Davos-Kommentar: Wir brauchen eine Klimapartnerschaft

Carola van Lamoen und Sylvia van Waweren, Robeco
Carola van Lamoen und Sylvia van Waweren / Bild: Robeco
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nimmt das Thema Emissionsreduzierung breiten Raum ein. Wir erläutern anlässlich des Wirtschaftstreffens, wie Investoren und Unternehmen zusammenarbeiten sollten, um Klimaschutzziele zu erreichen. Impulse liefert unser dreijähriges Engagement-Programm mit elf börsennotierten Öl- und Gasunternehmen. Ein Plädoyer für gemeinsame Initiativen, wenn es bei der Dekarbonisierung des Energiesektors echte Fortschritte geben soll.
Das zentrale Thema, das in Davos diskutiert werden soll, lautet: „Wie können die drängenden Herausforderungen in Bezug auf Klima und Umwelt, die unserer Natur und Wirtschaft schaden, bewältigt werden?“ Geht es um Klima- und Umweltfragen, vertreten wir klare Standpunkte: Mehr Zusammenarbeit, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Kooperation zwischen Unternehmensvorständen und Investoren, um CO2-Emissionen zu verringern. Und von Investoren ins Leben gerufene Initiativen wie Climate Action 100+ lohnen.

Sieben Öl- und Gasunternehmen machen Fortschritte bei Engagement-Zielen

Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, gilt es als unverzichtbar, die Welt bis 2050 klimaneutral zu gestalten, also die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Im Vordergrund steht dabei die Verringerung von CO2-Emissionen durch Öl- und Gasunternehmen beim Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbarer, CO2-neutraler Energie.
 
Robeco hatte mit elf börsennotierten Öl- und Gasunternehmen ein dreijähriges Programm zur aktiven Einflussnahme vereinbart, das 2019 beendet wurde. Dieses Programm richtete sich an elf Öl- und Gasunternehmen, die zusammen ein Viertel des weltweiten Öl- und ein Fünftel des weltweiten Gasangebots bereitstellen. In diesen drei Jahren aktiver Einflussnahme hat unsere Zusammenarbeit mit Öl- und Gasunternehmen im Allgemeinen positive Ergebnisse hervorgebracht, so das Fazit. Bei den elf Unternehmen waren wir gemessen an ihrem Fortschritt bezüglich der zu Beginn der aktiven Einflussnahme formulierten Ziele in sieben Fällen erfolgreich. Das entspricht einer Erfolgsquote von 64 Prozent.

Eindrucksvoller Erfolg bei Shell

Die aktive Einflussnahme war Teil der Zusammenarbeit im Rahmen der Climate Action 100+-Initiative, einem Zusammenschluss von über 370 Investoren mit einem insgesamt verwalteten Vermögen von über 35 Billionen US-Dollar. Durch diese im Dezember 2017 ins Leben gerufene Initiative wurden über 100 Unternehmen identifiziert, die am meisten CO2 emittieren, darunter die größten Öl- und Gaskonzerne.
 
Im Dezember 2018 erreichte die Initiative einen eindrucksvollen Erfolg: Shell verpflichtete sich, kurzfristige Ziele für seine CO2-Emissionen, einschließlich der Emissionen von genutzten Produkten, festzulegen. Zudem gab das Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen bekannt, dass die Bezahlung seiner Führungskräfte zum ersten Mal an die Erreichung dieser Ziele geknüpft wird. Federführend bei der aktiven Einflussnahme auf Shell waren Robeco und der Church of England Pensions Board.
 
Das Beispiel Shell zeigt, wie wichtig es ist, Partnerschaften mit den Unternehmen, die ihren CO2-Ausstoß verringern müssen, und mit anderen Investoren zu gründen. Initiativen wie Climate Action 100+ haben den Grundstein für bisher nicht da gewesene Partnerschaften gelegt, die wir in Zukunft in Sektoren mit hohen CO2-Emissionen benötigen werden. Hierzu zählen insbesondere die Automobil-, Schifffahrts- und Energie- sowie die Stahlindustrie.

Partnerschaften zwischen öffentlichem und privatem Sektor

Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist selbst eine Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Sektor, bei der im Januar jedes Jahres Vertreter der größten Unternehmen der Welt in dem Schweizer Wintersportort zusammenkommen, um über Themen von globaler Bedeutung zu sprechen. Dieses Jahr diskutieren die teilnehmenden Unternehmenslenker insbesondere Themen wie Nachhaltigkeit, die „vierte industrielle Revolution“ sowie demographische und gesellschaftliche Entwicklungen, die unternehmerische Tätigkeit verändern.
 
Investoren können auf den 2019 durch Zusammenarbeit erreichten Erfolgen aufbauen, die drei wichtige Schritte nach vorn aufgezeigt haben. Der erste und wichtigste Schritt war die feste Einrichtung eines übergreifenden Partnerschaftsmodells, um ehrgeizige Veränderungen herbeizuführen. Die Climate Action 100+-Initiative hat hier gezeigt, was durch Zusammenarbeit erreicht werden kann.
 
Der zweite Schritt war ein Konzept, um die Geschäftsmodelle von Unternehmen mit dem Pariser Abkommen in Einklang zu bringen. Unterstützt wurde dies durch Organisationen wie die Transition Pathway Initiative, die CO2-Emissionen untersucht. Drittens hat sich die Aufmerksamkeit, was sehr logisch ist, von der Energiebereitstellung zum Energieverbrauch verlagert, weil viele Lösungen zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei der Energienutzung durch die Verbraucher ansetzen. Ein Beispiel sind CO2-intensive Branchen wie das Transportwesen.

Wir brauchen größeren Ehrgeiz

2020 können Investoren und Unternehmen auf diesem Erfolg aufbauen. 2019 stellte zwar in Bezug auf die aufkommende Praxis und die veränderte Haltung und Auffassung von Investoren einen Wendepunkt dar. Wir haben aber noch nicht das Maß an Ehrgeiz, das wir brauchen, um erfolgreich zu sein. Deshalb muss 2020 das Jahr sein, in dem eine neue Partnerschaft zwischen Unternehmensvorständen und institutionellen Investoren zustande kommt. Es sollte eine Partnerschaft sein, die auf systemischen Veränderungen und praktischen Resultaten basiert und entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie über alle Assetklassen hinweg funktionieren kann, um für die Automobil-, Schifffahrts-, Stahl- und Zementindustrie – um nur einige zu nennen – Wege zur Klimaneutralität zu entwickeln.
 
Wir erwarten, dass auf Regierungsebene die national festgelegten Beiträge, also die von einzelnen Ländern im Pariser Abkommen zugesagte Reduzierung von CO2-Emissionen, auf der Tagesordnung weiter nach oben rücken werden. Viele Regierungen – auch die der Niederlande, in denen Robeco seinen Sitz hat – haben sich bereits solche Ziele gesetzt. Und auch einige Unternehmen formulieren eigene Beiträge, um auf ähnliche Weise bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen – das neue Schlagwort im Sustainable Investing.
Carola von Lamoen ist Leiterin des Active Ownership-Teams, Sylvia van Waveren Voting-Spezialistin von Robeco.

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