Die freie Finanzberatung ist gut aufgestellt

Karsten Kehl, Marc Sattler und Dr. Frank Ulbricht, Bank für Vermögen (BfV)
Karsten Kehl und Dr. Frank Ulbricht, Bild: Bank für Vermögen (BfV)
Freie Finanzberater dürfen mit Zuversicht in das kommende Jahr gehen. In einem durch die weiter zunehmende Regulierung geprägten Umfeld sieht die Bank für Vermögen (BfV) die freie Finanzberatung gut aufgestellt, um das ohne Zweifel vorhandene Beratungs- und Vertriebspotenzial im Markt nutzen zu können.
 
Die neue Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) und das BaFin-Regime zur 34f-Regulierung werden die freien Finanzberater auch im kommenden Jahr beschäftigen. Es gibt zwar für die Branche mittlerweile etwas mehr Planungssicherheit, da die gesetzlichen Rahmenbedingungen etwas klarer sind und wesentliche Regulierungsschritte erst einmal vollzogen wurden. Die schrittweise Umsetzung im kommenden Jahr wird aber für die Berater mit erheblichen Verwaltungsaufwänden und -kosten verbunden sein. Es bleibt daher spannend, denn wir haben jetzt zwar einige Konkretisierungen, aber noch keine Gewissheit über die anfallenden Kosten. Die im Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums erwähnten Vertriebsformen und -gesellschaften sind ebenfalls noch nicht genauer definiert, wodurch auch hier Ungewissheit bleibt.
 
Für die Vermittler wird 2020 ein sehr wichtiges Jahr werden. Im ersten Halbjahr gilt es, die Vorgaben der neuen FinVermV richtig und umfassend umzusetzen. Bis zum Sommer dürfte sich zudem auch das Gesetzgebungsverfahren zum BaFin-Regime weiter konkretisieren. Berater und Vermittler müssen sich dann darauf einstellen, ab der zweiten Jahreshälfte organisatorisch umzusetzen, was unter Zuständigkeit der BaFin abverlangt wird. Als Bank haben wir unsere Prozesse bereits seit 2018 so eingerichtet, dass die uns angeschlossenen Finanzberater diesen möglichen Änderungen gelassen entgegensehen können.

Entbürokratisierung als Appell in Richtung EU-Kommission

Zuletzt aufkommende Kritik an einzelnen Bestandteilen von MiFID II und FinVermV, lässt aber auch eine gewisse Deregulierung auf europäischer Ebene nicht gänzlich undenkbar erscheinen: Wir müssen jetzt erst einmal mit den neuen Rahmenbedingungen von MiFID II arbeiten, und das Umgesetzte nach einer gewissen Zeit sachlich und neutral evaluieren. Aber wenn ich einen aufrichtigen Wunsch an die neue EU-Kommission von Ursula von der Leyen richten dürfte, dann wäre es der nach einer Entbürokratisierung der immer komplexeren Vorschriften. Augenmaß bei der Regulierung ist angebracht, wie die in der öffentlichen Diskussion immer wieder angeführten Falschberatungen und die durch die Regierung nun implementierte Telefonaufzeichnung zeigt: Angesichts der Tatsache, dass das Telefonbrokerage bei den beanstandeten Falschberatungen keine so große Rolle spielt, sind die sehr dezidierten Vorgaben zur Telefonaufzeichnung für alle Finanzberater in diesem Umfang durchaus infrage zu stellen. Er sieht sein Haus aber auch in dieser Hinsicht gut aufgestellt, um freien Finanzberatern über die bereitgestellte Technologie eine regulierungskonforme Beratung zu ermöglichen.

ESG-konforme Geldanlage ist ein Beratungsthema

Die jüngst an Fahrt gewonnene breite gesellschaftliche Diskussion um den Klimaschutz wird im kommenden Jahr auch das Verhalten von institutionellen wie auch privaten Anlegern im Hinblick auf ihre Investments verändern. Für die Finanzbranche gewinnt dadurch der Aspekt des ESG-konformen Investierens eine immer größere Bedeutung. Im Grunde genommen ist die weltweite Klimadiskussion ein ausgezeichneter Anlass, um seine Kunden auf die Vermögensallokation anzusprechen und Aspekte wie die ESG-konforme Kapitalanlage in der Beratung zu erläutern. Allerdings kann man ESG und „grüne“ Investments nicht gleichsetzen. ESG ist natürlich viel breiter aufgestellt. Dennoch verfängt das Thema über das E für Environmental natürlich derzeit viel stärker als über die sozialen und die Governance-Aspekte.
 
