Gute Wachstumsaussichten im verarbeitenden Gewerbe

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Die Branchen des deutschen Verarbeitenden Gewerbes zeigen 2017 ein solides Produktionswachstum. Verharrt die Produktion für das verbleibende Jahr auf dem Niveau von April würden alle Branchen bis auf die Möbelindustrie ein deutliches Plus verzeichnen. Dies gilt insbesondere für Metallerzeugnisse und -bearbeitung, Elektroindustrie und Maschinenbau. Gute Wachstumszahlen für diese Branchen sind im aktuellen konjunkturellen Umfeld nicht überraschend, da sie alle stark konjunkturabhängig sind. Gleiches gilt für die Automobilbranche.

China nicht überbetonen

Die deutschen Konjunkturaussichten bleiben grundsätzlich positiv, auch wenn sich die Risiken zu häufen scheinen. Hier werden immer wieder vor allem der Brexit und ein möglicherweise nachlassendes Wirtschaftswachstum in China betont. Ähnliches gilt für die US-Konjunktur mit anhaltend offenen Fragen zur Wirtschaftspolitik Trumps. Dennoch deutet der globale Wachstumsausblick auf ein höheres Wachstum als in den vorherigen Jahren hin. Grund ist zum einen die sich wirtschaftlich erholende Euro-Zone; zum anderen stabilisieren sich die Schwellenländer, während die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft nicht überbetont werden sollte. Auch ist weiterhin von einer fiskalischen Stimulierung in Form von Steuersenkungen in den USA auszugehen, die die US-Wirtschaft 2018 stimulieren sollte. Frühindikatoren wie der Containerumschlagindex deuten auch für das dritte Quartal bzw. die zweite Jahreshälfte eine erhöhte Wachstumsdynamik der globalen Wirtschaft an. Der deutsche Export konnte davon bereits profitieren und ist im zweiten Quartal preisbereinigt um 1, 3 Prozent zum Vorquartal gestiegen.

Der kurzfristige Einfluss des Brexit ist eher gering

Der Brexit sollte eher als Prozess und nicht als Ereignis betrachtet werden, sodass der kurzfristige Einfluss auf die gesamte britische und europäische Wirtschaft überschaubar sein sollte. Dies gilt vor allem, weil die jüngsten britischen Wahlergebnisse das Risiko eines harten Brexit reduziert haben. Auf Grundlage eines stabilen, wenn auch nicht euphorischen Wachstumsausblicks für 2017 und 2018 lässt sich eine relativ positive Prognose für die konjunktursensitiven Branchen des deutschen Verarbeitenden Gewerbes ableiten.

Chancen für deutlichen Produktionsanstieg stehen gut

Für 2017 können die Prognosen aufgrund der bereits guten Zahlen bis April als relativ robust eingeschätzt werden, während für 2018 ein Prognoserisiko weiterhin besteht, auch wenn extreme Entwicklungen aus aktueller Sicht eher zu vernachlässigen sind. So mag es trotz des aktuellen Ausblicks immer noch zu früh sein, um von einem definitiven Ende der nun schon seit Jahren anhaltenden Seitwärtsbewegung der Produktion bedeutender Industriebranchen auszugehen. Allerdings stehen die Chancen hierfür im Vergleich zu den Vorjahren und trotz der Brexit-Unsicherheiten aktuell relativ gut.

Hoffnung für Maschinenbau und Chemie

Tabelle 1 zeigt die Wachstumsprognose der IKB für 2017 und 2018 für die Branchen des Verarbeitenden Gewerbes. Eine BIP-Wachstumserwartung von 1,8 Prozent in 2017 und 1,9 Prozent in 2018 schafft Rahmenbedingungen, die die Dynamik konjunktursensitiver Branchen stützen sollte. 2017 dominieren vor allem Datenverarbeitung, Metallerzeugnisse und Maschinenbau. Letzterer hatte in den beiden Vorjahren vor allem mit Turbulenzen in den Schwellenländer zu kämpfen. Nach drei relativ schwachen Wachstumsjahren sollte auch die Chemieindustrie 2017 eine Wachstumsbeschleunigung erfahren. Im April 2017 lag das Produktionsniveau über 2 Prozent über dem Vorjahresquartal.

Fazit: Aussichten für das aktuelle Jahr positiv

Das globale Konjunkturrisiko erschwert Prognosen für das deutsche Verarbeitende Gewerbe. Ungünstige wirtschaftliche Entwicklungen in China, den USA, den Schwellenländern oder aufgrund des Brexit könnten sich insbesondere 2018 bemerkbar machen. Die Aussichten für das aktuelle Jahr sind dagegen positiv. Die meisten Industriebranchen sollten im laufenden Jahr ihre Produktion ausweiten. Dies kann auch 2018 der Fall sein, vor allem, weil sich manche Konjunkturrisiken als unbegründet herausstellen sollten. Dann könnten die meisten Industriebranchen die nun schon seit 2010 bestehende Seitwärtsbewegung der Produktion beenden. Die IKB erwartet 2017 ein Produktionswachstum des gesamten Verarbeitenden Gewerbes von 2,2 Prozent und im nächsten Jahr ein Plus von 1,8 Prozent.
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.