Lechwerke - es kommt auf das Zusammenspiel an

Carsten Stern, Nebenwerte Journal
Bild: Börse München/m:access/unibrand
Es gilt weiterhin: Für eine Investitionsentscheidung stellen wir, wie in den Vorjahren, einzig und allein auf das erfolgreiche operative Geschäft im Jahr 2016 sowie auf die angehobene Dividende ab. Für 2016 wollen die Lechwerke AG aus Augsburg wieder 2.60  Euro je Aktie ausschütten, wie sie bei Vorlage des Jahresabschlusses 2016 am 29.03.2017 ankündigten.

Bei einem Kurs von 69.80 Euro am 23.03.2017 errechnet sich daraus eine nachhaltige Dividendenrendite von 3.7 Prozent (HV: 10.05.2017). Wie ein Blick auf die Dividendenhistorie zeigt, dürfen Anleger eine nachhaltige Anhebung erwarten. Sprich es ist nicht zu erwarten, dass die Dividende für Jahr 2017 gekürzt wird. Das freut sicher auch die neue alte Mutter Innogy SE, die aus der RWE Deutschland AG hervorging. Bekanntlich bündelte der Essener Versorger RWE seine Zukunftsaktivitäten, zu denen auch das Geschäft mit Erneuerbaren Energien gehört, in der jetzt börsennotierten Tochter Innogy. Dazu zählt auch die RWE-Enkelin Lechwerke AG (LEW).

Dreistellige Millionen-Investitionen

LEW hat das Geschäftsjahr 2016 mit dem erwartet guten Ergebnis abgeschlossen. Der Umsatz der gesamten LEW-Gruppe stieg leicht auf 2.39 (2.28) Mrd. Euro. Grund für das Umsatzplus: Der Strom- und Gasabsatz legte um 25.9 Prozent auf 19.9 Mrd. KWh bzw. 43.5 Prozent auf 1.3 Mrd. KWh stark zu. Vor diesem Hintergrund gelang es, trotz rekordhoher Investitionen von 104.7 (92.3) Mio. Euro das Betriebsergebnis bei 141.6 (141.5) Mio. Euro konstant zu halten. Normalisiert hat sich hingegen das Finanzergebnis, es stellte sich auf 62.2 (119) Mio. Euro. Insgesamt verwaltet LEW beachtliche Finanzanlagen von 1050.7 (908.3) Mio. Euro, die eine durchschnittliche Rendite von geschätzt 5 Prozent abwerfen dürften. Die Neustrukturierung der Finanzanlagen, die im Jahr 2015 das Finanzergebnis dank realisierter Kursgewinne nach oben gehebelt hatte, ist weitgehend abgeschlossen. Daher ist in naher Zukunft nicht mehr mit hohen Gewinnen aus Umschichtungen zu rechnen, vielmehr dürften sie sich auf dem Niveau des Jahres 2016 einpendeln. Sie werden definitiv nicht für die Finanzierung des Investitionsprogramms 2019 benötigt. LEW will in den kommenden drei Jahren bis 2019 insgesamt 250 Mio. Euro in den Ausbau sowie die Erneuerung des Stromverteilnetzes investieren. Größere Investitionsspitzen soll es nicht geben.

Die Prognose sollte sich gut erfüllen lassen

Das Jahresergebnis der Lechwerke AG sank nur auf Grund des deutlich niedrigeren Finanzergebnisses auf 111.5 (157.9) Mio. Euro bzw. 3.15 (4.46) Euro je Aktie. Die Dividende verharrt wie angekündigt bei 2.60 Euro je Aktie. Da LEW für 2017 einen leicht rückläufigen Umsatz sowie ein leicht steigenden Gewinn im operativen Geschäft in Aussicht gestellt hat, sollte der Gewinn je Aktie im Jahr 2017 in der LEW-Gruppe etwa bei 2.70 Euro landen, wonach sich das KGV 2017e in der Größenordnung von 26 bewegt. Etwaige Sondereffekte, etwa aus neuerlichen Wertpapierverkäufen, sind hier nicht berücksichtigt. Diese Prognose sollte sich u. E. gut erfüllen lassen.

Zukunftsthemen auf der Fahne geschrieben

Den Ausbau der Erneuerbaren Energien, ein starkes Verteilnetz, die Digitalisierung sowie Energieeffizienz/Speicher haben sich die Schwaben als Zukunftsthemen auf ihre Fahne geschrieben. Diese vier Punkte wollen sie unter dem Stichwort Sektorkopplung unter einen Hut bringen. Laut der Vorstände Norbert Schürmann und Dr. Markus Litpher sei das Zusammenspiel unerlässlich, wenn die Energiewende gelingen soll. Schon heute nimmt LEW mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent an Erneuerbaren Energien (Wasserkraft, Photovoltaik, Biogas) in der Region Bayrisch-Schwaben eine Vorreiterrolle ein. In Deutschland liegt der Anteil bei 32 Prozent , EU-weit erst bei 28 Prozent.
 
Zum Jahresende speisten 71.130 (69.200) nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderte Anlagen – Wind und Sonne – insgesamt 3.3 (3.1) Mrd. Kilowattstunden Strom in das Netz der LEW-Gruppe ein. Es gingen insgesamt 1.760 (1.530) neuen Anlagen im Jahr 2016 ans Netz. 40 Prozent der neuen PV-Anlagen werden mittlerweile zusammen mit einem Batteriespeicher betrieben – Tendenz steigend. Zum Jahresende 2016 hingen bereits 1540 (790) Batteriespeicher mit einer durchschnittlichen Kapazität von 5.9 KWh am Netz. Seit 2014 hat der jährliche Zuwachs verdoppelt. Und mittels moderner Technologien soll es gesteuert werden.

Fazit: Kein Stück aus der Hand geben

Als dezentraler, regionaler Energieversorger mit Fokus auf Erneuerbare Energien eilt die Lechwerke AG von Erfolg zu Erfolg. Sie ist heute so aufgestellt, wie es die großen Versorger RWE oder E.on gerne wären, die vor kurzem das zukunftsfähige Geschäft in ihren Töchtern Innogy bzw. Uniper gebündelt haben. An der Bilanz der Augsburger gibt es wie gewohnt nichts auszusetzen, die Finanzanlagen knackten per 31.12.2016 die Milliardenschwelle und markierten mit 1.05 Mrd. Euro ein neues Rekordniveau. Insgesamt bleiben wir bei unserem Rat: Kein Stück aus der Hand geben, lieber Abwarten, Tee trinken und bei der Stange bleiben. Schließlich wird das Investment mit einer Dividendenrendite von 3.7 % versüßt.
Die Redakteure des Nebenwerte Journals begleiten die m:access-Analystenkonferenzen und berichten regelmäßig über die Unternehmen des Mittelstandssegments der Börse München. In m:access sind derzeit mehr als 50 Unternehmen gelistet, die das breite Spektrum des deutschen Mittelstandes reflektieren. Carsten Stern ist Chefredakteur des Nebenwerte Journals.
Dieser Artikel erschien zuerst im Nebenwerte Journal 04/2017.

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