Rohstoff-Lieferanten und Versorger im Fokus der Engagement-Strategie

Francis Condon, UBS_AM
Francis Condon / Bild: UBS Asset Management
Die rasante Erderwärmung gehört zu den größten systemischen Risiken für unseren Planeten. Um die Ziele des Klimaabkommens von Paris zu erreichen – vor allem die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu beschränken – ist eine massive Senkung des CO2-Ausstoßes erforderlich. Besonders stark involviert sind hier Öl- und Gasunternehmen sowie Versorger. Diese Sektoren stehen daher im Fokus der Klima-Engagement-Strategie von UBS Asset Management (UBS-AM). Ausgewählt wurden 50 Unternehmen, die überdurchschnittlich hohe Werte bei Treibhausgasemissionen, der Energiegewinnung aus Kohle und bei Reserven fossiler Brennstoffe aufweisen.
Nicht nur Gesetzgeber oder Kunden können das Verhalten von Unternehmen beeinflussen. Auch Investoren können versuchen über Anträge, Forderungen und Gespräche auf das Management von Firmen einzuwirken. Dies kann durch Engagement gelingen. Wir betrachten Engagement als Teil unseres Anlageprozesses. Es hilft uns, mehr Wissen über, aber auch Vertrauen in die Firmen zu erlangen, in die wir investieren. Gleichzeitig können wir eine Beziehung zum Management aufbauen. So sind wir näher dran und können das Verhalten des Unternehmens beobachten und bei Bedarf die Aufmerksamkeit auf Faktoren lenken, die den langfristigen Wert des Unternehmens beeinflussen“, sagt Francis Condon Senior Sustainable and Impact Investing Analyst bei UBS-AM.

Engagement statt stiller Investments

Falls es Kunden bevorzugen, fossile Brennstoffe ganz aus ihrem Portfolio zu verbannen, haben wir auch hierfür Ansätze. Allerdings sollte man die Nachteile bedenken, die ein Verkauf mit sich bringt. Erstens könnten die verkauften Wertpapiere an Investoren gehen, die weniger Wert auf nachhaltiges Investieren legen. Zweitens werden die Chancen der Investoren übersehen, Unternehmen zu beeinflussen - ihr Geschäftsmodell weg von fossilen Kraftstoffen hin zu erneuerbaren Energiequellen zu wandeln. „Unternehmen, die mehr in neue Technologien und saubere Energien investieren, können vom Teil des Problems zum Teil der Lösung werden. So hat etwa Royal Dutch Shell kürzlich verkündet, dass es bis 2035 zum größten Elektrizitätsunternehmen werden könnte, da es stark in erneuerbare Energien und Stromerzeugung investiert.
 
Wenn wir denken, dass es die Effektivität und Erfolgsaussichten steigert, arbeiten wir gerne formell oder informell mit anderen Aktionären zusammen. Ein Beispiel für eine gemeinschaftliche Initiative, der sich neben UBS rund 320 weitere Investoren mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt über 33 Billionen Dollar angeschlossen haben, ist Climate Action 100+. Sie kämpft dafür, dass Unternehmen ihre Risiken und Chancen durch den Klimawandel eruieren, ihre Treibhausgasemissionen reduzieren und ihre Daten und Risiken gemäß den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) offenlegen.

Forderungen erhört und umgesetzt

Innerhalb dieser Initiative hat UBS-AM beispielsweise die Führungsrolle im gemeinschaftlichen Dialog mit Equinor übernommen. In der Folge hat sich der norwegische Öl- und Gaskonzern verpflichtet, seine Geschäftsstrategie besser mit dem Pariser Klimaabkommen in Einklang zu bringen. Ein weiteres Beispiel ist der finnische Energieversorger Fortum. Wir waren sehr erfreut auf der Jahreshauptversammlung zu hören, dass das Unternehmen künftig auf Basis der TCFD-Empfehlungen informieren will, wie wir es gefordert hatten. Weitere Gespräche werden sich um die Stilllegung von Kohlekraftwerken und die Verbindung zum deutschen Stromversorger Uniper drehen, an dem Fortum zu 49,99 Prozent beteiligt ist.

Engagement nach festen Kriterien

Beim Engagement mit Unternehmen verfolgt UBS-AM einen systematischen Ansatz. Die Analyse der Unternehmen erfolgt anhand einer Punktbewertung auf Basis von TCFD. Sie soll verdeutlichen, wie die ausgewählten 50 Unternehmen der Öl-/Gas- und Versorgerbranche in puncto Klimawandel aufgestellt sind, und welche Maßnahmen sie ergreifen. Acht Faktoren werden bewertet: Empfänglichkeit für Engagement, Governance, Risikomanagement, Strategie, Umsetzung, Ziele, Lobby-Arbeit, Offenlegung.

Bewertungsansatz lässt Trends im Umgang mit dem Klimawandel erkennen

Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen weitgehend sehr offen für unser Engagement sind. Wir haben zudem festgestellt, dass Klimawandelfaktoren häufig im Risikomanagement integriert sind. Eine große Rolle spielen regulatorische Risiken wie der aktuelle CO2-Preis oder das Potenzial für neue Bepreisungssysteme. Die Offenlegung von Unternehmensdaten mit Klimawandelbezug beurteilen wir im Allgemeinen als gut, es gibt aber noch Verbesserungspotenzial. Positiv ist auch zu bewerten, dass 90 Prozent der Unternehmen solche Informationen in einem Nachhaltigkeits-Report veröffentlichen. Allerdings haben sich nur sechs der 50 Firmen offiziell verpflichtet, dabei den TCFD-Empfehlungen zu folgen.
 
Auch im Governance-Bereich hält der Klimawandel Einzug. 72 Prozent der Unternehmen verfügen über eine für Klimawandelbelange verantwortliche Führungsperson oder ein entsprechendes Komitee. In 62 Prozent der Unternehmen fließen ökologische Faktoren in die Vergütungsmodelle ein. Allerdings sind diese nur bei zwei Gesellschaften explizit auf ein Zwei-Grad-Szenario ausgerichtet. Und: Nur knapp die Hälfte der analysierten Firmen hat die Treibhausgasemissionen in den vergangenen fünf Jahren reduziert. 56 Prozent haben im gleichen Zeitraum immer noch nicht den Anteil erneuerbarer Energien erhöht.
Francis Condon ist Senior Sustainable and Impact Investing Analyst bei UBS-AM

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

UBS Group N 10,44 N.A.
close

Populäre Aktien

Uniper N 28,23 -1,19%
close

Populäre Aktien

Fortum Rg 21,65 0,05%
close

Populäre Aktien

Equinor N 16,34 -0,67%
close

Populäre Aktien