Deutsche Dividendenwerte im Korrekturmodus

Werner W. Rehmet, MyDividends
Werner w. Rehmet / Bild: MyDividends
Eine langfristig solide Dividendenhistorie schützt nicht vor Kursrückgängen. Dies spürten in den letzten Monaten insbesondere die Inhaber von konjunkturabhängigen Unternehmen. Viele Konzerne zeigen sich aber zuversichtlich und halten an der aktuellen Dividendenpolitik fest.

Langfristige Dividendenhistorie schützt nicht vor Kursrückgängen

Der deutsche Leitindex DAX hat seit Anfang Juli 2019 rund 7,5 % (Stand Redaktionsschluss) nachgegeben. Von seinem Allzeithoch ist der Index knapp 14 % entfernt. Insbesondere Exportwerte leiden unter dem herausfordernden makroökonomischen Umfeld. Der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China setzt den Industriewerten zu. In der Vergangenheit keimten zwar immer wieder Hoffnungen auf ein Ende der Streitigkeiten auf, diese verliefen dann aber, zumindest bisher, regelmäßig im Sande.

Vor allem Automobilwerte und die Chemiebranche leiden als konjunktursensible Werte unter den derzeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der DAX-Konzern BASF hält dennoch an seiner aktuellen Dividendenpolitik fest. BASF will seine Dividende nicht nur auf dem aktuellen Niveau halten, sondern kontinuierlich steigern, wie in den vergangenen Monaten mehrfach betont wurde. In diesem Jahr wurde eine Dividende in Höhe von 3,20 Euro für das Jahr 2018 ausgeschüttet (Vorjahr: 3,10 Euro). Damit wurde die Dividende das neunte Jahr in Folge ununterbrochen angehoben. Ende Juli meldete BASF einen Umsatzrückgang im ersten Quartal 2019 gegenüber dem 2. Quartal des Vorjahres um 4 % auf 15,2 Mrd. Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen lag mit 1 Mrd. Euro um 47 % unter Vorjahr. Die Firma mit Sitz in Ludwigshafen hatte bereits am 8. Juli den Ausblick für 2019 angepasst. So wird nun ein leichter Rückgang beim Umsatz erwartet. Für das EBIT vor Sondereinflüssen wird sogar ein deutlicher Rückgang von bis zu 30 % prognostiziert

Enttäuschende Kursentwicklung bei Fresenius und Henkel

Wenig Grund zur Freude haben die Aktionäre von Fresenius. Der einzige Dividendenaristokrat aus dem DAX (Dividende wurde 26 Jahre in Folge erhöht) hat seit Mitte 2017 rund 43 % an Wert verloren. Der Rechtsstreit um die von Fresenius aufgekündigte Übernahme von Akorn sowie Gewinnwarnungen belasteten vor allem im Jahr 2018 den Aktienkurs. Fresenius-Chef Stephan Sturm zeigte sich zuletzt aber sehr zuversichtlich für die kommenden Jahre.

Auch bei Henkel läuft es nicht rund. Von Juni 2017 bis Mitte August 2019 hat die Aktie rund 30 % an Wert abgegeben. Aus Dividendensicht gibt es aber, zumindest bis jetzt, nichts zu meckern. Der Konsumgüterhersteller hat die Dividende im April das neunte Jahr in Folge angehoben.  Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub steigerte in diesem Jahr die Dividende das 17. Jahr in Folge. Für die Inhaber der Vorzugsaktien gab es eine Ausschüttung in Höhe von 0,95 Euro (Vorjahr: 0,91 Euro). Der Blick auf den Aktienkurs fällt aber ebenfalls ernüchternd aus. Auf Sicht von rund 2 Jahren verbucht der Wert Kursverluste von knapp 35 %. Der MDAX-Wert musste aufgrund des aktuell schwierigen globalen wirtschaftlichen Umfelds und der eingetrübten Aussichten für die zweite Jahreshälfte den Ausblick für das Gesamtjahr 2019 anpassen. Beim Umsatz geht der Konzern von einem leicht rückläufigen Umsatzwachstum in Höhe von -3 bis 0 % aus. Beim Betriebsgewinn (basierend auf EBIT 2018 einschließlich Sonderertrag) rechnet der Konzern mit einem Rückgang von -30 bis -20 %.

Im Korrekturmodus befindet sich auch die Aktie des Shoppingcenter-Investors Deutsche EuroShop AG. Der Konzern plant eine Dividende von 1,55 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2019, wie Mitte August bestätigt wurde. Für 2020 soll die Dividende um weitere fünf Cent erhöht werden. In diesem Jahr wurden 1,50 Euro für das Geschäftsjahr 2018 ausgeschüttet. Beim derzeitigen Aktienkurs von 23,28 Euro entspricht dies einer aktuellen Dividendenrendite von 6,44 %. Der Umsatz erhöhte sich im ersten Halbjahr 2019 gegenüber der Vorjahresperiode leicht um 0,3 % auf 111,9 Mio. Euro. Die um Bewertungs- und Sondereffekte bereinigten Funds from Operations (FFO) lagen aufgrund höherer Steuerzahlungen leicht unter dem Vorjahreshalbjahr bei nun 75,0 Mio. Euro (-0,7 %). Der im MDAX gelistete Konzern ist auf Investitionen in Einkaufszentren spezialisiert und zurzeit an 21 Einkaufscentern in Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn beteiligt.

Dividendenwerte aus der zweiten Reihe

Eine sehr starke Kursentwicklung weist hingegen die Aktie von VIB Vermögen auf. Der Konzern hat den Aktionären in diesem Jahr eine Dividende von 0,65 Euro je Aktie ausbezahlt. Im Vorjahr wurden 0,60 Euro ausgeschüttet. Damit wurde die Dividende um 8,3 % erhöht. Beim derzeitigen Aktienkurs von 26,40 Euro entspricht dies einer aktuellen Dividendenrendite von 2,46 %. Seit dem Börsengang im Jahr 2005 wird kontinuierlich eine Dividende bezahlt. Mit der aktuellen Anhebung wurde die Ausschüttung das zehnte Jahr in Folge erhöht. Die VIB Vermögen AG entwickelt, erwirbt und verwaltet gewerbliche Immobilien, insbesondere in den wachstumsstarken Regionen Süddeutschlands. Sehr stabil zeigt sich auch die Kursentwicklung beim Fotodienstleister CEWE Stiftung & Co. KGaA auf. Der SDAX-Wert hat seine Ausschüttung in diesem Jahr um knapp 5,4 % von 1,85 Euro auf 1,95 Euro je Aktie erhöht. Es war die zehnte Dividendenanhebung in Folge.
Werner W. Rehmet ist der Gründer und Herausgeber von MyDividends. Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium durchlief er mehrere Stationen bei renommierten Bankhäusern. In langjährigen Aufenthalten an der Wall Street und an wichtigen Finanzzentren wie Zürich setzte er sich intensiv mit verschiedenen Börsenthemen auseinander. Hier folgten auch erste Medienauftritte und Publikationen zu zahlreichen Börsenthemen. Seine umfangreichen Kenntnisse im Börsengeschäft führten schließlich zur Gründung der Börsenplattform MyDividends.de, die sich ausschließlich dem Thema Dividenden widmet, unter dem Motto „der Ertrag zählt“.
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Hinweis: Werner W. Rehmet kann Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen halten und somit kann ein möglicher Interessenskonflikt bestehen.