"Tief verwurzelt in Bayern" - 125 Jahre Deutsche Bank in Bayern

Ulrich Kirstein, Börse München
Das repräsentative Gebäude der Deutschen Bank am Lenbachplatz - danach lange Zeit Standort der Bayerischen Börse / Bild: Deutsche Bank
Dass die Deutsche Bank schon drei Jahre nach ihrer Gründung 1870 Dependancen in London, Shanghai und Yokohama errichtete, aber „erst“ 1892 als „Bayerische Filiale der Deutschen Bank“ nach München zog, zeigt zweierlei: Es war der Deutschen Bank von Beginn an ein Anliegen, den internationalen Handel ihrer Kunden zu fördern und zu unterstützen und – es war ein durch und durch preußisches Bankhaus. Deshalb auch der Zusatz „Bayerische Filiale“, um die Bank aus Berlin den Bayern möglichst schmackhaft zu machen. Schmackhaft auch deshalb, weil sie ihre internationalen Beziehungen spielen ließ, um die Münchener und bayerischen Brauereien mit Gerste aus Kleinasien zu versorgen. Da überdies notwendige Einstellungsvoraussetzung die Beherrschung des bayerischen Dialektes war, wurde die Deutsche Bank schnell auch in Bayern heimisch.

Rasche Expansion im Freistaat

Die wechselvolle Geschichte der Deutschen Bank in Bayern hat zum Jubiläum der Historiker Roman Köster im Auftrag der Historischen Gesellschaft der Deutschen Bank  e. V. erforscht und in ein schönes, reich bebildertes Buch gegossen. Wir konzentrieren uns hier auf den Standort München, auch wenn die Bank in ganz Bayern rasch wuchs und schon bald Filialen in Nürnberg und Augsburg, den wichtigsten Industriestädten Bayerns, gründete. Den Höhepunkt des Filialnetzes erreichte die Deutsche Bank etwa Mitte der 1980er Jahre, auch wenn das Ziel, in jedem Ort ab 10.000 Einwohnern eine Geschäftsstelle zu gründen, im Flächenstaat Bayern nie erreicht wurde.

Beginn im Palais

Den ersten Sitz in München hatte die Deutsche Bank im Palais Piosasque de Non an der Theatinerstraße, ein Frühwerk des Rokokoarchitekten Cuvilliés. Zuletzt residierte dort das Bankhaus Kester, Bachmann & Co., das jedoch in Konkurs gegangen war, nachdem damals der Immobilienboom in München eine Delle zeigte. Praktischerweise übernahm die Deutsche Bank nicht nur das Gebäude sondern gleich die Mehrzahl der Angestellten. Flaneure kennen die Adresse, dort ist heute die Bar Comercial untergebracht.

Neubau am Lenbachplatz

Bald schon platzte die Bank aus allen Nähten und erwarb ein Grundstück am Karlsplatz - seit 1906 heißt dieser Teil Lenbachplatz. Dort errichtete die Bank einen repräsentativen Neubau durch den Architekten Albert Schmidt. Dass das Gebäude einer Bank aus Berlin sich nicht nach dem dort vorherrschenden Renaissance-Stil richtete sondern den Barock Wiener Prägung zum Vorbild nahm, mag zumindest der Kenner als Statement pro Bayern empfunden haben. Wer mit scharfem Auge himmelwärts blickt, kann in einer Kartusche immer noch die ineinander verschlungenen Buchstaben „D“ und „B“ erkennen, damals das "Logo" der Bank. Der Architekt Albert Schmidt hatte in der Nähe auch die Neue Synagoge errichtet (heute Karstadt-Oberpollinger), in gleicher Zeit entstanden in der Nähe aber auch der Justizpalast und das Künstlerhaus entstanden. Heute kaum vorstellbar: Der ursprüngliche Kostenvoranschlag von 1,13 Millionen Mark konnte unterschritten werden!

