Nachhaltiges Denken sorgt für eine effizientere Verwendung knapper Ressourcen

Dr. Rupini Deepa Rajagopalan, Dr. Jörn Quitzau
Bild(er): BBAG MG&UK
Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass der gesellschaftliche und persönliche Wohlstand nicht nur von finanziellen Werten abhängt, sondern auch andere Faktoren – wie die Einhaltung von ESG-Standards (Environmental, Social, Governance, also Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) – maßgeblich zum Wohlstand beitragen. Gefordert sind dabei zum einen der verantwortungsvolle Konsument – aber auch Finanzindustrie und Politik.
 
In einer liberalen marktwirtschaftlichen Gesellschaft kann der Verbraucher durch sein Handeln und Investieren die Entwicklung zu mehr Verantwortung vorantreiben. Denn wenn Menschen an umweltschonenden, ökologischen Produkten interessiert sind und bereit sind, dafür Geld auszugeben, werden sich in einer Marktwirtschaft Anbieter finden, die genau diese ökologischen Produkte anbieten. Die Wirtschaft stellt sich schon auf die Wünsche der Menschen ein –und wenn die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten steigt, werden die Unternehmen für ein entsprechendes Angebot sorgen.

Dennoch ist die marktwirtschaftliche Welt nicht völlig in Ordnung

Der Vorwurf, die Marktwirtschaft habe im Umweltbereich blinde Flecken, ist zum Teil berechtigt. Das Grundproblem besteht darin, dass die Umwelt in einer unregulierten Marktwirtschaft als Produktionsfaktor oft kostenlos zur Verfügung steht, obwohl sie eigentlich knapp ist und damit einen Preis haben müsste. Nur Rohstoffe, für die es einen Markt gibt, wie etwa Bodenschätze, haben auch einen Preis. Anders sieht es aus, wenn in der Produktion oder beim Konsum Schadstoffe in die Umwelt abgegeben werden – etwa Abgase, verunreinigte Abwässer oder Plastikmüll. Entstehen im Wirtschaftsprozess Umweltkosten, deren Preis für Unternehmen und Verbraucher finanziell nicht spürbar sind, kommt es zur Fehlverwendung knapper Ressourcen. Damit ist die Funktionsweise der Marktwirtschaft in Teilen außer Kraft gesetzt, denn hohe Preise signalisieren Knappheit und liefern den Wirtschaftsakteuren damit wichtige Anreize, sorgsam und schonend mit den knappen Ressourcen umzugehen. Wenn für solche Umweltgüter aber kein Preis verlangt wird, dann werden die knappen Ressourcen übermäßig genutzt – oder übermäßig verschmutzt. Letztlich versagt der Markt dann bei seiner ureigensten Aufgabe, für die effiziente Verwendung knapper Ressourcen zu sorgen.
 
In einem solchen Fall ist die Politik gefordert, die Knappheit zum Beispiel durch die Erhebung einer Umweltsteuer sichtbar zu machen. Mit diesem politisch gesetzten Preis werden die Umweltkosten von Produktion und Konsum sichtbar gemacht, und die Wirtschaftsakteure werden ihr Handeln fortan an diesen ökologisch ehrlicheren Preisen ausrichten. Umweltschädliches Verhalten wird dadurch tendenziell reduziert. Unternehmen erhalten auf diese Weise Anreize, in die Erforschung und Entwicklung umweltfreundlicher Produktion zu investieren, weil sie dadurch langfristig Geld – nämlich die Zahlung der Umweltsteuer – einsparen können.

Staatliche Regelungen als letzter Ausweg

Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass staatliche Regeln nicht immer die bestehenden Missstände beseitigen, sondern sie durch ihr Eingreifen eher noch verschlimmern. Deshalb kann eine Steuer nur die Ultima Ratio sein. In einer liberalen, marktwirtschaftlichen Gesellschaft ist es besser, wenn jeder Einzelne sein Verhalten eigenverantwortlich so ausrichtet, dass nicht nur Preise oder gesetzliche Vorgaben eine Rolle spielen, sondern darüber hinaus auch ökologische und moralische Aspekte berücksichtigt werden. Eine wichtige Rolle nimmt dabei die Finanzindustrie ein, da sie über ihre Finanzkraft und die Fähigkeit zur Lenkung von Kapitalströmen großen Einfluss ausüben kann.
 
Die Vereinten Nationen haben dabei zunächst mit den Millenniums-Entwicklungszielen und ab 2015 mit den „Zielen für nachhaltige Entwicklung“ (SDG, Sustainable Development Goals) wichtige Anstöße gegeben, um den sozialen und ökologischen Fußabdruck der Menschen zu verbessern. Diese Ziele spielen in nachhaltigen Anlagestrategien eine zunehmende Rolle. Auch die Politik geht in dieser Hinsicht bereits einen richtigen Weg, weil sie auch für die Finanzindustrie wichtige Anhaltspunkte liefert, wie sich durch gezielte Maßnahmen der ökologische und soziale Fußabdruck weltweit verbessern lässt. So hat zuletzt die Europäische Union den Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ vorgelegt. Damit soll künftig mehr privates Kapital in nachhaltige Investitionen fließen.

Nachhaltigkeit als Anlagekriterium

Insgesamt sollten Anleger neben den klassischen Anlagekriterien – Rendite, Sicherheit und Liquidität – auch die Nachhaltigkeit des Investments in ihre Entscheidungen einbeziehen. Vorreiter waren dabei in Europa zuletzt vor allem Pensionsfonds. Sie übernehmen bei der Geldanlage Verantwortung und leisten einen Beitrag, dass die von ihnen vertretenen Werte umgesetzt werden.
 
Die SDG haben sich inzwischen zu einem wichtigen Rahmenkonzept entwickelt. Viele Investoren nutzen sie, um zu verstehen, was Unternehmen für eine nachhaltige Entwicklung leisten. Mittels der SDG können wir analysieren und messen, was Unternehmen für Gesellschaft und Umwelt tun. Das gibt uns dann auch die Möglichkeit, mit ihnen über ihr Handeln und ihre Ziele in einen Dialog zu treten.
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