Der Januar war nur ein Vorgeschmack – 2020 wird kein leichtes Aktienjahr

Thomas Metzger, Bankhaus Bauer
Thomas Metzger / Bild: Bankhaus Bauer
Der DAX hat plötzlich wieder die Allzeithochs im Visier. Angesichts einer immer noch dynamisch steigenden Anzahl an Personen, die mit dem neuen Corona-Virus infiziert sind und der entsprechend negativen Auswirkungen der Situation nicht nur auf die chinesische Wirtschaft, reibt man sich doch etwas verwundert die Augen. Es steckt wohl viel Hoffnung in den Notierungen, dass demnächst die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus greifen oder gar ein wirksames Medikament gefunden wird. Entsprechend hoch scheint das Enttäuschungspotenzial und damit die Fallhöhe des Marktes zu sein. Zumindest wer investiert ist, sollte daher den Kursen nicht mehr hinterherlaufen.

2019 war für Anleger ein gutes Jahr – aber nur auf den ersten Blick einfach

Im Nachhinein betrachtet schienen die letzten Monate bzw. 2019 sehr einfach gewesen zu sein. Es ließ sich ja nicht nur mit Aktien sondern mit fast allen Anlageklassen etwas verdienen. Man darf aber nicht vergessen, dass angesichts des sehr schwachen Jahres 2018, des Handelskrieges zwischen China und den USA sowie des Brexit-Chaos und zuletzt der extremen Spannungen zwischen Amerika und dem Iran schon eine gehörige Portion Mut dazu gehörte, gerade in Aktien investiert zu bleiben.
 
Auch in Zukunft wird man wohl um Dividendentitel totz der in der Tat recht hohen Bewertung keinen Bogen machen können, um einigermaßen auskömmliche Renditen zu erzielen. Aktien sind zwar aktuell im Vergleich zur eigenen Historie nicht mehr billig, aber relativ zu vielen anderen Anlagekategorien, gerade zum teuren Rentenmarkt, attraktiv. Die nach wie vor expansive Politik der Notenbanken und die zwar verbesserte aber angesichts der Bedrohung durch den neuen Corona-Virus keineswegs euphorische Stimmung der Anleger, sind für uns weitere Argumente die für Aktien sprechen. Investoren sollten sich aber im klaren darüber sein, dass sich die Kursgewinne des Jahres 2019 nicht so ohne weiteres wiederholen lassen und auf den hohen Niveaus Rückschläge durchaus heftiger ausfallen können. Man muss also schon eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen, um zu investieren.

Kein dynamisches Wachstum zu erwarten – aber Licht am Ende des Tunnels

Wir sehen ganz gute Chancen, dass sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen langsam aufhellen und die Talsohle erreicht wurde. Ein dynamisches Wachstum ist zwar nicht zu erwarten, insgesamt dürfte sich die Weltwirtschaft aber stabilisieren. Bei wichtigen Themen wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China oder dem Brexit, hat sich die Situation zuletzt entspannt. Wichtig war, dass sich die Streithähne aus Washington und Peking nun zumindest auf ein erstes Abkommen einigen konnten und neue Zölle damit erstmal vom Tisch sind. Insgesamt sollte die wieder leicht anziehende Konjunktur dann auch für steigende Unternehmensgewinne sorgen. Gerade im DAX konnten in den letzten beiden Jahren die Gewinne im Schnitt nicht erhöht werden, was in Kombination mit der dynamischen Kursbewegung in 2019 wie bereits angedeutet die Bewertung nach oben getrieben hat. Insofern sind steigende Gewinne nun eine wichtige Basis für weiter laufende Börsen.

Leichte Übergewichtung in Aktien derzeit ausreichend

Entsprechend unserer positiven Meinung zu Aktien bzw. unseres geschilderten konstruktiven Makro-Bildes sind wir in allen unseren Modellen zumindest mit einer neutralen Aktienquote aufgestellt, teilweise schon seit einiger Zeit deutlich übergewichtet. Wir erarbeiten dabei für alle unsere Lösungen die Allokation der einzelnen Anlageklassen top down-orientiert durch einen global macro-Ansatz. Bottom up stellen wir unseren Investoren zwei Vorgehensweisen zur Verfügung. Zum einen arbeiten wir mit picks überwiegend aus dem europäischen und amerikanischen Aktien- und Renten-Einzeltitelbereich. Hier haben wir schon länger ein hohes Gewicht in Technologietiteln. In einem weiteren Modell selektieren wir keine Einzeltitel sondern Strategien in den einzelnen Asset Klassen. In diesem Ansatz spielen derzeit z.B. Emerging Markets eine wichtige Rolle.
Thomas Metzger (41) ist seit 12 Jahren Leiter Vermögensverwaltung beim Stuttgarter Bankhaus Bauer. Bereits zuvor war er im Portfolio Management, Wertpapierhandel und Aktien-Research sowie für mehrere Banken in den USA tätig. Zusätzlich doziert er an mehreren Hochschulen zu den Themengebieten Portfolio Management und derivative Finanzinstrumente. Bei einem breiten Publikum hat sich Metzger durch seine zahlreichen TV-Interviews, Fachbeiträge etc. einen Namen als Investmentspezialist gemacht.

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