Guter Zeitpunkt zum Einstieg bei Unternehmensanleihen

Holger Mertens / Bild: Nikko Asset Management
Holger Mertens / Bild: Nikko Asset Management
Holger Mertens hält Unternehmensanleihen für attraktiv – aber nicht alle.
Drei Fragen, drei Antworten:

 

Das erste Quartal war kein gutes für Unternehmensanleihen. Wie geht es jetzt weiter?

Wir möchten nicht über die Wiederöffnung der Weltwirtschaft oder die Abflachung von Infektionskurven spekulieren. Sinnvoller ist es, bekannte Fakten und die Markttechnik zu analysieren. Die globalen Zentralbanken unterstützen die Kreditmärkte massiv durch den Ankauf von Anleihen. Die US-Notenbank hat sogar Hochzinsanleihen im Visier. Darüber hinaus fließen in den meisten Volkswirtschaften staatliche Unterstützungen in Form von Garantien und Arbeitslosenprogrammen. Aus alledem ergibt sich in Verbindung mit attraktiven Marktbewertungen aus unserer Sicht ein attraktiver Einstiegspunkt für Investoren.

Worauf sollten Anleger beim Einstieg achten?

Die Sektorallokation sowie die Auswahl der Anleihen in der Erholungsphase werden entscheidend sein. Wir setzen großes Vertrauen in die fiskalische und monetäre Unterstützung. Aber exponierte Sektoren können attraktiver erscheinen als sie sind, da der Nachfragerückgang und mögliche kulturelle Veränderungen nach der Pandemie die Verbrauchernachfrage in bestimmten Branchen dauerhaft verändern könnte.

Und welche Sektoren halten Sie für attraktiv?

Vor der Pandemie hatten wir eine starke Präferenz für defensive Sektoren mit Schwerpunkt auf der Infrastruktur. Der Nachfrageschock, der durch Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ausgelöst wurde, hat diese Ansicht bestätigt. Die Sektoren Kabel & Telekommunikation, Gas- und Stromversorger, Gesundheitswesen und Technologie verfügen über Cashflows, die während der Krise am besten zu verteidigen sind. Aber auch die Einzeltitelauswahl macht den Unterschied: Bei Sektoren mit größerer Gefährdung, wie dem Einzelhandel, der Automobilbranche und den Herstellern von Konsumgütern außerhalb des täglichen Bedarfs beschränken wir uns schwerpunktmäßig auf die großen, gut kapitalisierten Unternehmen, die über genügend Liquidität verfügen, um drei bis neun Monate lang einen erheblichen Rückgang ihrer Betriebseinnahmen zu verkraften. Sorgen bereitet uns der Energiesektor: Hier schafft ein weltweiter Nachfragerückgang in Verbindung mit dem Zusammenbruch der Disziplin der großen Ölproduzenten ein unhaltbares Umfeld für alle Unternehmen, mit Ausnahme der größten integrierten Firmen.
Holger Mertens ist Head Portfolio Manager bei dem japanischen Vermögensverwalter Nikko Asset Management