Deutsches Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent erwartet

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April erneut unerwartet deutlich verbessert. Das ifo Geschäftsklima stieg auf 112,9 Punkte, ein Wert, der zuletzt im Sommer 2011 erreicht worden war. Nach der starken Stimmungsaufhellung im März ist nur eine leichte Verbesserung erwartet worden. Grund für die aktuelle gute Einschätzung ist aber vor allem die nochmals positivere Bewertung der aktuellen Lage. Dieser Teil-Index stieg um 0,6 Punkte auf 121,1 Zähler. Die Geschäftsperspektiven für die nächsten sechs Monate beurteilten die Unternehmen dagegen weniger optimistisch. Dieser Teil-Index verringerte sich um 0,5 Punkte auf 105,2 Zähler. Hier hatte die Konsensmeinung eine leichte Aufhellung erwartet.

Positiver Konjunkturausblick

Der Konjunkturausblick für die deutsche Wirtschaft bleibt positiv. Globale Konjunkturindikatoren wie die jüngsten Einkaufsmanager-Indizes der Euro-Zone und Chinas, ebenso wie die aktuelle Dynamik des Welthandels bestätigen die Einschätzung eines sich beschleunigenden Weltwirtschaftswachstums. Zwar zeichnet sich eine mögliche Korrektur der Stimmungslage in den USA ab, doch dies sollte angesichts der anfänglich überzogenen Euphorie wegen Donald Trump und seiner Vorschläge zu Steuererleichterungen nicht überbetont werden. So sind die Rahmenbedingungen für den deutschen Export durchaus positiv und werden durch den weiterhin relativ schwachen Euro-Wechselkurs unterstützt. Die grundsätzlich gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft sollte somit eher weniger überraschen. Außerdem stärkt die anhaltende Dynamik des privaten Konsums die Wachstumsperspektiven. Bereits 2016 hatte der private Konsum den größten Wachstumsbeitrag aller Nachfragekomponenten geleistet. In diesem Jahr sollte die anziehende globale Konjunktur zusätzlich den Export stärken. Konsum und Export sollten dafür sorgen, dass im Verlauf von 2017/18 Investitionen – insbesondere für den Kapazitätsausbau – an Dynamik zulegen sollten.

ifo Index mit hoher Aussagekraft für BIP-Wachstum

Da der ifo Index von allen Frühindikatoren die höchste Aussagekraft hinsichtlich des zu erwartenden BIP-Wachstums hat, bestätigt die erneute Aufhellung trotz anhaltender Unsicherheiten eine robuste deutsche Wachstumsdynamik. Die hohe Erklärungskraft des ifo Geschäftsklima gilt allerdings nur für die kurzfristige BIP-Entwicklung, vor allem der des Folgequartals. So gibt der ifo Index von April 2017 eine erste Indikation über den möglichen BIP-Verlauf für das dritte Quartal. Abbildung 3 zeigt die BIP-Wachstumspanne, die auf Basis des ifo Index für das erste, zweite und dritte Quartal zu erwarten wäre (eigentliche BIP-Zahlen für das erste Quartal werden im Mai 2017 veröffentlicht). Auch wenn für das zweite Quartal erst die April-Daten des ifo Instituts zur Verfügung stehen, stützt der jüngste Wert die Einschätzung, dass die positive Konjunkturdynamik im Verlauf von 2017 halten könnte. Auf Grundlage der globalen Konjunkturaussichten sowie der deutschen Konjunkturindikatoren und des ifo Geschäftsklimas revidiert die IKB ihre Wachstumsprognose leicht nach oben und erwartet 2017 ein kalenderbereinigtes BIP-Wachstum von 1,8 Prozent.

Fazit: Stimmung auf Höhenflug

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft befindet sich im Höhenflug. Grundsätzlich ist dies angesichts der guten Binnennachfrage, der anziehenden globalen und europäischen Konjunkturdynamik nicht völlig überraschend, auch wenn die Unsicherheit über die zukünftige politische Gestaltung Europas weiterhin die Ausrüstungsinvestitionen belasten könnte. Das anhaltend gute ifo Geschäftsklima bestätigt den positiven Wachstumsausblick. Aktuell erwartet die IKB für 2017 ein kalenderbereinigtes BIP-Wachstum von 1,8 Prozent.
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.