Einkaufsmanagerindizes signalisieren keine konjunkturelle Beschleunigung

Martin Huber, Deutsche Bank
Martin Huber / Bild: Deutsche Bank
Dass die EWU und Deutschland noch nicht aus der Wachstumsschwäche heraus sind spiegelt sich in den jüngst veröffentlichten Stimmungsindikatoren wider, obwohl im 1. Quartal BIP-Zuwächse um  0,4 Prozent erzielt wurden. Die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe gaben im Mai leicht nach (D: 44,3 nach 44,4 Punkten; EWU: 47,7 nach 47,9 Punkten) und liegen beide weiterhin unterhalb der Expansionsschwelle. Auch die Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen sanken (D: 55,0 nach 55,7 Punkten; EWU: 52,5 nach 52,8 Punkten), diese sind jedoch weiterhin über der Expansionsschwelle und deuten somit auf Wachstum des Sektors hin. Insgesamt sind die Stimmungsindikatoren nicht zu negativ zu bewerten, aber genauso wenig weisen sie auf eine bevorstehende konjunkturelle Beschleunigung hin. Der ifo-Geschäftsklimaindex bietet ein ähnliches Fazit.

Renten: Anhaltende Risikoaversion

Die momentan hohe politische Unsicherheit, getrieben durch die drohende Eskalation der Handelskonflikte sowie dem ungeklärten Brexit, führt zu einer anhaltenden Risikoaversion der Marktteilnehmer. Zusammen mit den zuletzt veröffentlichten Stimmungsindikatoren ließen sie die Nachfrage nach als sicher angesehenen Staatsanleihen steigen. Die im Wochenverlauf gestiegene Nachfrage ließ die Kurse steigen und die Renditen sinken. 10-jährige US-Staatsanleihen fielen um 6 Basispunkte auf 2,33 Prozent und somit auf das niedrigste Renditeniveau seit Dezember 2017. Ihre deutschen Pendants fielen um 2 Basispunkte auf -0,12 Prozent.

Aktien: Wann einigen sich die USA und China?

Die jüngste Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt belastete die Börsen-stimmung weltweit. Die US-Regierung sanktionierte das chinesische Technologieunternehmen Huawei. In Zukunft dürfen US-Unternehmen nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung der US-Regierung geschäftliche Beziehungen zu Huawei pflegen. Zwar gewährt die US-Regierung einen Sanktionsaufschub von 90 Tagen, zahlreiche US-Unternehmen kündigten jedoch schon entsprechende Maßnahmen an. Die Sanktionen treffen nicht nur Huawei sondern auch dessen amerikanische Zulieferer, welche mit Inkrafttreten der Sanktion künftig weder Soft- noch Hardware an Huawei liefern dürfen. Die Hoffnung auf eine baldige Einigung der zwei größten Volkswirtschaften der Welt nimmt ab, was zu einer steigenden Risikoaversion führt. In Europa lasten die zuletzt veröffentlichten Stimmungsindikatoren zusätzlich auf den Aktienmärkten.

Rohstoffe: Stützungskäufe für türkische Lira

Der Ölpreis blieb über das Wochenende und zu Beginn der Woche stabil. Nachdem das amerikanische Energieministerium aber seine wöchentlichen Lagerdaten bekanntgab, ging es bergab. Diese zeigten, dass die US-Lagerbestände auf den höchsten Stand seit Mitte 2017 angestiegen sind. In Kombination mit bereits bestehenden Sorgen um eine schwächere Rohölnachfrage aufgrund des Handelsstreits und der schwächelnden Weltkonjunktur führte dies zu einer kräftigen Preiskorrektur nach unten.

Was bringt die Woche?

Die Europawahl ist schon gestartet und soll am 26. März abgeschlossen sein. Der Wahlausgang dürfte große Auswirkungen auf die zukünftige Europapolitik haben. Spannend dürfte zudem das Treffen der für den Handel zuständigen EU-Minister in Brüssel sein. Potenzielle US-Autozölle könnten thematisiert werden. Für Anleger in Europa wird die Veröffentlichung von BIP-Zahlen und Verbraucherpreisen verschiedener Staaten für das 1. Quartal äußerst wichtig sein. Des Weiteren reist US-Vizepräsident Pence nach Kanada mit dem Ziel die Ratifizierung des neu ausgehandelten Handelsabkommen USMCA voranzubringen.
Martin Huber ist Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Süd der Deutschen Bank.

Gemäß Aussagen des US-Energie-ministeriums am Mittwoch, sind die Rohöl-Lagerbestände in den USA in der vergangenen Woche um 3,3 auf 463,2 Mio. Barrel (1 Fass = 159 l) gesunken, wodurch sich der Preis für Rohöl leicht verbesserte. So stieg beispielsweise der Preis für die US-amerikanische Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) zwischenzeitlich auf 48,40 USD pro Barrel an. Durch die Tatsache, dass jedoch die US-Produktion abermals recht deutlich zulegte, wurde die Aufwärtsbewegung des Ölpreises gestoppt. Auf Wochensicht haben die Ölpreise um 1,5% nachgegeben.
Gemäß Aussagen des US-Energie-ministeriums am Mittwoch, sind die Rohöl-Lagerbestände in den USA in der vergangenen Woche um 3,3 auf 463,2 Mio. Barrel (1 Fass = 159 l) gesunken, wodurch sich der Preis für Rohöl leicht verbesserte. So stieg beispielsweise der Preis für die US-amerikanische Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) zwischenzeitlich auf 48,40 USD pro Barrel an. Durch die Tatsache, dass jedoch die US-Produktion abermals recht deutlich zulegte, wurde die Aufwärtsbewegung des Ölpreises gestoppt. Auf Wochensicht haben die Ölpreise um 1,5% nachgegeben.