Unsicher, aber chancenreich - die Weltwirtschaft 2020

John Vail, Nikko AM
John Vail / Bild: Nikko AM
Trotz aller Unsicherheit rund um die Welt leben wir, aus Sicht früherer Generationen betrachtet, in vergleichsweise ruhigen und wohlhabenden Zeiten. Die Erwartung einer niedrigen Inflation bei Waren- und Dienstleistungen hält die Zinssätze niedrig und macht so hohe Staats- und Unternehmensschulden beherrschbar. Gleichzeitig halten neue Technologien und harte Arbeit die globale Produktivität hoch (wahrscheinlich viel höher als die offiziellen Statistiken vermuten lassen) und stützen somit sowohl Unternehmensgewinne als auch die Lebensgrundlage der Menschen.
Investoren müssen sich weder im Keller verstecken noch am Lagerfeuer sitzen und fröhliche Lieder anstimmen. Langfristig orientierte Anleger sollten im Jahr 2020 Aktien der entwickelten Märkte ins Auge fassen und im Gegenzug Staatsanleihen aus den drei größten Volkswirtschaften unterbetonen.

Prognosen für 2020

Wir prognostizieren für den größten Teil des Jahres 2020 immerhin moderate Zugewinne an den wichtigen globalen Aktienmärkten, sowohl in US-Dollar als auch in lokaler Währung:
 
Aktienmarktprognosen für Ende September 2020
  • S&P 500-Index: 3.289
  • Euro Stoxx: 430
  • TOPIX: 1.757
  • MSCI Developed Pacific-ex Japan: 9.670
An den drei Anleihemärkten USA, Euroland und Japan dürften die Anleiherenditen sehr moderat steigen und die Währungen relativ unverändert bleiben, da die jeweiligen Zentralbanken aufgrund des nur mäßig stabilen Wirtschaftswachstums bis September stillhalten sollten.

Prognose BIP-Wachstum 2020

  • USA: 1,8 Prozent
  • Eurozone 1,0Prozent
  • China 5,7 Prozent
  • Japan 0,3 Prozent
Insbesondere für Japan ist das BIP-Wachstum jedoch nicht der einzige wichtige Faktor. Dank Verbesserungen in der Unternehmensführung, einschließlich steigender Dividenden und Aktienrückkäufe, sollten die Unternehmensgewinne viel besser ausfallen als erwartet, zumal der globale Technologiezyklus und die chinesische Wirtschaft sich erholen.
 
Ebenfalls auf dem Wege der Besserung befinden sich die USA und China bei ihrem Bemühen um einen Handelskompromiss und der Technologiesektor dank erhöhter 5G-Investitionen und einer Erholung der Cloud-Server-Nachfrage. In jüngster Zeit scheint zudem China bereit zu sein, seine Wirtschaft in größerem Maße zu stützen. Und mehrere geopolitische Unsicherheiten, einschließlich des Brexit, wirken inzwischen weniger beängstigend.

Die US-Wahl als große Unbekannte

Die große Unbekannte ist die US-Wahl im November. Hier scheint der Markt viel zu zuversichtlich zu sein, dass kein Anti-Business-Präsident den Amtsinhaber ablösen wird. Wir möchten hier nicht Partei ergreifen, aber der Aktienmarkt wird dies sicherlich tun. Und selbst wenn ein gemäßigter Demokrat die Präsidentschaft gewinnt und der Kongress gespalten bleibt, kann er oder sie vieles per Verfügungen und Regulierungen tun, was die Unternehmen viel weniger profitabel macht.
 
Auch die Prognosen für das Wirtschaftswachstum dürften zurückgehen. Selbst ein gemäßigter demokratischer Präsident stünde stark unter dem Einfluss „sozialistischer“ Tendenzen in seiner Partei, zumal deren Wortführer wahrscheinlich wichtige Kabinettspositionen übernehmen würden. Derzeit hat Trump womöglich einen gewissen Vorteil, doch fast täglich gibt es neue politische Informationen, die wichtige unabhängige Wähler in den Swing States umstimmen könnten. Angesichts der zahlreichen internationalen Unsicherheiten scheint es nicht klug, überschwänglich in die Zukunft zu sehen.

Es gibt Ursachen für Überschwänglichkeit

Es gibt jedoch einzelne Unternehmen, Investitionsthemen und Länder, die diese Überschwänglichkeit verdienen. Einige dieser Themen haben mit Hightech zu tun. Es besteht kein Zweifel daran, dass sich aus raschen technologischen Fortschritten neue Wachstumschancen ergeben. Für so manche Technologie, die wir heute für selbstverständlich halten, liegen noch viele Anwendungsbereiche in der Zukunft. Und leicht erhältliche Supercomputer-Power ermöglicht es der wissenschaftlichen Forschung, neue Lösungen vielleicht auch für einige der ärgerlichsten Probleme der Welt zu finden, zum Beispiel im Bereich Umwelt und Abfallvermeidung. Viele andere Möglichkeiten finden Antworten auf den steigenden Lebensstil der aufstrebenden Welt oder auf die sich verändernden Usancen der jüngeren Generationen.
 
Darüber hinaus gibt es zahlreiche "Special Situation"-Aktien, bei denen das Management ihre Gewinne und Dividenden durch eine bessere Corporate Governance deutlich verbessert.
John Vail ist Chief Global Strategist von Nikko Asset Management

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