Vermögensaufbau mit Sachwerten

Manuela Tränkel, Mandura Asset Management AG
Manuela Tränkel / Bild: Mandura Asset Management AG
Die durch die EZB ausgelöste exorbitante Liquiditätsschwemme führte zu einer noch nie gesehenen Episode von 30 Jahren fallender Zinsen. Konkret gesagt sprach Notenbankchef Mario Draghi mit den Worten „Whatever it takes“ aus, dass die EZB alles tun wird, was nötig ist, um die Märkte zu stabilisieren. Dies hat zur Folge, dass derzeit in Deutschland Milliarden Euro Geldvermögen privater Haushalte keine Zinsen mehr erwirtschaften. Die Nullzinspolitik in Verbindung mit Negativzinsen hat einen Paradigmenwechsel ausgelöst, infolgedessen Sachwerte wie Immobilien und Aktien einen regelrechten Boom erleben.
 
Die Schattenseite dabei ist, dass ein risikofreier Zins (risikofreie Rendite) zu einem renditefreien Risiko geworden ist. Immanenterweise haben sich auch die Risiken verlagert und eine 30-jährige deutsche Bundesanleihe dürfte zu einem sicheren Verlustgeschäft geworden sein. Für die Kapitalallokation zugrunde gelegte CAPMs – Capital-Asset-Pricing-Modelle – können langfristig zu einer Fehlallokation von Kapital führen, eben weil der risikofreie Zinssatz mit null die Berechnungen verfälscht.  Die vergangenen Jahre seit der Lehman-Pleite 2008 waren ein Eldorado für Assetmanager und sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen wurden stetig Vermögenszuwächse erzielt. Bei festverzinslichen Wertpapieren wie beispielsweise einer 10-jährigen deutschen Bundesanleihe konnte das aber nur so lange funktionieren, wie zinsänderungsbedingte Kursrisiken durch weiter fallende Zinsen aufgefangen werden. Das heißt, um weiterhin eine Verzinsung von 6 Prozent zu erhalten, müssen die Zinsen um circa 1 Prozent pro Jahr fallen, was in den vergangenen Jahren bis 2018 auch meistens funktionierte.
 
Auf der Suche nach Rendite ist die richtige Assetallokation das Herzstück des Investmenterfolges und es kommt auf den richtigen Mix zum richtigen Zeitpunkt an. Anders als bei unverzinslichen Sparbüchern oder deutschen Staatsanleihen nach dem Motto „Where you put your money to die“ ist ein multidimensionaler Analyseprozess erforderlich, um geeignete Märkte und Assetklassen zu identifizieren und so die gewünschten Renditen zu erwirtschaften.

„Where you put your money to work“

Der Index MSCI World hat im Durchschnitt über 8 Prozent Rendite per annum eingebracht, der Technologieindex Nasdaq aufgrund der Tech-Giganten Amazon und Apple, die 2018 jeweils 1 Billion US-Dollar Marktkapitalisierung erreicht haben, sogar bedeutend mehr. Der Nasdaq-Index besteht zu rund 40 Prozent aus den sogenannten 5 FAANG-Aktien Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google/Alphabet. In China repräsentieren die Indexschwergewichte Alibaba und Tencent rund 1/5 der Marktkapitalisierung.
 
Der DAX wiederum ist ein Performanceindex und schüttet allein 2019 rund 50 Milliarden Euro Dividenden aus. Würde man den DAX als Kursindex betrachten, läge der Indexstand unter dem Stand im Jahr 2001.
 
Seit 1950 ist die Aktienrendite in Deutschland höher als die der Immobilien. Die Immobilienpreise stiegen von 1980 bis 2015 im Durchschnitt um 4,1 Prozent; Aktiensteigerungen waren im zweistelligen Bereich. Über einen längeren Zeitraum von rund 150 Jahren von 1870 bis heute erzielten Immobilieninvestments eine höhere Durchschnittsrendite als Aktien.
 
Die Marktgegebenheiten resultieren im Wesentlichen aus Konjunktur- und Wirtschaftszyklus, Notenbankpolitik sowie geopolitischen Geschehnissen und sind flankiert durch Marktsentiment und Börsenpsychologie. Der hohe Verflechtungsgrad und wechselseitige Abhängigkeiten zeigen sich beispielsweise daran, dass bei stärkerer Aufwertung des US-Dollars, Emerging-Markets-Währungen tendenziell unter Druck kommen, da diese Länder oft in der Hartwährung US-Dollar und nicht in lokaler Währung verschuldet sind. Aufgrund starker Abwertungen einzelner Währungen können diese wiederum ab einem bestimmten Zeitpunkt unterwertet sein und nicht mehr die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes widerspiegeln.
 
