Favoritenwechsel durch erwarteten „Fed-Pivot“ mit Zinssenkungen 2023

Prof. Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Prof. Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
Die letzten zwei Wochen standen ganz im Zeichen von „Bad News is Good News“. Die PMIs in der Eurozone signalisieren eine Kontraktion und das US-Wirtschaftswachstum war nun das zweite Quartal infolge negativ – die USA befinden sich in einer technischen Rezession. Die Zentralbanken hoben derweil die Zinsen weiter an, die EZB um 50Bp, die Fed um 75Bp. Allerdings erklärte Powell von nun an datengetrieben über weitere Zinsschritte zu entscheiden. Die Hoffnung auf eine kurze Rezession gepaart mit bald wieder lockereren Finanzierungskonditionen, sorgte für eine Rallye über alle Anlageklassen hinweg. Anleger dürften sich in diesem Umfeld wieder mehr auf Gewinnstabilität und -wachstum und weniger auf Bewertungen fokussieren, und unser Quality-Growth-Stil wieder besser funktionieren. Für eine Entwarnung bei Aktien ist es unseres Erachtens allerdings zu früh. Die Gewinnerwartungen sind ambitioniert, der Kostendruck hoch, die Inflation noch nicht rückläufig, die Fed hat noch nicht gedreht und die Energiekrise schwelt.

Kurzfristiger Ausblick

Nachdem die letzten zwei Wochen von den Zinsentscheidungen der Fed und EZB beherrscht waren, kehrt für die nächsten zwei Wochen mehr Ruhe an der Zentralbank-Front ein. Lediglich die Bank of England veröffentlicht am 4. August den Juli-Inflations-Bericht und die neue Zinsentscheidung. Die Q2-Berichtsaison ist weiterhin in vollem Gange. Nachdem bereits 50 Prozent der Unternehmen des S&P 500 und Stoxx 600 berichtet haben, folgt die zweite Hälfte noch bis Mitte August. Auch geopolitisch wird es spannend. In Zeiten der Energieknappheit entscheidet die OPEC+ am 3. August über den weiteren Förderungsumfang.
 
Nachdem gestern die finalen Einkaufsmanagerdaten (Jul.) für die USA, Europa und China veröffentlicht wurden, stehen Mittwoch die US-Industrie-Auftragseingänge, Donnerstag die US-Handelsbilanz (Jun.) und Freitag die US-Arbeitsmarktdaten an (Jul.). In den Folgewochen werden für die USA und Europa die Inflationsdaten (Jul.) und das vorläufige US-Verbrauchervertrauen (Aug.) bekannt gegeben.
  • Die Fed hat die Zinsen schneller und stärker angehoben als zu Jahresbeginn erwartet. Ein kräftiger Realzinsanstieg und die Belastung aller aber insbesondere hoch bewerteter Anlagen folgten.
  • Mit der drohenden Rezession und nach den großen Zinsschritten erwartet der Markt nun eine Fed-Wende und Zinssenkungen statt -erhöhungen für 2023.
  • Dies führte zu fallenden Realzinsen und einem Favoritenwechsel am Markt: von den Gewinnern seit Jahresbeginn hin zu den Verlierer und damit auch von Value- zu Wachstums- und Qualitätsaktien.

Ausgewählte Assetklassen

  • Nachdem die amerikanische Notenbank letzte Woche eine erneute Zinserhöhung von 75 Basispunkten beschloss, preisten die Märkte damit den Beginn eine Verlangsamung der restriktiven Zinspolitik. Entsprechend erholten sich die Märkte und sowohl Aktien als auch zinssensitive REITs gewannen deutlich dazu.
  • Im Gegensatz dazu mussten Rohstoffe moderate Verluste hinnehmen. Insbesondere Brent-Öl blieb belastet.
  • Die Aktienmärkte sahen über die letzten vier Wochen eine leichte Erholung. Insbesondere
    amerikanische Aktien – hier vor allem Nebenwerte – gewannen dazu. Auch japanische, britische, und europäische Aktienindizes legten zu.
  • Zykliker hielten sich besser als defensive Aktien.
  • Asiatische Aktien bildeten das Schlusslicht.
  • Die Renditelevel sicherer Staatsanleihen sind seit Anfang Juli deutlich zurückgekommen. US-, britische und deutsche Staatsanleihen gewannen deutlich dazu.
  • Hervorzuheben ist auch die immer deutlicher werdende Divergenz zwischen europäischen Kern- und Peripheriestaaten wie Italien trotz des neuen Programms der EZB zur Bekämpfung der Defragmentierung.

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