Die Trends 2020 in der Pharmabranche

Beate Sander
Bild: Roche
Im Pharmasektor zeichnen sich Milliardenwetten in eine verheißungsvolle Zukunft ab: Es geht um interessante Biotech- und Medtech-Übernahmen bei der Jagd nach den besten Wirkstoffen und Therapien im Kampf gegen Krebs, Alzheimer und andere Geißeln der Menschheit. Umgekehrt trennen sich einige Pharmariesen von ihren Generika-Sparten, also Nachahmermedikamenten, und anderen Randgeschäftsfeldern mit einem enttäuschendem Zahlenwerk.

Teure Therapien

Im Fokus stehen neuartige Gen- und Zelltherapien, die viel Geld kosten. Da geht es pro Therapie und Person um Behandlungspreise im sechsstelligen Bereich und gelegentlich sogar in Millionenhöhe, wenn der Patientenkreis sehr klein ist. Dies betrifft vor allem seltene Krankheiten schon im Kindesalter, wo in Deutschland die Zahl der Erkrankten unter Tausend, häufig sogar unter Hundert liegt. Da muss sich der millionen-, oft sogar milliardenschwere Aufwand über einen Zeitraum von rund 15 Jahren bis zur erfolgreich verlaufenden Studienphase III letztlich rechnen. Sonst würde man das kostspielige Projekt bei Komplikationen wohl besser schnurstracks abbrechen statt womöglich zahlungsunfähig zu werden.

Ertragssteigerungen bei fünf Weltkonzernen

Roche, Novartis, Johnson & Johnson, Merck & Co. sowie GlaxoSmithKline erzielten im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vorjahresvergleich höhere Umsatzerlöse im zweistelligen Milliardenbereich zwischen 1,6 Prozent und 10,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum stiegen die Erträge dieser fünf Weltkonzerne um 2,1 Prozent bis 84,3 Prozent. Überlegener Sieger in beiden Sektoren war der amerikanische Pharmakonzern Merck & Co. aus dem Dow Jones. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen DAX-Unternehmen. Erfreulich erfolgreich präsentierte sich auch der dividendenstarke Schweizer Forschungskonzern Roche mit einer Steigerung bei Umsatz und Ertrag von jeweils 7,5 Prozent.

Bessere Zahlen erwartet

Insgesamt erwarten die führenden Pharmakonzerne trotz der vielfältigen globalen Krisen deutlich bessere Zahlen durch Konzentration auf eigene Neuentwicklungen, Beteiligungen, Komplettübernahmen und Fusionen. Erfreulicherweise steigt die Risikobereitschaft im Investitionsbereich. Wer sich dagegen auf Generika spezialisiert hat, muss Ertragseinbußen hinnehmen, z. B. TEVA, Sandoz/Novartis und MYLAN. Den radikalsten Schritt geht der US-Titan Pfizer, berühmt geworden durch VIAGRA („VIAGRA macht müde Männer froh! – Alte Scheunen brennen lichterloh!“).

Bezahlung an Behandlungserfolg koppeln

Wenn Sie bedenken, dass seit Jahrzehnten hohe Milliardensummen beispielsweise in die Alzheimer Forschung wandern, ohne dass bislang diese tödliche, auch für Angehörige und Pflegekräfte kaum zu ertragende, schwere Demenzerkrankung geheilt werden kann, ist ein gewisses Verständnis angezeigt bezüglich extrem hoher Behandlungskosten. Da erscheint es nur vernünftig und fair, die Höhe der zu leistenden Zahlungen an den Behandlungserfolg zu koppeln.

Vielversprechende Arzeimittel für Gen-/Zell-Therapien

Pharma-Produzent

Medikament Art der Erkrankung  Kosten pro Behandlung  Patientenzahl in Deutschland
Novartis

Zogensma

Spirale Muskelerkrankung SMA  1.858.407 Euro Unter 100
Bluebird Bio

 

Zynteglo Schwere Kinder-Blutkrankheit 1.575.000 Euro Unter 100

Novartis/
Spark

Luxturna Immun-Defekt,            Enzym-Mangel  726.000 Euro Ca. 350
Gilead  Yescarta Krebs (B-Zell-Lymphom) 328.000 Euro Ca. 970
Novartis Kymriah Krebs
(AML/B-Zell-Lymphom)
 320.000 Euro Ca. 630
Amgen Imlygic Krebs (Melanom) 102.871 Euro Keine Angaben
Quelle: Handelsblatt vom 08.08.2019 - Nr. 151

Dividenden-Aristokrat aus Übersee

Der Dividenden-Aristokrat Johnson & Johnson (J&J) aus dem Dow Jones erhöht seit 56 Jahren ununterbrochen seine Dividende. Der amerikanische Pharmariese Johnson, marktführend bei Gesundheitsprodukten, Körperpflege-Artikel und Krebs-Medikamenten, hat seit über einem halben Jahrhundert ständig seine Ausschüttung angehoben. Damit zählt der US-Konzern zu den absoluten Ausschüttungs-Königen. Aktuell beträgt die viermal jährlich erfolgende Ausschüttung insgesamt 2,8 Prozent; denn der Kurs legte schneller zu als die Dividende. J&J steigerte 2018 den Umsatz um rund 7 Prozent auf 86,1 Mrd. Dollar und erzielte einen Gewinn von über 15 Mrd. Dollar. Die fair bewertete Pharma-Aktie dürfte für alle Dividendenfans weiterhin interessant sein.

Beate Sander ist Aktien-Anlegerin aus Leidenschaft und versierte Buchautorin, ihr "Börsenführerschein" wurde zum Bestseller. Auf Südseiten schreibt sie regelmäßig zur Gesundheitsbranche. Im Juni 2014 ist in der Münchner Verlagsgruppe, FinanzBuch Verlag, ein Buch zum Thema erschienen, das Beate Sander gemeinsam mit dem Mediziner Jürgen Hannemann verfasste:
 
 
        

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Novartis N 80,10 -0,17448 %
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Roche Hldg I 245,60 N.A.
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GlaxoSmithKline Rg 17,856 0,05603 %
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Mylan Br 15,60 -4,87805 %
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Spark New Zealand 2,348 -0,42409 %
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Amgen Rg 183,12 1,6317 %
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bluebird bio Rg 107,65 2,28029 %
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DB Dow Jones 25.892,00 1,2197 %
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Gilead Sciences Rg 56,92 -0,59378 %
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Johnson & Johnson 118,34 0,90382 %
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Merck Rg 76,00 1,33333 %
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Pfizer Rg 31,20 0,64516 %
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TevaPharmInd Sp ADR 5,72 -0,69444 %
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