Aktuell dominieren widersprüchliche Signale wie Rezessionsängste und eine invers werdende Zinsstrukturkurve einerseits und Unternehmensgewinne, die sich zwar abschwächen, aber immer noch in einem langfristigen Durchschnittsbereich liegen, andererseits die Märkte.
Die größte Herausforderung besteht nicht in der Vorhersage von Marktbewegungen, sondern in der Analyse von Wachstumspotenzialen, um so ein Portfolio zusammenzustellen, das sich in möglichst vielen Marktphasen gut entwickelt.
 
Neben Wirtschaftszyklus und Konjunkturentwicklung kommt den Notenbanken derzeit eine noch zentralere Rolle als in den vergangenen Jahren zu. Die internationalen Börsen befinden sich im Würgegriff der Fiskal- und Geldpolitik und ob die Konjunktur der Zinsentwicklung oder die Zinsen der Konjunkturentwicklung folgen, ist ebenso wie die Unabhängigkeit der Notenbanken manchmal schwer zu beurteilen.
 
Generell befindet sich der Markt eher am Ende des Zinserhöhungszyklus. Der sich abschwächende Welthandel, eine Abschwächung von Märkten durch Handelskriege und sich verlangsamende Wirtschaftsdynamik haben Spuren in der Konjunkturentwicklung hinterlassen und führen insgesamt zu einer leichten Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums. Die Notenbanken nehmen dies zum Anlass, mit einer insgesamt weniger restriktiven Politik diesem Trend entgegenzuwirken. So erfolgte eine Stimulation der Wirtschaft durch die amerikanische Notenbank Fed, als im Dezember 2018 von den Märkten eine Rezession eingepreist wurde, die Marktverwerfungen und weltweit stark fallende Kurse auslöste.
 
Die Gesamtverschuldung ist für die Mehrheit der Industrie- und Entwicklungsländer nach der Finanzkrise weiter gestiegen. Dies könnte das Potenzialwachstum der Weltwirtschaft belasten und zu einer stärkeren Krisenanfälligkeit führen. Dennoch verzeichnen die Emerging Markets im laufenden Jahr das kräftigste EPS-Wachstum, das heißt, der Gewinn je Aktie steigt hier stärker als in den Industrienationen.

Innerhalb einer Anlageklasse verhalten sich einzelne Subsegmente unterschiedlich.

Ausgehend von den Anlageklassen Aktien, Geldmarkt, Staatsanleihen, High Yield, Credit, Rohstoffe, Immobilien, Private Equity und Commodities entwickeln sich diese sowohl regional als auch segmentmäßig nicht gleichförmig. Auf der Suche nach Rendite sind Analysen der Fundamentalbewertungen von Blue Chips versus Small Caps, Value versus Growth oder USA versus China oder Europa sowie bei festverzinslichen Wertpapieren die Duration – also lang- versus kurzlaufend – und bei Immobilien Standort und Mietrendite erfolgsentscheidend, um das aktuelle Bewertungsniveau zu plausibilisieren und perspektivische Wertsteigerungspotenziale zu identifizieren.

Blue Chips versus Small Caps

Immanenterweise unterliegen Aktien Schwankungen. Auf einen Bärenmarkt, in dem die Kurse um 20 Prozent oder mehr fallen, folgt stets ein Bullenmarkt, in dem die Verluste ausgeglichen werden. So hatte der amerikanische Dow-Jones-Index im Dezember 2018 den größten Monatsverlust seit Dezember 1931 verzeichnet. Diese Verluste wurden aber im ersten Quartal 2019 wieder aufgeholt. Auch nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA, in der die Immobilienpreise abstürzten, was die Lehman-Pleite und eine Finanzkrise mit einem weltweiten Aktiencrash zur Folge hatte, haben sich die Märkte in den Folgejahren wieder erholt und sogar neue Höchststände erreicht.

Sentiment und Börsenpsychologie

Neben der Bewertung der fundamentalen Kennzahlen spielen aber auch Saisonalität und Sentiment sowie Börsenpsychologie eine nicht unerhebliche Rolle. Warren Buffett hat einmal erwähnt, dass die Hall of Fame der Market Timer ein leerer Raum ist. Börsen können in einem Ausverkaufsmodus oder in einer Blasenbildung irrational sein und das auch über längere Zeit bleiben. Märkte neigen dazu, überzureagieren, und es ist extrem schwierig, Börsenentwicklungen kurzfristig zu timen. Angst und Gier sind dennoch schlechte Ratgeber bei der Geldanlage und für den Anlageerfolg ist entscheidend, sich ein profundes Bild zu machen. Mittels einer fundamentalen Bewertung einzelner Märkte und Marktsegmente zeigen sich Unter- oder Überwertungen des Preisniveaus.