Da institutionelle Investoren, Versicherungen und Pensionskassen schon seit einiger Zeit entsprechende Umschichtungen in ihren Portfolios vornehmen, sollten auch Privatanleger dazu beraten werden, um ihr Portfolio auf mögliche Auswirkungen durch ein verändertes Anlageverhalten zu überprüfen. Für Vermittler und Berater sieht Ulbricht hier erhebliche Chancen, um sich als qualifizierter Ansprechpartner ihrer Kunden zu empfehlen.
 
Wir beobachten in Beratung und Vertrieb, dass natürlich auch jüngere Menschen diesen Themen sehr zugewandt sind. Mittelfristig gehen wir davon aus, dass nahezu jeder Fonds mit einem ESG-Score nach dem Vorbild der schon jetzt bekannten Bonitäts-Ratings ausgestattet sein wird oder von Seiten der Regulierungsbehörden sogar sein muss. Fonds-Anlagen mit ESG-Footprint sind für institutionelle Anleger schon jetzt von hoher Bedeutung. Über kurz oder lang werden die überwiegende Mehrheit der Anlagen mit einem noch genauer zu definierenden ESG-Siegel ausgestattet sein.

Digitalisierung aus Berateralltag nicht mehr wegzudenken

Wie schon seit Jahren wird auch die Digitalisierung der Finanzbranche eine Thematik mit ständig wachsender Bedeutung bleiben. Allerdings ist hier zwischen der Digitalisierung von Arbeitsprozessen und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Berateralltag zu unterscheiden. Wir sehen für die KI durchaus interessante Entwicklungen im Bereich des Asset Managements. Die Anwendung von ausschließlich durch KI gesteuerten Beratungs- und Vertriebsleistungen im Finanzbereich steht eher noch am Anfang und kann keinesfalls den menschlichen Berater ersetzen.
 
Ganz anders ist die Situation, wenn es um die Anwendung digitaler Tools in der Finanzberatung geht. Es ist für unsere Berater und Vermittler ganz klar eine prozessuale Vereinfachung, auf solche Tools zurückgreifen zu können. Diese sind in der Lage, komplexe Beratungsvorgänge zu dokumentieren und Zusammenhänge zu visualisieren, und dadurch Beratungsprozesse weiter zu verbessern. Indem diese Systeme administrative Aufgaben übernehmen, verbleibt mehr Zeit für die persönliche Beratung des Kunden, die nach wie vor ein ganz wesentlicher Bestandteil der eigentlichen Entscheidungsfindung bei Finanzthemen ist.

Weiterer Bankenrückzug aus der Fläche birgt Potenzial

Der letztgenannte Aspekt ist mitverantwortlich dafür, dass sich der vermeintliche Trend zum Robo-Advisor und dem „Ich berate mich selbst“-Verbraucher wohl noch nicht durchgesetzt hat. Finanzthemen wie Altersvorsorge und Vermögensaufbau sind aus Sicht des Verbrauchers äußerst komplex. Kunden informieren sich zwar online. Bei ihrer Entscheidungsfindung vertrauen jedoch die meisten Verbraucher auf die persönliche Beratung durch einen freien Finanzberater oder den Berater einer Bank, die letzten Endes den Ausschlag gibt.
 
In einer Zeit, in der sich Filialbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken weiter aus der Fläche zurückziehen, liegen gerade hier Chancen für die freie Finanzberatung: Allein die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge sorgt für einen erheblichen Beratungsbedarf bei den Verbrauchern, und das auch in der Fläche. Als Finanzberater kann ich die Chance nutzen, und die offensichtliche Lücke, die seitens der Banken hinterlassen wird, zu schließen.

Einstieg in die freie Finanzberatung findet Unterstützung

Der Rückzug der Banken aus der Fläche hat für die BCA und die BfV zudem einen weiteren Effekt: Wir beobachten, dass viele ehemalige Mitarbeiter aus Banken und Sparkassen, die natürlich hervorragend qualifiziert sind, sich mit der Thematik der freien Finanzberatung auseinandersetzen. Beide Unternehmen unterstützen interessierte Berater dabei, den Weg in die freie Finanzberatung zu gehen und stehen diesen als Partner mit ihren Services und einem breiten Weiterbildungsprogramm zur Seite.
 
Wir sind überzeugt, dass wir auch im kommenden Jahr die Chancen der freien Finanzberatung trotz eines nicht immer einfachen und von zunehmender Regulierung geprägten Umfelds nutzen können. Wichtig wird es sein, einen Partner an seiner Seite zu haben, der dem freien Finanzberater über ausgereifte Beratungstools und ein hochwertiges Produktangebot eine langfristige zukunfts- und rechtssichere Beratung von hoher Qualität ermöglicht.
Die BfV ist eine 100-prozentige Tochter der BCA AG