitslosigkeit ist explodiert, Konjunkturindikatoren sind abgekippt, der Ölpreis ist zusammengebrochen und die Volatilität hat sich vervielfacht. Viele Marktteilnehmer scheinen nicht nur nach vorne zu blicken, sondern sogar komplett durch die Probleme hindurchzuschauen, und befinden sich gedanklich schon mitten in der Erholungsphase.

2021 sind Wirtschaft und Gewinnwachstum wieder im grünen Bereich

Wir erwarten nach dem schwachen ersten Quartal 2020 ein noch deutlich schwächeres Folgequartal, bevor dann in der zweiten Jahreshälfte die wirtschaftliche Erholung einsetzt. 2021 rechnen wir auch wieder mit positiven Wachstumsraten, sowohl in den USA als auch in Europa. Auch die Unternehmensgewinne, die in diesem Jahr etwa beim US-Aktienindex S&P 500 um 20 bis 30 Prozent einbrechen dürften, sollen 2021 wieder signifikant steigen - immer vorausgesetzt, es gibt keinen Rückfall im Verlauf der Pandemie. Ein erneutes Herunterfahren der Volkswirtschaften wäre verheerend. Das hat der Aktienmarkt definitiv nicht eingepreist.
 
Diese große Unsicherheit schwebt über den Märkten, dennoch halten wir Aktien im Vergleich zu Anleihen grundsätzlich für attraktiv bewertet. Die Gewinnrendite von Aktien liegt nach wie vor deutlich über der Anleiherendite. Ein weiteres Argument für Aktien ist die enorme Liquidität, die weltweit durch Notenbanken und Fiskalpolitik bereitgestellt wird. Die Märkte werden mit Geld geflutet, man will auf jeden Fall eine große Finanzkrise verhindern. Investoren sind in Lauerstellung: Anlagen im Geldmarkt sind in den vergangenen Wochen nach oben geschossen. Das ist alles Geld, das wieder investiert werden will.

US-Aktien: Beherzte Fed, Mega-Fiskalpaket und hohes Gewicht der Krisengewinner

Unser favorisierter Aktienmarkt ist nach wie vor der US-amerikanische, insbesondere bei Großkonzernen sehen wir die besten Chancen. Die US-Notenbank hat sehr schnell und beherzter als die Europäische Zentralbank auf die Krise reagiert. Zudem haben US-Unternehmen bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie in Krisen mehr Resistenz zeigen und sich im Nachgang schneller erholen.
 
Als einen Vorteil erachten wir, dass viele US-Unternehmen einen Großteil ihrer Umsätze im eigenen Land erwirtschaften: Die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen sowie das Fiskalpaket, das mit einer Höhe von 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts das größte weltweit ist, kommen der heimischen Wirtschaft zugute. Zudem hat der US-Aktienmarkt einen strukturellen Vorteil. Seine sektorale Komposition fällt im Vergleich zu Europa und den Emerging Markets weniger zyklisch aus. In den USA dominieren Sektoren, die aktuell eher zu den Gewinnern zählen: Technologie, Gesundheit und der 2018 neu geschaffene Sektor Kommunikation, zudem etwa der absolute Krisenprofiteur Netflix gehört.
 
Als Risiko gilt aktuell eine Eskalation des Handelsstreits mit China. Der Ton hatte sich zuletzt wieder deutlich verschärft. Dies wäre ein exogener Schock, mit dem die Märkte bei der aktuellen Gesamtlage nur sehr schwer umgehen könnten. Das dürfte beiden Seiten aber hoffentlich bewusst sein.

Gold diversifiziert und sichert ab

Als ideale Portfolioergänzung zu US-amerikanischen Aktien sehen wir Gold: Das Edelmetall ist ein guter Diversifikator und fungiert in unseren ausgewogenen Portfolien bereits seit Jahren als eine natürliche Absicherung. Seine Stärke als sicherer Hafen beweist Gold gerade im aktuellen Umfeld sinkender Realzinsen. Seit Jahresanfang ist der US-Dollar-Preis für Gold um gut 14 Prozent gestiegen. Allerdings musste er im März auch zwischenzeitlich einen Rückgang verzeichnen. Zu Beginn des Marktstresses haben Investoren alle schnell veräusserbaren Anlagen, einschließlich Gold, losgeschlagen, um ihren kurzfristigen Liquiditätsanforderungen zu genügen. Seitdem die Notenbanken aber enorme Mengen an Liquidität zur Verfügung gestellt haben, hat der Goldpreis wieder angezogen. Eine ähnliche Entwicklung war auch in der Finanzkrise 2008/2009 zu beobachten. US Large Caps plus Gold erachten wir weiterhin als den Königsweg durch diese beispiellose Krise.
Als Kapitalmarktstratege der Privatbank Bergos Berenberg kommentiert Till Christian Budelmann regelmäßig die Geschehnisse an den internationalen Kapitalmärkten und betrachtet diese im Kontext wirtschaftlicher und politischer Trends. Seit dem Jahr 2004 verantwortet Budelmann diverse Anlagestrategien und sitzt im Investmentkomitee des Hauses, seit 2013 ist er Managing Director.

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