Wechselvolle Zeiten

Die Deutsche Bank erlebte wechselvolle Zeiten im neuen Gebäude, die nur "spannend" findet, der sie nicht erleben musste: Erster Weltkrieg, Revolution und Gegenrevolution in Bayern, die Hyperinflation. Im ersten Weltkrieg wurden erstmals auch Frauen eingestellt – in der Männerdomäne Bank eine Novum. Und während der rasanten Inflation der 20er Jahre erreichte die Belegschaft mit etwa 1.500 Beschäftigten allein in München einen nie wieder erreichten Rekordwert – aber sonst hätte das viele Geld nicht gezählt und ausgegeben werden können.
 
Im Krisenjahr 1929, aber noch vor dem Schwarzen Freitag, kam es zum Zusammenschluss zwischen der Deutschen Bank und der damals zweitgrößten Bank Disconto-Gesellschaft, die noch einige Zeit im Doppelnamen der Bank fortlebte. Während des Nationalsozialismus wehrte sich die Deutsche Bank erfolgreich dagegen, dass in München „alte Kämpfer der Bewegung“ zum Zuge kamen. Stattdessen übernahm 1933 Arnold Maser die Führung der Münchner Filiale und von ganz Bayern, davor hatte er die Augsburger Dependance geleitet. Wiewohl Maser selbst kein Parteimitglied war, so beteiligte sich die Deutsche Bank wahrscheinlich auch in München an Arisierungsprozessen, wie der Raubzug an jüdischem Eigentum etwas euphemistisch genannt wird – eindeutige Belege dafür fand Köster allerdings nicht.

1956 erneut vereint

Nach dem Krieg wurde die Deutsche Bank von den Alliierten in verschiedene Regionalinstitute zerschlagen – in Bayern fungierte die Deutsche Bank deshalb als Bayerische Creditbank. Ab 1952 waren schließlich aus zehn wieder drei Institute geworden und mit dem Gesetz zur Aufhebung der Beschränkungen des Niederlassungsbereichs von Kreditinstituten im Dezember 1956 stand schließlich einer endgültigen Zusammenführung der Deutschen Bank nichts mehr im Wege. Doch während die Hauptversammlung noch in München abgehalten wurde, erhielt die Deutsche Bank als neuen Firmensitz Frankfurt am Main – und im Gegensatz zu Siemens, das ja inzwischen unter München-Berlin firmiert – gilt das bis heute. Schon auf der Hauptversammlung 1956 berichtete Hermann J. Abs, der danach für ein Jahrzehnt an der Spitze des Bankhauses stand.

Umzug an den Promenadeplatz

Anfang der 1960er Jahre stand ein erneuter Umzug in München bevor, seitdem residiert die Bank am Promenadeplatz in einem Neubau. Für die fast 700 Mitarbeiter war selbst der Prachtbau am Lenbachplatz zu klein geworden – hier zog in der Folge die Bayerische Börse ein mit repräsentativem Handelssaal samt Galerie. Miteinbezogen und eher wiederaufgebaut als saniert wurde das Gunetzrhainer-Haus, das der Barockarchitekt Johann Baptist Gunetzrhainer als eigenes Wohnhaus um 1730 errichtete hatte.

International und regional

Heute ist Bayern eine von sieben Regionen der Deutschen Bank, angeführt von Martin Huber als Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Süd der Deutschen Bank mit Sitz in München. 49 Filialen mit etwa 1.100 Mitarbeitern stehen zu Buche. Wobei es neben München nur in Augsburg, Nürnberg, Würzburg und Regensburg Kerngeschäftsstellen mit allen Geschäftsbereichen gibt. Gerade den regionalen Unternehmen - und Kunden allgemein - kommt die internationale Ausrichtung der Deutschen Bank dabei heute mehr denn je zu Gute.
 
In Kürze wird die Geschäftsstelle am Promenadeplatz im neuen Glanz erstrahlen und die Deutsche Bank sieht sich nach Huber weiterhin „tief verwurzelt in Bayern“. Auch wenn bei ihm das Beherrschen des Bayerischen Dialekts nicht mehr Einstellungskriterium war – gerade auf dem Land erleichtert dem gebürtigen Freisinger Huber seine Herkunft sicherlich die eine oder andere Verhandlung.
Roman Köster: Standort weiß-blau: 125 Jahre Deutsche Bank in Bayern, 163 Seiten mit rund 150 farbigen Abbildungen, Verlag SZ Scala, München 2017

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