Der Aktienmarkt preist die Konjunkturerholung ein

Dr. Bernd Meyer, Berenberg Privatbankiers
Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg Privatbankiers
Die Börsen haben weiter zugelegt, trotz anhaltend gemischter Konjunkturdaten und stockenden Handelsverhandlungen zwischen den USA und  China. Weiterhin recht defensiv positionierte Marktteilnehmer kaufen Aktien nach Rücksetzern am Markt, um auf die Rally noch aufzuspringen – das nährt die Rally. Zudem zwingt die starke Aktienmarktentwicklung Hedge Fonds zunehmend, ihre Short-Positionen  zu reduzieren.
 
Ein  marktfreundlicher  Ausgang  derWahl  in  Großbritannien – Umfragen sprechen für einen Wahlsieg von Boris Johnson – dürfte zum geordneten Brexit am 31.01.2020 führen und den Weg frei machen für ein umfassendes Fiskalpaket. Dies oder eine erste Einigung zwischen den USA und  China im Handelsstreit würde Aktien kurzfristig noch einmal beflügeln. Selbst bei sich deutlich erholenden Konjunkturdaten  könnte  es danach aber enger werden, denn der Aktienmarkt preist bereits eine merkliche Konjunkturerholung ein. Die Bewertungen sind mittlerweile recht ambitioniert und die Konjunkturerholung dürfte wenig dynamisch ausfallen.

Kurzfristiger Ausblick

Die politischen Unsicherheiten in Europa könnten mit den Wahlen in Großbritannien am 12. Dezember und der damit verbundenen Entscheidung über den Brexit-Kurs weiter abnehmen. Auf der anderen Seite des Atlantiks wird der weitere Fortgang des „Phase-1“-Deals im Handelsstreit von  zentraler Bedeutung sein. Sollte dieser nicht zeitnah beschlossen werden, dürfte am 15. Dezember die nächste Runde der US-Zölle gegenüber China starten. Auf der geldpolitischen Seite tagt die US-Zentralbank Fed am 11. Dezember und die Europäische Zentralbank  EZB am 12. Dezember. Der Markt erwartet bei beiden keine weitere Zinssenkung in 2019. Diese Woche dürfte der Markt sein Augenmerk auf den US-Einkaufsmanagerindex der Industrie sowie  auf  die US-Arbeitsmarktzahlen  und die Oktober-Industrieproduktionsdaten  von  Deutschland  legen. Am 10. Dezember werden  die  ZEW-Wirtschaftsumfrageund  die  Oktober-Industrieproduktionsdaten mehrerer europäischer Länder veröffentlicht.

Der  Aktienmarkt  hat  dies  und  eine  Erholung bereits größtenteils eingepreist

Gemessen am Einkaufsmanager hat sich die  Abschwächung  der  globalen  Industrie bereits   seit Juli verlangsamt.  Die nächste Veröffentlichung  Anfang Dezember könnte mit einem Wert  über 50 eine Bodenbildung der Aktivität zeigen.
 
Kommt  es  zu  der  von  uns  erwarteten Stabilisierung  und  Erholung  des  Konjunkturwachstums, erscheint das weitere Renditepotenzial deshalb  begrenzt.  Eine Wiederholung  der  starken  Entwicklung von 2019 ist unwahrscheinlich.

Aktien im Überblick

Gesamtrendite (inklusive reinvestierter Dividenden) für ausgewählte Aktienindizes, in Euro und in Prozent,  sortiert nach 4-Wochen-Performance.Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 28.11.2014 -29.1
US-Aktien entwickelten  sich  nach  der Oktober-Underperformance  im  November wieder  besser  als  alle  anderen hier betrachten Aktienregionen.
 
Small  Caps sowie zyklische Titel  schnitten  deutlich  besser  ab  als  defensive  Aktien. Die Stabilisierung im globalen Ein-kaufsmanagerindex  für  die  Industrie  in den  letzten  Monaten  hat  die  Hoffnung geweckt, dass es bald zu einer Konjunkturerholung kommt.
Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.