Charakteristika und Korrelationen einzelner Assetklassen

Die Charakteristika, die Bewertung und das Verhalten einzelner Assetklassen in unterschiedlichen Marktphasen und Konjunkturzyklen sind entscheidend für einen ausgewogenen Anlagenmix und regelmäßiges Rebalancing. Den Korrelationen und den Korrelationskoeffizienten der jeweiligen Anlageklassen kommt dabei eine Bedeutung zu. So hatten 2018 fast 90 Prozent der Assetklassen eine negative Performance, 2017 dagegen nur rund 5 Prozent. Durch die Globalisierung haben sich die wechselseitigen Abhängigkeiten und gegenseitigen Verflechtungen von Märkten und Volkswirtschaften verstärkt und unkorrelierte Ertragsquellen wie Gold- und Rohstoffinvestments als Safe Haven, die als Betongold bezeichneten Immobilien, Vola als Assetklasse und neben Public auch Private Equity helfen, ein Portfolio robust aufzustellen. Aktieninvestments, bei denen direkt in Unternehmen investiert wird oder die breit gestreut durch aktiv gemanagte Fonds und ETFs durchgeführt werden, sind vielfach irrtümlicherweise als Spekulation angesehen, obwohl dies Investments in die Wirtschaft beziehungsweise in Unternehmen sind.

Assetallokation und Managerauswahl

Die Beurteilung der Frage, wann und ob ein aktiv gemanagterInvestmentfonds oder ein ETF das bessere Investment ist, hängt von dem Zielmarkt ab und davon, ob dieser eine höhere Expertise und komplexere Kenntnisse verlangt.
 
Bei der Betrachtung von Investments in aktiv gemanagte Fonds werden Manager und Strategien analysiert und evaluiert, ob diese in der Lage sind, nachhaltig und unter sich ändernden Marktgegebenheiten Alpha zu erwirtschaften. Eine überlegene Strategie hat benchmarkunabhängig durch Bottom-up-Unternehmens- und Sektoranalysen einen Active-Share-Anteil und kann je nach Konjunkturzyklus defensiver oder zyklischer aufgestellt sein, um das Wachstumspotenzial und bei definiertem Risikoexposure bestmöglich zu reflektieren.
 
Über ETFs kann ein Zielmarkt in der Breite zwar gut abgedeckt werden, aber die Indexkompositionen bergen Risiken. Bei Smart Beta ETFs sind nicht nur Märkte und Indizes schwer zu timen, sondern auch einzelne Faktoren wie Size, Value, Growth, Momentum, Volatility, Quality und Yield. Diese verhalten sich je nach Marktumfeld- und zyklus unterschiedlich, sodass über Multi- Faktor-Strategien eine Diversifikation erreicht werden kann.

Fazit

Zum Kapitalerhalt und Vermögensaufbau sind in einem Niedrig- beziehungsweise Nullzinsumfeld Investments in Aktien und Aktienfonds alternativlos. Rendite lässt sich nicht mehr mit Zinsen erwirtschaften, sodass andere Ertragsquellen und insbesondere untereinander möglichst niedrig korrelierte Anlageklassen sinnvoll zusammengesetzt werden, um nachhaltig Performance zu erwirtschaften und kein böses Erwachen zu erleben.
 
Die einzelnen Anlageklassen erfordern wegen einer Vielzahl von Einflussfaktoren einen höheren Analyseaufwand, der sich aber lohnt. Zusammenfassend kann ein Mehrwert und damit eine nachhaltig gute Rendite insbesondere in einem späten Wirtschaftszyklus durch die richtige Auswahl und Zusammensetzung verschiedener Anlageklassen erzielt werden. Dabei sind aktiv gemanagte Fonds als Core-Bestandteil attraktiver als passive Investmentprodukte, die eher beigemischt werden sollten.
Der Artikel erschien zuerst im Financial Planning Magazin des Instituts für Finanz- und Nachfolgeplanung (ifnp) in Berlin. 

Manuela Tränkel ist Portfoliomanagerin bei Mandura Asset Management AG

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

DB DAX 12.455,50 0,36%
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