Anleihen: Nur auf hohe Renditen zu schauen, könnte eine gefährliche Strategie sein

Yasmine Ravaï, Eurizon Fund
Yasmine Ravaï / Bild: Eurizon Fund
  • Chinas Wirtschaftswachstum dürfte sich verlangsamen
  • Polnische Anleihen kombinieren stabile Währung mit Safe-Haven-Status
  • Untergewichtet in südafrikanischen und brasilianischen Papieren
  • Türkei zwar verlockend, erfordert aber große Vorsicht
Nach unserer Einschätzung wird sich die chinesische Wirtschaft im zweiten Halbjahr wohl nicht allzu kräftig erholen. Pekings Politik ist derzeit auf den Abbau der Verschuldung und die Bereinigung des Schattenbankensystems ausgerichtet. Daher ist es unvermeidlich, dass sich das Wachstum verlangsamt. Vergrößert wird das Problem durch den weiter schwelenden Handelskonflikt mit den USA. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass sich die chinesische Wirtschaft in den kommenden Monaten weniger in Form eines „V“, sondern eher in Form eines „L“ entwickeln wird.

US-Notenbank wirkt positiv auf Schwellenländer

Positiv für China und andere Schwellenländer sei hingegen die seit Januar auf einen gemäßigteren Kurs eingeschwenkte US-Notenbank, was den Dollar tendenziell schwäche. Doch auch dies habe eine Kehrseite. Denn die Bereitschaft der Federal Reserve, notfalls ihre Geldpolitik wieder zu lockern, habe ihre Ursache in der nachlassenden Dynamik der US- und der Weltwirtschaft, was wiederum negativ für die Emerging Markets sei.

Herausfordernde Rahmenbedingungen

Unter dem Strich sind die Rahmenbedingungen für die Schwellenländer also herausfordernd. Vor diesem Hintergrund sei es eine gefährliche Strategie, dass sich viele Vermögensverwalter bei der Auswahl der Schuldtitel für ihre Fonds fast ausschließlich von der Höhe der Renditen leiten ließen. Das hat schon in der Vergangenheit oftmals für Traumata bei vielen Investoren gesorgt, die im Krisenfall nicht mehr aus diesen Positionen herausgekommen sind.

Zweiteilige Strategie

Für geeigneter halten wir eine zweiteilige Strategie. In einem ersten Schritt betrachten wir Top-down eine Reihe globaler Faktoren. Am wichtigsten ist dabei die Geldpolitik der US-Notenbank und deren Auswirkung auf den Dollar. Denn unserer Erfahrung nach kommen etwa 75 Prozent der Wertentwicklung aus der Währung. Hinzu komme die Bottom-up-Analyse lokaler Themen und einzelner Emittenten.

Polnische Anleihen übergewichten

Entsprechend ist der Eurizon Fund - SLJ Local Emerging Market Debt derzeit etwa in polnischen Anleihen übergewichtet. Der Zloty ist stabil und Papiere aus Polen haben von ihrem Status als sichere Häfen profitiert. Untergewichtet ist der Fonds hingegen bei Anleihen aus Südafrika und Brasilien. Türkische Papiere seien wegen ihrer außerordentlich hohen Renditen zwar sehr attraktiv, so lange sich die Währung nicht bewege. Allerdings sei der Markt fast völlig zusammengebrochen, weshalb man sehr vorsichtig agieren müsse. Daher haben wir uns dort lediglich am kurzen Ende positioniert.
Yasmine Ravaï ist Portfoliomanagerin des rund 1,3 Milliarden Euro schweren Eurizon Fund - SLJ Local Emerging Market Debt - ein Teilfonds des in Luxemburg ansässigen Eurizon Fund, der von Eurizon Capital S.A. gegründet und von Eurizon SLJ Capital verwaltet wird.