Nun hat es auch die USA erwischt

Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
Nun hat es auch die USA erwischt: Die Konjunkturdaten letzte Woche haben deutlich enttäuscht. Der ISM-Index der Industrie ist im September auf ein 10-Jahrestief gefallen. Noch schlimmer wiegt aber, dass auch der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor merklich gefallen ist – bisher eine Stütze der US-Konjunktur. Dies hat Rezessionsängste neu entfacht und den Spekulationen um weitere US-Zinssenkungen Auftrieb gegeben. Infolgedessen sind die Aktienmärkte teils deutlich gefallen – der DAX verlor letzte Woche zeitweise mehr als 600 Punkte –, während fallende Renditen zu steigenden Anleihekursen führten. Dass der Abverkauf nicht noch stärker ausgefallen ist, liegt vor allem an der Positionierung. Viele Investoren sind schon vorsichtig positioniert, wie auch an den hohen Put-Call-Ratios abzulesen ist. Wir rechnen weiterhin mit einer volatilen Seitwärtsbewegung an den Märkten. Neue Impulse dürften die Handelsgespräche, die Brexit-Verhandlungen und die Q3-Berichtssaison geben.

Kurzfristiger Ausblick

Ab dem 10. Oktober werden die Handelsgespräche zwischen den USA und China fortgesetzt, Gespräche zwischen den USA und Europa dürften folgen und die Brexit-Verhandlungen nähern sich mal wieder einer Deadline. Am morgigen Dienstag gibt der Caixin PMI-Index für Dienstleistungen Aufschluss über die Konjunkturentwicklung in China. Von der Rede des Fed-Gouverneur Powell am Dienstag und dem Protokoll der letzten Fed-Sitzung am Mittwoch dürften sich Marktteilnehmer Signale für weitere US-Zinssenkungen erhoffen. Am Donnerstag sind die August-Industrieproduktion in Frankreich, Italien und Großbritannien sowie die US-Inflationsdaten und die US-Erstanträge für Arbeitslosenunterstützung im Fokus. Am Freitag dürfte das US-Verbrauchervertrauen im Mittelpunkt stehen. In den kommenden Wochen nimmt auch die Unternehmensberichtssaison für das dritte Quartal Fahrt auf. Die Gewinnrevisionen sind weiter negativ – mit einer deutlichen Aufhellung der Unternehmen-Ausblicke ist nicht zu rechnen.
Die spekulativen Anleger haben über die letzten Wochen ihre Wetten auf eine niedrige US-Aktienmarktvolatilität ausgeweitet, getrieben auch durch die weltweit expansivere Zentralbankpolitik.
 
In den letzten Jahren war eine deutliche Short-Positionierung in VIX-Futures häufig ein Warnsignal für die Aktienmärkte. Steigt nämlich die Volatilität überraschend an, müssen viele Spekulanten diese Short-Positionen glatt stellen und verstärken damit die Volatilitätsspitzen.

Japanische Aktien holen auf

Nachdem japanische Aktien bis zum Sommer hinweg zu den größten Underperformern dieses Jahr gehörten, haben sie sich zuletzt stark überdurchschnittlich entwickelt. Über die letzten vier Wochen konnte Japan als einer der wenigen Aktienregionen sogar an Wert zulegen.
 
Während in den USA zuletzt Small Caps outperformten, gehörten europäische Small Caps zu den relativen Verlierern.
 
Gesamtrendite (inklusive reinvestierter Dividenden) für ausgewählte Aktienindizes, in Euro und in Prozent, sortiert nach 4-Wochen-Performance. Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 03.10.2014 - 04.10.2019         
Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.
               

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