Der Homo oeconomicus ist abgetreten

Norbert Betz, Psychofallen an der Börse
Umschlag kursplus/Foto Betz/BBAG/Killius
Jedes Jahr veröffentlich die Börse München ein Booklet zu interessanten Themen rund um die Börse als kleine Handreichung für Anleger und statt eines Hochglanzmagazins für Kunden. Wir bringen diese Booklets kapitelweise auf Südseiten, mit praktischer Verlinkung zu den genannten Wertpapieren. Wir beginnen mit Norbert Betz: Psychofallen an der Börse. Wie wir sie erkennen und vermeiden. "Ein anschauliches und angenehm unaufgeregtes Büchlein", wie es der Smart Investor in seiner Besprechung vorstellte.
Der Traum, die Idee der Wirtschaftswissenschaft war es, dass ein Mensch als vollkommen informiertes Wesen Entscheidungen aus rein rationalen Gründen zur Maximierung seines Gewinnes oder Nutzens trifft. Aktien von Adidas oder Puma, BMW oder Mercedes, Hugo Boss oder Hilfiger, US-Aktien oder Emerging Markets – wir entscheiden auf der Basis rein rationaler Faktenlage, nach mathematischen Modellen und Renditemaximierungen. Jedem Nicht-Wirtschaftswissenschaftler ist schnell klar, dass das so nicht funktioniert. Was nutzen alle minutiösen Checklisten, wenn kurz vor dem Kauf eine charmante Nachbarin von ihrer so positiven oder negativen Erfahrung mit Produkt A und B berichtet. Sofort stoßen wir unsere festgefügte Entscheidung über den Haufen und behaupten voller Inbrunst das Gegenteil.
 
Der homo oeconomicus als Konstrukt der Ökonomen, die Markteffizienzhypothese, die Portfoliotheorie und andere Modelle, insbesondere die Quantitativen, liefern zwar Erkenntnisse innerhalb ihrer eigengesetzten Modellgrenzen, können aber die Ursache-/ Wirkungsbeziehungen einer realen, dynamischen und komplexen Welt nur unzureichend abbilden. Grau ist bekanntlich alle Theorie und die guten Ratschläge zur Kapitalanlage sind ebenso zahlreich wie verwirrend. Ihre praktische Relevanz im Zeitpunkt der Entscheidung ist meist eingeschränkt.

Vereinfachen könnte in die Irre führen

Zum einen befinden wir uns niemals im Stadium der absoluten Information (egal ob wir nun unter- oder überinformiert oder den berühmten Fake News aufgesessen sind), zum anderen streben wir nicht immer den größtmöglichen ökonomischen Nutzen an. Vielmehr versuchen wir gerade bei Entscheidungen, die wir heute treffen müssen, die aber erst in der Zukunft wirken, durch Vereinfachungen und Herleitungen trotzdem zum Ziel zu kommen. Diese Vereinfachungen können uns aber in die Irre führen – der Kauf von Wertpapieren, überhaupt der Umgang mit Geld, war in unserer Evolutionsgeschichte nicht vorgesehen. Einen Säbelzahntiger zu bestechen, dass er unseren Vorfahren nicht verfrühstückte, war keine realistische Lösung. Wir müssen uns dieser Konditionierung bei jeder Entscheidung und bei jedem Weg hin zu einer Entscheidung bewusst sein – und genau dies versuchen wir Ihnen in den kommenden Wochen zu vermitteln. Es basiert auf einer langjährigen Erfahrung als Anleger wie als Leiter der Handelsüberwachung – damit quasi als Leiter des Sorgentelefons an der Börse!

Man muss nicht immer alles richtig machen

Wir, die Anleger, sind Teil der Anlagelösung und zugleich Teil der damit beginnenden Widrigkeiten und Probleme. Letztlich ist es auch gar nicht notwendig alles richtig zu machen. Es reicht aus dabei zu sein und die größten Fehler zu vermeiden. Also kein Anlass, ob der Herausforderungen der Märkte und der Anlage die Flinte ins Korn zu werfen!

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

BMW 68,38 0,34%
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PUMA I 71,20 0,00%
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Daimler 49,455 0,76%
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adidas 282,75 1,16%
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Hugo Boss N 37,03 0,95%
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