Zentralbanken denken über Zinssenkungen nach

Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Dr. Bernd Meyer, Berenberg Privatbank
Der Konsensus erwartet in den USA einen Gewinnanstieg von ca. 2 Prozent in 2019. Der
S&P 500 ist allerdings dieses Jahr bereits mit über 20 Prozent auf ein Allzeithoch geklettert. Das heißt 90 Prozent des Anstiegs ist durch eine KGV-Ausweitung getrieben. Die Aktien sind entsprechend deutlich teurer bewertet als gegen Ende des letzten Jahres. Das Auspreisen der übertriebenen Rezessionsbefürchtungen in Q4 2018 ist ein Grund dafür. Allerdings preisen die Märkte auch schon eine Erholung der Konjunktur im zweiten Halbjahr ein. Die Wirtschaftsdaten enttäuschen jedoch weiterhin weltweit – und dieses Jahr im Gegensatz zu letztem Jahr auch in den USA. Zudem scheinen die Stimulierungsmaßnahmen in China kaum Wirkung zu entfalten.
Damit eine Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr stattfindet, müsste der Handelskonflikt für einen längeren Zeitraum entschärft und ein harter Brexit vermieden werden. Die Zentralbanken haben die fragile Lage erkannt und Zinssenkungen in Aussicht gestellt – auch weil die Inflationserwartungen weiter gefallen sind.

Fokus auf die Unternehmensberichtssaison

In den letzten Wochen haben die Aktienmärkte bereits Zinssenkungen der US-Notenbank, eine anhaltend expansive Geldpolitik der EZB und eine ausbleibende Eskalation im Handelskrieg eingepreist. Nun dürfte sich der Fokus auf die Unternehmensberichtssaison für das zweite Quartal richten. Angesichts der weiterhin auf niedrigen Niveaus verharrenden konjunkturelle Frühindikatoren und ersten Gewinnwarnungen erwarten wir eine zunehmende Anzahl an Unternehmen, die Ausblicke und Gewinnprognosen für 2019 senken werden.
 
Am Dienstag werden in Deutschland die ZEW-Konjunkturerwartungen und in den USA Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion veröffentlicht. Der Zustand der US-Konjunktur dürfte sich auch am Donnerstag von den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung und am Freitag vom Verbrauchervertrauen erahnen lassen. Die EZB tagt zum nächsten Mal am 25. Juli und die Fed dürfte bei der Sitzung am 31. Juli die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte senken.

Aktien global erfreulich

Gesamtrendite (inklusive reinvestierter Dividenden) für ausgewählte Aktienindizes, in Euro und in Prozent, sortiert nach 4-Wochen-Performance. Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 11.07.2014 - 12.07.2019
Auch in den letzten vier Wochen haben sich Aktien global erfreulich entwickelt. Der S&P 500 erreichte ein neues Allzeithoch und knackte sogar erstmalig die 3000-Punkte-Marke. Aktien der Eurozone waren ebenfalls sehr gefragt. Der DAX entwickelte sich vergleichsweise schwach, bedingt durch vermehrte Gewinnwarnungen zyklischer Unternehmen.
Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.
               

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