Angst ist kein Dauerzustand

Mark Dowding, BlueBay
Mark Dowding / Bild: BlueBay
Die Erkenntnis, dass Europa und die USA sich angesichts der anhaltenden Ausbreitung von Covid-19 monatelang auf wirtschaftliche Beeinträchtigungen und erhebliche soziale Kosten einstellen müssen, brachte die Finanzmärkte in der vergangenen Woche weiter unter extremen Druck. Obwohl die aktuellen Abverkäufe noch nicht die Dimension der Finanzkrise von 2008 erreicht haben, überrascht doch das Tempo der Entwicklung. Aufgrund dieser rasanten Entwicklung war es auch kaum möglich, rechtzeitig Risiken abzubauen, so dass zahlreiche Stopp-Loss-Trigger ausgelöst wurden und die Preise mancher Assets dramatisch gefallen sind.

Ende der Abwärtsspirale noch nicht in Sicht

Diese Abwärtsspirale wird wohl erst gestoppt werden, wenn die Zahl der Neuinfektionen und damit auch der Todesfälle durch das Corona-Virus zurückgeht. Aktuell sehen wir aber eher ein weiteres Ansteigen der Zahlen als unvermeidbar an.
 
Hilfreich dürften die neuen Initiativen der Europäischen Zentralbank sein, die bereit ist, weitere Milliarden in Anleihekäufe zu investieren. Damit dürfte es der EZB gelingen, die Renditen der Staatsanleihen in der gesamten Eurozone unter Kontrolle zu halten. Dies dürfte die Volatilität reduzieren und letztlich auch Unternehmensanleihen und Finanzinstituten in der Region zugutekommen.

Das Corona-Virus bestimmt die Märkte

Wenn wir uns umsehen, ist das Corona-Virus derzeit das einzige, was die Situation an den Märkten bestimmt. Angst ist jedoch kein Dauerzustand – weder an den Märkten, noch allgemein im Leben. Wir befinden uns in einer Übergangsphase und werden zur Normalität zurückkehren. Fraglich ist nur, ob diese Erholung in drei oder 12 Monaten stattfinden wird.
 
Sicherlich ist es mittlerweile aber viel zu spät, um über eine Risikominderung nachzudenken. Die nächste Aktion sollte also ein Kauf sein – wenngleich zunächst in liquiden Instrumenten. Die Erfahrung zeigt, dass der beste Zeitpunkt zum Kaufen dann ist, wenn andere in Panik verkaufen, und obwohl wir bei der Verwaltung des Gesamtportfolio-Risikos vorsichtig sind, werden wir diese Gelegenheit auch nutzen wollen, sobald sie sich bietet.
Mark Dowding ist Partner und Chief Investment Officer von BlueBay. Er verfügt über mehr als 24 Jahre Erfahrung als Anleger im makroökonomischen Fixed-Income-Umfeld und ist seit 2010 Senior Portfolio Manager bei BlueBay. Vor seiner Tätigkeit bei BlueBay war Mark Leiter Fixed Income in Europa bei der Deutschen Asset Management (jetzt DWS), eine Position, die er zuvor auch bei Invesco innehatte. Mark begann seine Karriere 1993 als Portfoliomanager für festverzinsliche Wertpapiere bei Morgan Grenfell. Er besitzt einen Bachelor of Science (Hons) in Wirtschaftswissenschaften von der University of Warwick.