Japans Aktienmarkt: Regulierung ausländischer Anleger weniger streng als befürchtet

John Vail, Nikko AM
John Vail / Bild: Nikko AM
Ende letzten Jahres verabschiedete das japanische Parlament eine Regelverschärfung für ausländische Investoren (FEFTA). Wer von ihnen in mehr als einem Prozent der ausstehenden Aktien eines Unternehmens investieren will, das für die nationale Sicherheit Japans Bedeutung hat, muss sich ab Mai eine Erlaubnis einholen. Derzeit gilt ein Schwellenwert von zehn Prozent.

Die Regelungen im Überblick

Wir halten die geplanten Regelungen für weit weniger dramatisch als ursprünglich befürchtet:
  • Finanz- und Wirtschaftsministerium haben auf die Bedenken vieler Anleger reagiert. Sie haben sehr deutlich gemacht, dass es ihnen nicht darum geht, die Aktivitäten ausländischer Investoren zu beschneiden, außer in sehr klaren Fällen der nationalen Sicherheit. Alle Investmentgesellschaften, die von einer großen nationalen Aufsichtsbehörde ähnlich derer in den USA und Europa reguliert werden, sind von der Regel ausgenommen. Das Gleiche gilt für regulierte Banken, Versicherungen und sogar Hochfrequenzhändler.
  • Ursprünglich wurde befürchtet, ausländische Investmentmanager dürften keinen Druck mehr auf Unternehmen und ihr Management ausüben. Die Regulierer zielen jedoch nur auf Vorstandsberufungen sowie die Ausrichtung von Schlüsselbereichen von sicherheitsrelevanten Unternehmen. Außerdem ist der Zugriff auf nicht veröffentlichte Informationen zur nationalen Sicherheit verboten. Ausländische Manager, auf die die Regeln Anwendung finden, müssen lediglich ein einfaches Formular einreichen und können innerhalb von fünf Werktagen mit einer Entscheidung rechnen.
  • Staatsfonds und ausländische öffentliche Pensionsfonds müssen, da sie womöglich nicht von der Regel ausgenommen sind, nachweisen, dass ihre Anlageentscheidungen unabhängig von ihren Regierungen getroffen werden. Alternativ kann ein von der Regel ausgenommener Vermögensverwalter (heimische Unternehmen eingeschlossen) ihre Stimmrechte ausüben. Das Gleiche gilt für ausländische Stiftungen. Möglich ist aber auch, dass ausgewählte Pensionsfonds und Stiftungen in vollem Umfang von den Regeln befreit werden.
  • In den kommenden Monaten wird eine Liste der Unternehmen veröffentlicht, die Relevanz für die nationale Sicherheit haben. Diese Liste dürfte kurz ausfallen, wird aber sehr wahrscheinlich auch die öffentlichen Versorgungsunternehmen umfassen. Einige davon sind so große Unternehmen, dass wahrscheinlich nur sehr wenige ausländische Vermögensverwalter (wenn sie nicht ohnehin ausgenommen sind) über die Meldeschwelle von einem Prozent vorstoßen könnten.
  • Dass inzwischen viele Länder nationale Sicherheitsvorschriften verabschieden, oft ermutigt durch die nationalen Sicherheitsbehörden der USA, ist in vielerlei Hinsicht eine bedauerliche Entwicklung. Glücklicherweise scheint die Umsetzung in Japan verglichen mit den anfänglichen Bedenken der Investoren eher mild auszufallen und nur in extremen Fällen Anwendung zu finden. Bemerkenswert ist auch, dass die einschlägigen nationalen Sicherheitsvorschriften in den USA viel weniger klar sind als die in Japan und den Regulierungsbehörden dort einen weiten Ermessensspielraum einräumen. Auch in vielen anderen Ländern führen die nationalen Sicherheitsregelungen zu häufig recht willkürlichen Entscheidungen.
  • Die Fähigkeit ausländischer Investoren, auf japanische Unternehmen Einfluss zu nehmen, bleibt bis auf wenige klar definierte Ausnahmen sehr ausgeprägt. Außerdem sollte man nicht verkennen, dass sich japanische Investoren, sowohl institutionelle als auch die aktivistischeren, voll und ganz dafür einsetzen, die Corporate Governance in den Unternehmen zu verbessern.
Die Ungewissheiten rund um FEFTA dürften sehr bald abnehmen. Die Zahl der Anleger, die sich aus diesem Grund mit einem Investment in japanische Aktien zurückhalten, dürfte schrumpfen. Entsprechend sollte sich die positive Stimmung für den Markt ausweiten.
John Vail ist Chief Global Strategist von Nikko Asset Management