Value-Aktien aus Japan

Shigeru Aoyagi, Nikko AM
Shigeru Aoyagi / Bild: Nikko AM
Drei Gründe, die für Value-Aktien an der Börse Tokio sprechen:

1. Die Bewertungen sind historisch niedrig

Besorgt um Wirtschaftswachstum und Handelskonflikte haben Zentralbanken rund um den Globus die Zinsen gesenkt. Ein Ergebnis dieser noch nie dagewesenen Lockerung: Die Performance zwischen Growth- und Value-Aktien an Tokios Börse ging weiter auseinander als je zuvor in den vergangenen Jahren.
 
Derzeit steht der TOPIX bei einem KGV von 13. Das ist nicht nur deutlich niedriger als sein Durchschnitt über die vergangenen zehn Jahr von 15,6. Er liegt damit auch unterhalb fast aller wichtigen Börsenindizes, wie etwa des amerikanischen S&P 500, des DAX, des französischen CAC40 (France) und des indischen SENSEX (Quelle: Bloomberg, 13. September 2019).
 
Der Bewertungsunterschied zwischen defensiven Aktien mit niedrigem Beta (und höheren Bewertungen) und zyklischen Aktien mit hohem Beta (und niedrigeren Bewertungen) ist noch weiter auseinandergegangen, seit die japanische Notenbank im Januar 2016 ihre Zinsen in den negativen Bereich gesenkt hat.

2. Corporate-Governance-Reformen tragen Früchte

Unter Premierminister Shinzo Abe wurden mehrere Corporate-Governance-Initiativen verabschiedet und verstärkt mit dem Ziel, den Shareholder Value zu steigern, die Veröffentlichungen zu verbessern und letztlich die Eigenkapitalrendite der Unternehmen zu stärken. Wir sind davon überzeugt, dass diese Reformen zu bedeutenden Veränderungen der börsennotierten Unternehmen in Japan führen.
 
Zwei Beispiele: Top-Manager von Unternehmen mit niedriger Eigenkapitalrendite sehen sich auf Aktionärsversammlungen zunehmend Widerstand gegen ihre Wiederernennung gegenüber. Im Jahr 2018 wurden Aktien in einer Rekordhöhe von umgerechnet rund 53 Milliarden Euro zurückgekauft – ein Rekordwert, der im laufenden Jahr noch einmal überboten werden dürfte.
 
Auch auf der Dividendenseite tun Japans Unternehmen mehr für ihre Anteilseigner: Seit dem Tiefpunkt während der Finanzkrise im Jahre 2009 wurden jedes Jahr mehr Dividenden ausgeschüttet, bis zum Rekordhoch 2018 von umgerechnet rund 120 Milliarden Euro.
 
Wir glauben, dass dank der derzeitigen politischen Stabilität – die Oberhauswahlen im Juli 2019 bestätigten die Mehrheit der Regierungskoalition – die japanische Wirtschaftspolitik (Abenomics) weiter für ein zuträgliches Umfeld für den Shareholder Value sorgen wird.

3. Gezielte Auswahl erschließt Value-Chancen

Dank der beschriebenen Entwicklungen sind wir davon überzeugt, dass japanische Value-Strategien gut gerüstet sind, um ab 2020 in einen Aufwärtstrend zurückzukehren. Um gute Gelegenheiten aufzuspüren, wird es weiter auf das Bottom-up-Research erfahrener Investoren ankommen. Vor allem gilt es herauszufinden, ob die Wertentwicklung einer Aktie strukturell oder zyklisch zu begründen ist und ob ein Unternehmen über eine Eigenschaft verfügt, die der Markt noch nicht erkannt hat und die als zukünftiger Wachstumstreiber in Frage kommt, z.B. eine attraktive Marke, Technologie, Personal, Produkt oder Dienstleistung.

Fazit: Japanische Value-Aktien bieten Chancen

Das aktuelle Umfeld stellt Value-Investoren vor Herausforderungen, bietet aber auch Chancen. Einerseits gab der Markt in diesem Jahr, angetrieben von Makrodaten und billigem Kapital, für Value-Investoren wenig her. Andererseits bietet das derzeitige Kurs/Gewinn-Verhältnis für japanische Aktien in Kombination mit fortgesetzten strukturellen Veränderungen auf Unternehmensebene unserer Meinung nach überzeugende Anlagechancen.
Shigeru Aoyagi ist Chief Portfolio Manager bei Nikko Asset Management

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